Meinung

Investitionen wagen

Mein Leben als Technikjournalist spielt sich in zwei Welten ab, die beide äußerst faszinierend sind und doch oft zu weit voneinander entfernt liegen. Die eine Welt, das sind die Werke und Anlagen, in denen die Industrie Tag für Tag ihre Produkte fertigt, in denen Kabel brechen und Mitarbeiter ausfallen; Lieferanten trödeln und Budgets erschöpft sind – und am Ende die Ware doch in fehlerfreier Qualität pünktlich auf den LKW gehoben wird.

Daniel Schilling, Chefredakteur handling © WBM

Die andere Welt das sind die Spitzenforschungsinstitute der Wissenschaft und die Top-Hersteller mit ihren technologischen Neuheiten. Eine brillante, vernetzte Welt, in der Fehler lange bevor sie entstehen automatisch identifiziert werden. In der die technischen Verantwortlichen Funktionen für Ihre Anwendungen im App-Store einkaufen und Losgröße 1 die Regel ist.

Auf Messen wie der Motek im Oktober oder der SPS in diesem Monat treffen beide Welten aufeinander und betrachten sich mit Sehnsucht: Die einen würden gerne ihre Werker mit Cobots der jüngsten Generation unterstützen oder Lücken in der automatisierten Produktionskette mit fahrerlosen Transportsystemen oder Mehr-Achs-Robotern überbrücken oder gleich die große, nahtlose Industrie-4.0-Lösung. Die anderen würden gerne genau das liefern.

Was zwischen beiden Welten steht? Meist eine banale Kosten-Nutzen-Rechnung: Industrie 4.0 bedeutet einen Generationenwechsel in der technischen Ausstattung. Die vorhandenen Aufträge lassen sich noch mit der alten Ausstattung abarbeiten und die Deckungsbeiträge für die kommenden Quartale sind unsicher geworden. Ist das der richtige Zeitpunkt, beachtliche Summen in einen Generationenwechsel zu investieren? Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht, nur eine Vermutung. Und die lautet: Ja, es lohnt sich jetzt den Sprung zu wagen. Jetzt, wo das Wachstum eine Pause macht. Jetzt, wo der Fachkräftemangel spürbar wird und vor allem jetzt, wo die Kunden ganz neue Produkte benötigen.

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Es sind ja auch gar nicht so wenige den Schritt gegangen. Ich freue mich schon, auf interessante neue Anlagen. Lassen Sie es uns wissen!

Daniel Schilling
Chefredakteur handling

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