Editorial

Top-Runner

Was haben Staubsauger und Werkzeugmaschine gemeinsam? Sie sind beide ins Visier von EU und Bundesregierung geraten. Von September 2014 an sind Staubsauger mit einer Leistung größer 1600 Watt verboten. Und: 2017 wird auf 900 Watt gedrosselt. Eine entsprechende Verordnung ist seit Juli 2013 in Kraft ¿ mit Unterstützung der Bundeskanzlerin. Bei der Ökodesign-Richtlinie für Werkzeugmaschinen hat die Bundesregierung dagegen die Position gewechselt. Jetzt soll das Top-Runner-Prinzip anstelle des Mindesteffizienz-Ansatzes gelten. Das bedeutet: Das energieeffizienteste Produkt definiert den Standard für alle Wettbewerbsprodukte. Freuen wird sich darüber vor allem die japanische WZM-Industrie. Japan führte die Top-Runner-Regelung bereits Ende der 1990er Jahre ein. Die Nippon-Maschinen gelten unter Fachleuten dementsprechend als sehr energieeffizient, hatten bisher aber im Weltmarkt mit Preisnachteilen zu kämpfen, bedingt durch höhere Entwicklungskosten und teurere Komponenten. Geht es nach EU und Bundesregierung, erhalten nun auch die deutschen Werkzeugmaschinen die grünen Energieaufkleber von A+++ bis G. Doch ob die Energieeffizienz für den Kunden und Verbraucher und vor allem die Umwelt als alleiniges Ausschlusskriterium geeignet ist, lässt sich schon am Beispiel der simplen - inzwischen verbotenen - Glühlampe hinterfragen. Dass sie mehr Energie aus dem Netz zieht als eine Halogenleuchte, ist unbestritten. Doch betrachtet man die Gesamtenergiebilanz von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung, macht die High-Tech-Birne keinen Stich mehr - vom Preis mal völlig abgesehen. Und wenn ab 2017 der 900-Watt-Sauger die Hundehaare nicht mehr in einem Durchgang aus dem Teppich rausbekommt, wird der Verbraucher halt länger saugen. Noch komplizierter ist das Thema bei den Werkzeugmaschinen, wo viele energieverbrauchende Komponenten zusammenarbeiten, wo Maschinenkonzept, Steuerungen, Materialien, Werkstückaufnahmen, Bearbeitungsstrategien und vieles mehr in die Gesamtenergiebilanz mit einfließen. Da die Richtlinie auf Europa beschränkt ist, wird die exportorientierte WZM-Industrie zukünftig vielleicht zweigleisig fahren: eine energieoptimierte, teurere Maschine für die EU und Japan ¿ und eine leistungs- und preisoptimierte für den Rest der Welt. Die Autoindustrie machts vor. Apropos: Hätte der deutsche Maschinenbau dieselbe Rückendeckung der Kanzlerin wie die deutsche Autoindustrie bei der Blockade der EU-Abgasregelung, müsste sich die Branche etliche Sorgen weniger machen.

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