Editorial
Ikea-Konzept
Bei Ikea ist es Konzept: der schwedische Möbelpuzzle-Hersteller leitet seinen Kunden gezielt durch das Labyrinth der Ausstellungsräume, vorbei an dem Ivar-Regal, dem Pöang-Sessel und den Britt-Gardinen - auch wenn man eigentlich nur einen Satz Gläser nachkaufen will. Für ein Möbelhaus, das sich auch als Erlebniswelt vermarktet, passt das - auf einer Messe fühlt sich der Besucher irritiert, wenn er hinter der Hallenanordnung keine Logik entdecken kann und auch die Wegeauszeichnungen ...ähm... optimierungswürdig sind.
Seit die SPS/IPC/Drives 1997 von Sindelfingen in die fränkische Metropole umgezogen ist, bin ich jede letzte Novemberwoche in Nürnberg. Und brauche immer einen Tag, bis ich mir wieder die schnellsten Wege eingeprägt habe.
Denn das Messehallen-Konzept stammt aus den frühen 70ern. Einer Zeit, als man Telefonwählscheiben noch mit dem Bleistift drehte und der Messebesucher noch zwei Tage Zeit für seinen Rundgang mitbrachte. Und so führen einen die Hallenschilder auch: Die Ausschilderung "Messerundgang Halle 1- 11" will den Besucher umständlich durch das ursprüngliche Kreiskonzept der Hallen leiten, das durch hinzugekommene Neubauten aber längst nicht mehr existiert. Eine Orientierungs-App für unübersichtliche Messegelände bildet sich als Geschäftsidee in meinem Kopf, während ich mich durch die Besucherströme drängle, um von einem Termin in der Halle 3 rechtzeitig zum nächsten in der 11 zu kommen. Bei der Gesprächspartnerin habe ich mit der Entschuldigung "Orientierung verloren" sofort ein Deja-vu ausgelöst und einen guten Gesprächseinstieg.
In dem bekomme ich Einblick in die nahe Zukunft der Industrie und diskutiere über Industrie 4.0, das Internet der Dinge und m2m - um nach dem Verlassen des Standes sofort wieder in der orientierungslosen Realität zu landen. Suchend schweift der Blick über Wände und Decke, um Hinweise zur nächsten anvisierten Halle zu erhalten. Vergeblich - denn die Auszeichnung zu den angrenzenden Messehallen sind auf dem Gangboden angebracht - was bei der auch flächenmässig wieder gewachsenen SPS aber unter den Schuhen der vielen Besucher nicht mehr zu entdecken ist (Aussteller: 1.622, + 11%; Fläche: 114.000, +7%; Besucher: 60.027, +6%) Vielleicht sollten die Manager der Nürnberger Messe mal selbst einen SPS-Rundgang machen, um zu entdecken, welche Lösungen es heute gibt, um auch komplizierte Prozesse für den Menschen möglichst einfach zu gestalten. Und auch bezüglich Datenübertragung gibt es heute schnellere Lösungen als 6.000 bit/s - im Pressezentrum hätte das Versenden eines kurzen Video-Clips in die Redaktion eine Stunde benötigt. Die Zeit hatte ich nicht - musste den Weg zur Halle 8 planen. Für die Vorbereitung der nächsten SPS 2014 habe ich mir aber bei einer Kollegin etwas abgeschaut: die hat sich den Plan in Scheckkartengrösse ausgedruckt und für die drei Tage auf ihr Mobil hinten drauf geklebt.








