Meinung
Nur gute Nachrichten
Das Neue Jahr soll man mit positiven Nachrichten begrüßen - und das wollen wir auch dieses Jahr wieder tun. Nein, die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sind noch nicht überwunden, und für die Finanzierung der Milliardenhilfen müssen auch nicht Josef Ackermann oder Richard Fuld einstehen. Letzterer, Chef der Pleite-Bank Lehman Brothers, hat übrigens in den letzten Jahren eine halbe Milliarde Dollar an Boni für "gute Arbeit" verdient. Und nein, die Autoindustrie steckt ebenfalls noch bis zur Karosserie-Oberkante in der Krise. Und auch in das staatliche Finanzpaket für die Automobilindustrie müssen die hochbezahlten PKW-Manager ihre Boni nicht einzahlen. Doch es gibt zum Jahresanfang auch viele gute Nachrichten. Zum Beispiel aus den USA: Röhrende Alphatierchen haben fürs Erste ausgedient. Nicht nur in der Politik, wo wir den Amerikanern mit Angela Merkel vs. Gerhard Schröder mal einen Schritt voraus waren. Mit Barack Obama vs. Georg Bush haben sie aber nun mehr als aufgeholt.
Auch in der Wirtschaft ist mit der Krise die Zeit der Leader, die zu wissen glauben, wo's langgeht, wohl erst einmal vorbei. Zwar gibt es immer Leute, die mit dem Kopf durch die Wand wollen - notfalls unter zu Hilfenahme unlauterer Mittel. Langfristigen Erfolg schaffen sie aber nicht. Weder im Leben oder der Politik, noch in Büros oder Fabriken funktioniert das Prinzip auf Dauer, dass einer ansagt und die anderen kuschen. Eine ganz andere positive Nachricht, die ich aus meinem kürzlichen USA-Besuch mitbringen konnte: Während um 23:00 Uhr bei uns die Ansagerinnen anfangen, ihre Kleidungsstücke abzulegen und um Antworten für Fragen der Art "Deutsche Hauptstadt mit B" betteln, kommen ausgerechnet im US-Fernsehen Sendungen über Technik: "How it works" oder "Technical Marvels". Vielleicht hat die Krise den Amerikanern schneller bewusst gemacht als uns, dass es nicht zu einer langfristigen Wertschöpfung für die Volkswirtschaft führt, wenn man Finanzmittel nur hin und her schiebt und auf steigende oder fallende Kurse wettet, sondern dass dafür etwas erzeugt oder produziert werden muss. Und dafür benötigt es ganz dringend an Technik interessiertem Nachwuchs. Und der hat nun auch den obersten kirchlichen Segen: Denn sogar Papst Benedikt will mit einem eigenem Youtube-Kanal ins Internet.
Gute Nachrichten gibt es aber auch von der heimischen Steuerfront: Die PKW-Abwrackprämie hat bereits nach wenigen Tagen für eine spürbare Belebung des Automarktes gesorgt. Allerdings vor allem im Niedrigsegment-Bereich, das deutsche Hersteller leider nicht bedienen. Der Neuwagen ist zudem bis zu zwei Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Und mit dem neuen Auto kann man dann noch zum Fitness- oder Anti-Nikotin-Kurs fahren - von der Firma spendiert. Denn diese Unterstützung bleibt bis zu 500 Euro steuer- und abgabenfrei. Des Weiteren wurden Kindergeld und Steuerfreibeträge erhöht, und Eigenheim- und Firmenerben profitieren von der Erbschaftsteuerreform. Wer das alles finanzieren soll? Solche Nebensächlichkeiten haben bei so vielen guten Nachrichten nun wirklich keinen Platz.
Hajo Stotz









