Meinung
A big bang
Die Zeit rast. Nie wird das deutlicher als zum Jahresende hin, wenn man sich bewusst wird, dass auch diese zwölf Monate schon wieder fast verstrichen sind. Doch andererseits hat sich in 2005 viel getan. Bei den Industrie-Themen hat Sie SCOPE über die interessantesten Neuheiten informiert – und falls Ihnen doch etwas entgangen sein sollte, die Beststeller des Jahres haben wir ab Seite xx nochmals zusammengefasst.
Und auch das neue Jahr verspricht wieder viele interessante Neuheiten und Weiterentwicklungen. Eine davon nahm auf der Messe SPS breiten Raum ein: Wireless Technologies setzt zum Sprung in die Produktionswelt an. Noch vor wenigen Monaten waren sich die Experten einig, dass die drahtlose Fabrikverkabelung erst in etlichen Jahren an Bedeutung gewinnen wird. Doch die Technologie hat sich dieses Jahr mit einem „big bang“ weiterentwickelt: Sensoren, Steuerungen und Sicherheitseinrichtungen sind nur einige Bereiche, in denen es bereits viele konkrete Anwendungen gibt. Eine Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan prognostiziert bis nächstes Jahr eine Vervierfachung des Umsatzvolumens.
Denn die Vorteile sind einfach zu überzeugend: Mobilität und Flexibilität, einfache Installation, geringer Material- und Kostenaufwand machen die Funktechnik gerade für den Einsatz in der Automatisierung interessant.
Im Unterschied zu Mobilfunk arbeiten die Wireless-Techniken, wie beispielsweise Bluetooth und Zigbee, im 2,4-GHz-Band, mit einer Reichweite von zu bis zu 100 m und können überall lizenzfrei eingesetzt werden. Sie sind für die schnelle Übertragung großer Datenmengen geeignet und mit Ethernet einfach zu verknüpfen.
Bluetooth – der Name geht auf den Wikingerkönig Blauzahn zurück – wurde bereits 1994 von den beiden nordischen Mobilfunkherstellern Ericsson und Nokia entwickelt, um kleine Geräte ohne großen Aufwand zu verbinden. Jede digitale Anwendung kann Bluetooth für die Datenübertragung nutzen und damit bis zu acht Geräte aktiv miteinander verbinden. Aber erst mit der im November 2004 verabschiedeten Version 2.0 lassen sich nun auch große Datenmengen sehr schnell übertragen.
Zigbee – der Name soll auf den Zick-Zack-Flug der Biene zurückgehen – war erstmals auf der diesjährigen Cebit ein greifbarer Trend. Doch bereits innerhalb weniger Monate sollen nach einer Studie von ABI Research weltweit rund 1 Mio. Zigbee-Produkte verkauft worden sein, für Ende 2006 sagt sie eine Verkaufszahl von 80 Mio. Stück voraus.
Natürlich werden sich nicht alle Funktionen durch drahtlose Techniken ersetzen lassen, etwa sicherheitsrelevante wie „Not-Aus“. Denn alle Wireless-Netzwerke basieren auf störbaren Radiofrequenzen. Doch für viele unkritische Anwendungsfälle, so meine Prognose, wird in wenigen Jahren die kabellose Datenübertragung in der Produktion Standard sein.
Vielleicht finden Sie ja ein entsprechendes Geschenk unterm Weihnachtsbaum, um sich selbst ein Bild zu machen, wie schnell es geht, mit Bluetooth z.B. das neue Stones-Album „A bigger bang“ vom PC aufs Handy zu laden und übers kabellose Headset anzuhören.
Das gesamte Scope-Team wünscht Ihnen jedenfalls erholsame Feiertage ohne Zeitdruck, um Kraft zu sammeln für ein spannendes 2006!
Hajo Stotz








