Meinung

Dunkle Wolken

Ob First Solar, Q-Cell, Phoenix Solar, Schott Solar, SMA Solar – die einstigen Vorzeigeunternehmen der Solarbranche kämpfen mit wirtschaftlichen Problemen, Überkapazitäten und Preisverfall.

Erst wenige Monate ist es her, dass die Branche noch als Zukunftsindustrie für den Standort Deutschland galt. Nach dem Beschluss der Bundesregierung zum Atomausstieg schien klar, dass die Firmen zu den Gewinnern der Energiewende zählen. Und erklärtes Ziel der Politik war und ist es, Deutschlands Position als Weltmarktführer im Bereich der erneuerbaren Energien auszubauen. Dem Anspruch folgend, wurde die Solarindustrie üppig gefördert: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), vor elf Jahren eingeführt, verhalf ihr zu einem grandiosen Aufschwung. Im vergangenen Jahr entfielen von 16 Gigawatt an Modulen, die weltweit verbaut wurden, knapp die Hälfte auf Deutschland. Denn das EEG garantiert jedem Betreiber über 20 Jahre eine feste Einspeisevergütung – 2004 waren das noch 57,4 Cent je Kilowattstunde - bezahlt von den Stromverbrauchern. Auf Grund der riesigen Nachfrage sinkt die Vergütung seitdem zwar, doch nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung kostete die Förderung den Stromkunden bis zum Jahr 2010 bereits über 81 Milliarden Euro.

Der massiven Förderung zum Trotz verliert die deutsche Photovoltaik-Industrie jedoch stetig Marktanteile. Oder gerade wegen der Milliarden? Die Hersteller konnten sich jahrelang auf stetig steigende Aufträge verlassen und schütteten ihre Gewinne lieber an der Börse aus, als in neue Entwicklungen zu investieren. Nur zwei bis drei Prozent ihres Umsatzes investiert die Branche in Forschung und Entwicklung, weit weniger als der Maschinenbau.

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Auf Grund der niedrigeren Preise bei gleicher Modulleistung schoss der globale Marktanteil der Chinesen im vergangenen Jahr von 15 auf 28 Prozent, der deutsche verharrte bei 20 Prozent.

Heute kommen daher die Subventionen des deutschen Steuerzahlers vor allem der chinesischen Photovoltaikindustrie zugute, die den Großteil ihrer Produktion in Deutschland verkauft. Und noch einen Bärendienst haben die Subventionen der Photovoltaik erwiesen: sie gilt nun als überteuerte Energieerzeugungsform. Doch eine Studie des Chemiekonzerns Wacker zeigt, dass Sonnenstromanlagen schon 2016 preiswerter Energie produzieren könnten als Gaskraftwerke.

Wie sich eine Branche ohne Subventionen, aber mit jeder Menge Innovationen am Weltmarkt behaupten kann, könnte sich die Photovoltaikindustrie bei der Automatisierungs-, Sensor- und Antriebstechnikbranche anlässlich ihrer Hausmesse SPS/IPC/Drives in Nürnberg abschauen.

Hajo Stotz, Chefredakteur
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