Meinung
Es mangelt an Würdigung
Die Attraktivität einzelner Berufsfelder macht sich an etlichen Fakten fest: Mode (Medien), Verdienst (Börse), Image (Hochschule), Zukunft (IT) und so weiter.
Der Mangel an Mitarbeitern tritt an anderer Stelle auf. Aber er tritt dort auf, wo dieses Land seinen Wohlstand bezieht: in der produzierenden Industrie.
Händeringend suchen die Personalchefs noch immer nach geeigneten Fachkräften. Auf der Wanted-Liste stehen die Ingenieure ganz oben.
Aber mit der Attraktivität der Mint-Berufe ist es nicht weit her. Und wenn die Ingenieure endlich in die Praxis gehen, dann wandern sie gern in Bereiche ab, die zwar wichtig sind, aber selten das Rückgrat des Unternehmens bilden, sondern eher das Fleisch: Vertrieb, Marketing, Administration. Das Skelett aber – und damit der Rückhalt – bleibt die Technik. Der Maschinenbau lebt vom Erfindungsreichtum seiner Mitarbeiter. Die Unternehmen müssen deswegen mehr tun, um die Attraktivität in Konstruktion und Entwicklung zu fördern. Das KIT fasst das Dilemma in einem einizigen aber treffenden Satz zusammen: „Konstrukteure im Alltag stehen im Schatten ihrer Produkte.“ Ruhm und Ehre – und damit die besseren Gehälter – verdient man anderswo.
Aber Geld ist nicht alles. Solange das Berufsbild des Konstrukteurs unscharf bleibt, der kreative Part im Berufsbild untergeht, wird es auch schwierig sein, junge Mitarbeiter für diese an sich faszinierende Tätigkeit zu begeistern. Die anstehenden Herausforderungen durch Automation, Effizienz und Nachhaltigkeit sind eine Jahrhundertaufgabe, die die Prosperität unserer erfolgreichen Exportschlager Automotive und Maschinenbau grundlegend berühren. Problemlösungen sind deswegen nicht nur gefragt, sondern überfällig.
Die Studie „Faszination Konstruktion – Berufsbild und Tätigkeitsfeld im Wandel“, initiiert von Acatech und KIT, untersucht das Problem und gibt Hinweise für Hochschule und Betriebe. Wir empfehlen das Studium (Vorbericht Seite 8, download unter http://acatech.de) für die ruhigen Tage am Ende des Jahres.
Redaktion und Verlag wünschen den handling-Lesern und -Freunden angenehme Feiertage und eine gute Landung nach dem Rutsch ins Jahr 2013.
Herzlichst
Ihr
Bernd Waßmann
Stellv. Chefredakteur handling








