Digitalisierung

Generative KI im Engineering

Siemens stellte auf der Hannover Messe den Siemens Industrial Copilot vor. Der generative KI-gestützte Assistent kann Menschen beim Engineering und in der Fertigung das Arbeiten erleichtern.

Rainer Brehm, CEO Factory Automation bei Siemens © Siemens

Angesichts des Fachkräftemangels wird dies dazu beitragen, den Arbeitsaufwand von Entwicklungsteams und im Betrieb von Anlagen deutlich zu mindern. Rainer Brehm, CEO Factory Automation bei Siemens, erläutert Funktion und Einsatzmöglichkeiten des Siemens Industrial Copilot.

Zusammen mit Microsoft hat Siemens den Industrial Copilot entwickelt. Welche Funktionen bietet der Chatbot und was sind die Vorteile für Unternehmen?

Der Siemens Industrial Copilot ist ein generativer KI-gestützter Assistent, mit dem Siemens Menschen beim Engineering und in der Fertigung das Arbeiten erleichtern möchte. Der Industrial Copilot befähigt Automatisierungsingenieure und Fabrikmitarbeitende, Prozesse zu optimieren, zu beschleunigen und die Produktivität zu steigern – angefangen bei der Konstruktion eines Produkts oder einer Maschine bis hin zu Planung, Engineering, Betrieb und Service. Da der Copilot beispielsweise komplexen Programmiercode durch natürliche Spracheingabe erzeugt, sind Engineering-Teams in der Lage, schneller Code für speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) zu generieren sowie Simulationszeiten erheblich zu verkürzen. Ein mehrere Wochen dauernder Prozess wird so auf wenige Minuten reduziert. Zudem unterstützt der Industrial Copilot Mitarbeitende in der Fertigung, indem er hilft, Fehler zu erkennen, detaillierte Reparaturanweisungen gibt und dadurch schneller Lösungen entwickelt werden können. Gerade angesichts des Fachkräftemangels wird dies dazu beitragen, den Arbeitsaufwand von Entwicklungsteams und im Betrieb von Anlagen deutlich zu mindern.

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Wie gestaltet sich der Implementierungsprozess des Siemens Industrial Copilot? Gibt es typischerweise Herausforderungen, die es zu beachten gilt?

KI-Systeme helfen, neue Technologien schneller zu entwickeln. Wir setzen beispielsweise generative KI ein, um weitere generative KI-Produkte zu bauen und nutzen dafür Azure OpenAI Service von Microsoft. Eine große Herausforderung ist, die KI-Systeme industrietauglich zu machen. Die Systeme müssen robust, sicher und vertrauenswürdig sein, um sie für industrielle Produktentwicklungs- und Produktionsprozesse nutzen zu können. Dafür müssen wir Vorkehrungen treffen und dies auf unsere Domäne adaptieren. Denn ein auf generativer KI-basierter Assistent kann Automatisierung nicht ohne Weiteres. Besonders das Testen von industrietauglicher KI ist mit neuen Anforderungen verbunden, die man bei herkömmlichen Softwareprodukten nicht hat. Des Weiteren entwickelt sich das Feld enorm schnell, sodass wir neue Technologien und Ansätze zügig integrieren müssen.

Automobilzulieferer Schaeffler ist einer der ersten Nutzer, welche Rückmeldungen haben Sie hier bekommen?

Vergangenes Jahr haben wir auf der SPS-Messe mit Schaeffler als Co-Creation-Partner zum ersten Mal eine Produktionsmaschine präsentiert, die mit dem Industrial Copilot erweitert wurde. Das Motion-Technology-Unternehmen sieht genau wie Siemens generative KI-Lösungen als wichtige Treiber für die digitale Transformation in der Industrie. Indem bei Schaeffler generative KI in der Engineering-Phase eingesetzt wird, sind Ingenieure in der Lage, schneller und effizienter Code zu generieren, wie zum Beispiel für die Programmierung von Robotersystemen. Außerdem plant Schaeffler, unseren KI-basierten Assistenten im Betrieb einzusetzen, um Ausfallzeiten von Maschinen zu reduzieren oder Wartungsteams bei der Fehlersuche zu unterstützen.

Gibt es Pläne in Bezug auf die Weiterentwicklung des Siemens Industrial Copilot oder die Integration neuer Technologien oder Funktionen?

Auf der diesjährigen Hannover Messe gehen wir in unserer Evolution von KI im industriellen Umfeld noch einen Schritt weiter: Siemens zeigt als erstes Industrieunternehmen ein Produkt für generative KI im industriellen Engineering-Umfeld. Der Industrial Copilot ist an das Engineering-Framework Totally Integrated Automation (TIA) Portal von Siemens über die offene API-Schnittstelle TIA Portal Openness angebunden und wird zeitnah Kunden über die digitale Businessplattform Siemens Xcelerator zur Verfügung stehen. Neue Features sind beispielsweise das automatisierte Generieren von SCL-Code. Das TIA Portal kann den Codevorschlag direkt vom KI-System übernehmen, ohne dass Nutzer zuvor den Code kopieren und einfügen müssen.

Wann können wir mit GenAI-basierten Assistenten im gesamten Produktionsumfeld rechnen?

Das Potenzial von GenAI ist riesig. Wahrscheinlich sehen wir noch nicht mal die Spitze des Eisbergs, welche Möglichkeiten sich mit generativer KI in der Fabrikautomatisierung eröffnen. Bei Siemens testen wir schon länger mit unseren Partnern und Kunden, wie und wo wir generative KI überall anwenden können. Dabei sehen wir viele Anwendungsszenarien für generative KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Unser Ziel ist, dass der Industrial Copilot von Anfang an unterstützt, wie zum Beispiel in der Design- und Planungsphase sowie natürlich im Bereich Engineering, Operations und Service. Vor allem im operativen Betrieb bieten sich viele Möglichkeiten: Beispielsweise für Kunden, die selbst produzieren, um die Effizienz von Bedien-, Wartungs- und Servicepersonal zu steigern und kritisches Expertenwissen weiterzugeben. Aber auch für Maschinenbauer, die eine schnellere Remoteunterstützung anbieten wollen oder ihren Kunden Zugriff auf den Copilot für ihre Maschinen ermöglichen möchten.

Welche weiteren Neuheiten wird es von Siemens auf der Messe zu sehen geben?

KI, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit stehen im Fokus des Siemens Messe-Mottos "Accelerate Transformation". In Showcases aus der Automobil-, Lebensmittel-, Halbleiter- und der chemischen Industrie zeigt Siemens Technologien, die Automatisierung und Programmierung einfach machen.

Mit Simatic S7-1200 G2 können unsere Kunden einfach automatisieren. Die Controller ermöglichen die Kombination von effizienten Motion-Control-Funktionen mit flexiblen und platzsparenden Maschinensicherheitslösungen. Darüber hinaus bieten sie den Einstieg in nahtlos skalierbare Kundenapplikationen und erfüllen gleichzeitig modernste Leistungsanforderungen an kosteneffiziente Automatisierungsanwendungen.

Weiterhin setzt Siemens beim Industrial-Edge-Ökosystem auf die Zusammenarbeit mit Partnern wie Amazon Web Services Inc. (AWS): AWS IoT SiteWise Edge ist nun auf dem Siemens Industrial-Edge-Marktplatz verfügbar. Von dort aus können Kunden die App auf Siemens Industrial Edge über ein zentrales App- und Gerätemanagement nutzen, sie mit anderen Apps und Edge-Geräten kombinieren und so eine IoT-Lösung für ihre spezifischen Herausforderungen konfigurieren.

Aus dem Bereich Cybersicherheit zeigt Siemens den cloudbasierten Sinec Security Guard. Die Software-as-a-Service bietet ein automatisiertes Schwachstellen-Mapping und Sicherheitsmanagement, das für industrielle Betreiber in OT-Umgebungen optimiert ist. Sinec Security Guard kann bekannte Cybersicherheitsschwachstellen automatisch den Produktionskomponenten von Industrieunternehmen zuordnen.

Mit Siemens Xcelerator for Digital Drivetrain präsentiert Siemens ein Angebot an IoT-fähiger Hardware und Software für den gesamten Antriebsstrang. Dieses umfasst die Bereiche Drivetrain Design und Drivetrain Health. Drivetrain Design bietet Werkzeuge zur Auslegung, Simulation und Optimierung von Antriebssträngen in der Designphase. Hierfür bringt Siemens DriveSim Engineer auf den Markt, der es ermöglicht, einen digitalen Zwilling des Antriebs in einer virtuellen Umgebung mit all den Parametern und Konfigurationen zu erstellen.

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