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Artikel und Hintergründe zum Thema

KI + Datenanalyse

Der Wa(h)re Wert

Vor kurzem konnte ich der Versuchung einfach nicht widerstehen eine Akku-Bohrmaschine zum Schnäppchenpreis von 49,99 Euro zu kaufen. Doch bereits nach wenigen, durchaus moderaten Einsätzen lieferte der Akku nur noch für wenige Minuten Strom. Ein Ersatzakku kostet aber fast soviel wie die gesamte Bohrmaschine.

Würde der Käufer die TCO kennen, blieben solche Angebote wohl liegen wie Brot von vorgestern. TCO? Das sagt Ihnen nichts? Total Cost of Ownership ist ein Abrechnungsmodell, das dazu dient, alle anfallenden Kosten von Investitionsgütern abzuschätzen – also nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch alle weiteren Kosten, die während des Gebrauchs eines Produktes anfallen, wie Energiekosten, Reparatur und Wartung, bis hin zum möglichen Wiederverkaufswert.

Vor allem bei höherwertigen Gütern rückt unter TCO-Gesichtspunkten der reine Kaufpreis damit in den Hintergrund. So machen zum Beispiel bei der Anschaffung einer Drehmaschine mit einer Nutzungsdauer von zehn Jahren die Investitionskosten nur noch 14 Prozent an den Gesamtbetriebskosten aus.

Der Haken an der Sache: Eine TCO-Kostenbetrachtung ist aufwendig. Denn für die Berechnung der Lebenszykluskosten müssen entweder bereits Erfahrungswerte vorliegen oder der Anbieter muss solche liefern können.

In großen Unternehmen, etwa der Automobilindustrie, geschieht bereits heute genau das. Eigene TCO-Abteilungen beschreiben bei großen Beschaffungen die TCO-Kostenelemente im Lastenheft und fixieren diese mit den Zulieferern im Liefervertrag.

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Doch auch kleine Unternehmen handeln häufig nach dem TCO-Prinzip, wenn auch meist weniger auf Basis genauer TCO-Zahlen, sondern mehr aus-dem-Bauch-heraus. Wie zum Beispiel Helmut Miller: Um Stillstandszeiten und laufende Kosten möglichst gering zu halten, investiert der Geschäftsführer der Miller Präzisionswerkzeuge aus Erfahrung lieber in etwas teurere, aber zuverlässige Maschinen (siehe Reportage Seite XX). Um aber zukünftig den Käufern genaue TCO-Daten liefern zu können und gleichzeitig für die Anbieter den Aufwand für die Berechnung zu verringern, hat der VDMA nun ein standardisiertes Modell aus Anbietersicht erstellt, das einfache und klare Berechnungsvorschriften beinhaltet (VDMA-Einheitsblatt 34160 Prognose von Lebenszykluskosten).

Profitieren könnten vom TCO-Ansatz insbesondere deutsche Hersteller. Denn damit sind sie in der Lage, den Kunden aufzuzeigen, dass sich die Investition in das höherpreisige, aber wartungsärmere und langlebigere Produkt durchaus rechnet.

Und wer weiss? Vielleicht steht eines Tages auch bei Aldi neben dem Kaufpreis ein TCO-Faktor auf der Bohrmaschinenschachtel.

Ihr

Hajo Stotz

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