Datenanalyse
Performance rauf, Kosten runter
Ein transparenter Überblick über die tatsächlich installierten Geräte ist die Voraussetzung für eine zielgerichtete Instandhaltung, ein vorausschauendes Risikomanagement und eine verlässliche Investitionsplanung. Die dynamische Analyse der installierten Basis schafft diese Grundlage, indem sie digitale Zwillinge aller Assets erstellt und diese systematisch sowie praxisnah bewertet.
Industrieanlagen entwickeln sich über viele Jahre hinweg. Messstellen werden ergänzt, modernisiert oder an neue Prozessanforderungen angepasst, häufig unter hohem Zeitdruck und mit wechselnden Lieferanten. Die Dokumentation dieser Veränderungen kann mit der technischen Entwicklung oft nicht Schritt halten. So entstehen über die Zeit Lücken, Inkonsistenzen oder veraltete Informationen über die installierten Geräte. In der Praxis hat das spürbare Auswirkungen auf den Anlagenbetrieb. Instandhaltungsteams müssen Entscheidungen auf Basis unvollständiger oder verstreuter Daten treffen. Wartungsstrategien orientieren sich eher an Erfahrungswerten als am tatsächlichen Zustand der Geräte.
Solange die Messstellen funktionieren, fehlt oft der Anlass, diese Themen systematisch zu hinterfragen. Erst wenn ein Gerät ausfällt, ein Ersatz kurzfristig benötigt wird oder ein Eingriff ansteht, zeigt sich, dass Komponenten nicht mehr lieferbar sind, herstellerspezifisches Know-how fehlt oder Verantwortlichkeiten nicht eindeutig geklärt sind. In solchen Situationen steigt der Wartungsaufwand deutlich an, Reparaturen verzögern sich und ungeplante Stillstände lassen sich kaum noch vermeiden.
Die Dynamische Analyse der installierten Basis (DIBA) von Endress+Hauser schließt diese Lücke, indem die installierte Basis systematisch erfasst, digitalisiert und kontinuierlich bewertet wird. Alle relevanten Informationen zu den verbauten Messgeräten stehen damit strukturiert und aktuell zur Verfügung. Auf dieser Grundlage lassen sich Entscheidungen im Instandhaltungs- und Lifecycle-Management
fundiert treffen, Risiken gezielt bewerten und Maßnahmen über den gesamten Lebenszyklus hinweg nachvollziehbar planen.
Digitale Zwillinge als Datengrundlage
Ein zentrales Element der DIBA ist die Erstellung digitaler Zwillinge aller Assets in der Anlage und unabhängig vom Hersteller. Jedes Messgerät wird eindeutig erfasst und mit relevanten Informationen angereichert. Dazu zählen unter anderem Gerätetyp, Hersteller, Bau- und Installationsjahr, aktueller Zustand, Wartungshistorie, Kritikalität, Ersatzteilverfügbarkeit sowie die Bedeutung der Messstelle für den Anlagenbetrieb.
Diese digitalen Zwillinge bilden die reale installierte Basis so ab, wie sie tatsächlich im Feld existiert. Für Betreiber entsteht damit erstmals eine konsistente, zentrale Datenbasis, auf die unterschiedliche Funktionen – von Instandhaltung über Engineering bis Einkauf – zugreifen können. Informationsverluste durch Insellösungen oder veraltete Listen lassen sich so deutlich reduzieren. So können beispielsweise Ersatzteilstrategien erstmals nicht pauschal, sondern risikobasiert und gerätespezifisch definiert werden.
Im nächsten Schritt werden die erfassten Daten analysiert und eingeordnet. Diese dynamische Evaluation der installierten Basis ermöglicht es, von einer reaktiven zu einer proaktiven Instandhaltungsstrategie überzugehen. Risiken für Anlagenverfügbarkeit und Compliance lassen sich frühzeitig erkennen und gezielt minimieren. Gleichzeitig reduziert sich der Aufwand für Wartung und Ersatzteilhaltung, da Maßnahmen priorisiert und besser planbar sind.
Die digital aufbereitete installierte Basis bildet zudem ein wichtiges Fundament für Standardisierung, Automatisierung und weitere Schritte der digitalen Transformation. Auf dieser Basis lassen sich konkrete Fragestellungen beantworten: Wo besteht kurzfristiger Handlungsbedarf? Welche Geräte können weiterbetrieben werden, ohne Risiken einzugehen? Und wo lohnt sich eine Standardisierung, um Wartung und Ersatzteilhaltung zu vereinfachen?
Aktualisierung im laufenden Betrieb
Ein wesentlicher Praxisaspekt der DIBA ist ihre Dynamik. Anlagen verändern sich, Anforderungen steigen oder verschieben sich, und auch Produktivitätsziele bleiben nicht statisch. Deshalb wird die Analyse regelmäßig aktualisiert. Neue Geräte fließen ebenso ein wie Zustandsänderungen oder geänderte Rahmenbedingungen. So bleibt die installierte Basis nicht nur dokumentiert, sondern lebendig. Betreiber können Entwicklungen nachvollziehen, Wartungs- und Migrationsstrategien anpassen und Entscheidungen über mehrere Jahre hinweg konsistent treffen.
Aus der Praxis zeigt sich: Mit einer transparenten, digital abgebildeten installierten Basis lassen sich viele Probleme frühzeitig erkennen. Ungeplante Stillstände werden seltener, weil kritische Geräte identifiziert und priorisiert werden können. Gleichzeitig sinkt der Aufwand für Wartung und Ersatzteile, da Maßnahmen gezielter geplant werden. Die DIBA liefert damit keinen kurzfristigen Effekt, sondern unterstützt einen systematischen Umgang mit der installierten Messtechnik. Sie schafft Orientierung in gewachsenen Anlagenstrukturen und hilft Betreibern, ihre Anlagen langfristig sicher, effizient und regelkonform zu betreiben.
Simone Gerig, Produktmanagerin Services bei Endress+Hauser
Maintenance, Stand 313









