Industriekommunikation
OT und IT rücken zusammen
Zuverlässige Kommunikation, die zu einem sicheren Datenaustausch zwischen Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) führt, ist das Rückgrat der Digitalisierung.
Industrielle Netzwerke und Büronetzwerke nutzen beide eine Ethernet-basierte Kommunikation, haben aber jeweils spezifische Anforderungen. Wie OT und IT in der Praxis verbunden werden können, zeigt das Projekt bei bonÀrea Agrupa.
Für den spanischen Lebensmittelhersteller bonÀrea Agrupa liegt der Schlüssel zum Erfolg in einer Kreislaufwirtschaft mit allen Nutztier-, Industrie- und Handelsaktivitäten, um den Konsumenten direkt zu erreichen. Damit deckt das Unternehmen den gesamten Produktionszyklus ab: von der Futterherstellung über die Geflügel- und Viehaufzucht bis zur Verarbeitung der Produkte. In den letzten Jahren hat Siemens eng mit dem Lebensmittelproduzenten zusammengearbeitet, um dessen Prozesse zu digitalisieren und zu vernetzen.
Im ersten Schritt mussten Industrieprozesse um Konnektivität erweitert werden, damit sie flexibel und effektiv miteinander sowie mit den Management- und Monitoringsystemen des Unternehmens kommunizieren können. BonÀrea benötigte dafür einen umfassenden Standard für Cybersecurity und die industrielle Vernetzung, der die IT-Infrastruktur für die Supermarktplattform für Bestellungen mit der OT-Infrastruktur der Produktionsprozesse verbindet. Weil es sowohl in bestehenden Werken als auch im neuen Produktionszentrum in Épila, Provinz Saragossa, eingesetzt werden sollte, war die Skalierbarkeit des Systems ein entscheidender Faktor. „Die neuen Werke müssen in diesem Jahr betriebsbereit sein und verfügen über eine Fläche von 170 Hektar und 13 Hallen. Oberstes Projektziel ist, dass sie direkt völlig digitalisiert sind und in das Netzwerk mit den bestehenden Werken und Services integriert werden können“, sagt Sergio Otero, Digitalization Specialist bei Siemens Digital Industries Spain.
Konnektivität als Grundlage für das Projekt
Nachdem die Projektziele abgesteckt waren, machte sich Siemens zusammen mit dem Solution Partner otpoint an die Arbeit. Sie integrierten das bestehende Netzwerk von mehr als 65.000 Geräten in das neue Netzwerk, das in Épila entstehen wird. Es verfügt über eine ähnliche Anzahl von Geräten. Albert Vendrell, Head of New Facilities bei bonÀrea Agrupa, sagt: „Die von Siemens vorgeschlagene Lösung war überaus positiv: Wir konnten unsere Produktivität um 10 % steigern, Stillstandszeiten signifikant reduzieren und das Management verbessern.“ Mit der Fertigstellung des Épila-Projekts wird bonÀrea in der Lage sein, alle Wartungsmaßnahmen umgehend und von jedem Punkt aus dem internen oder externen Netzwerk durchzuführen.
„Für eine optimale, effiziente und sichere Integration der IT- und OT-Elemente hat Siemens die gesamte Bandbreite seiner Technologie eingesetzt“, sagt Eugenio Moreno, Head of Digital Connectivity Solutions bei Siemens Digital Industries Spain. „Siemens hat den ersten umfassenden digitalen Standard für Konnektivität und ‚Cybersecurity for Industry‘ entwickelt. Zu seinen wichtigsten Merkmalen gehört, dass er vollständig mit den übrigen Anlagen integriert werden kann, die bonÀrea seit Jahrzehnten betreibt“, fügt er hinzu.
Mit Industrial Ethernet Switches Scalance XC-200 kann das gesamte industrielle Kommunikationsnetzwerk gemanagt werden. Industrial Security Appliances Scalance SC-600 werden als Kernelement der Netzwerksegmentierung genutzt. Sie schützen den Zugriff auf die verschiedenen Produktionsanlagen und verbessern die Performance des Automatisierungssystems. Mit den Hochleistungs-Switches Scalance XR-500 kann ein sogenannter Netzwerk-Backbone mit 10 Gbit/s geschaffen werden, der den hohen Anforderungen von OT-Netzwerken gewachsen ist. Gleichzeitig bieten sie hohe Flexibilität, wenn es darum geht, die Netzwerkinfrastruktur zu erweitern.
Fernzugriff und Netzwerkmanagement verbindet
Über die digitale Infrastruktur konnte eine Reihe von bonÀrea-Netzwerkdiensten implementiert werden, die jedem Nutzerprofil zur Verfügung stehen. Besonders besticht dabei die Lösung mit Sinema Remote Connect für sichere und einfache Fernzugriffsverwaltung. Über VPN-Technologie wird jeder Fernzugriff verschlüsselt und authentifiziert. Zusätzlich können sich Ingenieure darüber von überall aus der Ferne mit ihren Engineering-Tools verbinden. Die Netzwerkmanagement-Plattform Sinec NMS bietet einen Echtzeitüberblick über das gesamte Netzwerk auf Grundlage des FCAPS-Modells. Dank einer gut überblickbaren Infrastruktur lassen sich damit alle Assets überwachen und Netzwerkkomponenten wie Switches, Firewalls und Industrie-Router diagnostizieren sowie Kommunikationseinstellungen auf diesen konfigurieren.
Mit Hilfe von Siemens errichtet bonÀrea eine digitale Infrastruktur, über die alle Anlagen gewartet werden können: Fabriken, Betriebstankstellen und sogar eine Wasseraufbereitungsanlage. „In letzterer haben wir Technologie von Siemens für die Fernsteuerung des Aufbereitungsprozesses integriert“, erklärt Vendrell. Sie basiert auf Simatic-Steuerungen, die über Scalance SC-600 verbunden sind.
An diesem Punkt endet die enge Zusammenarbeit zwischen Siemens und bonÀrea allerdings noch nicht. Marc Mases, Head of Digitalisation bei bonÀrea Agrupa, erklärt: „Die Verknüpfung unseres gesamten IT-/OT-Netzwerks ebnet den Weg für die Implementierung neuer Technologien wie künstliche Intelligenz, den digitalen Zwilling oder Edge-Computing.” Eines der Ziele der Digitalisierung bei bonÀrea ist es, das bisher manuelle Kommissionieren der 76.000 täglichen Bestellungen zu digitalisieren. Der größte Vorteil ist, dass für alle Produktionsanlagen ein industrieller Netzwerkstandard entwickelt wurde, der Fernkommunikation, mobile Anwendungen, OT- und IT-Konnektivität, Netzwerkadministration und Cybersecurity umfasst.









