Energieeffiziente Vakuumtechnik
Erst erfassen, dann handeln
In den vergangenen Jahren sank der Stromverbrauch in Deutschland kontinuierlich. Dabei erlebte die Industrie, die rund die Hälfte der elektrischen Energie verbraucht, eine starke Konjunktur. Das heißt: Die intensiven Maßnahmen der EU, der Bundesregierung und der Wirtschaft zur Energieeinsparung wirken – die Effizienz steigt. Ein Musterbeispiel dafür, wie das Thema heute angegangen wird, liefert die Vakuumtechnik.
Wie kann ich die Effizienz meiner Druckluftversorgung erhöhen und dabei gleichzeitig die CO2-Bilanz verbessern? Das ist eine der zentralen Fragen geworden. „Um eine energieeffiziente Vakuumversorgung sicherzustellen, ist es wichtig, neben dem Wirkungsgrad der Vakuumerzeuger selbst auch das gesamte System zwischen Verbraucher und Erzeuger, also zwischen Nutzstelle und Vakuumpumpe, zu betrachten“, erklärt Ulrich Wilkesmann, Geschäftsführer der Gebr. Becker GmbH, Wuppertal. Hier liege ein großes Potenzial, das durch enge Zusammenarbeit mit dem Kunden in frühen Phasen der Maschinenentwicklung erschlossen werden könne. Darüber hinaus lasse sich die erzeugte Saugluftmenge mittels drehzahlgeregelter Vakuumpumpen genau auf den Bedarf abstimmen. „Heute sind nahezu alle unsere Vakuumpumpen und Verdichter optional mit integrierten Frequenzumrichtern verfügbar“, sagt Wilkesmann. Zudem sei eine gute anwendungsspezifische Beratung wichtig, um das Gesamtsystem zu optimieren.
Auch geht der Investition in Druckluftanlagen immer öfter eine Analyse voraus. Im Rahmen eines Druckluft- oder Energie-Audits, das viele Hersteller anbieten, wird der Bedarf des Kunden ermittelt, unnötiger Verbrauch identifiziert und Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt. „Vor dem Angebot ist eine detaillierte Analyse des Anforderungsprofils und der Situation beim Kunden notwendig“, erklärt Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Kaeser Kompressoren SE, Coburg. Die ermittelten Daten könne das Unternehmen zur Vorbereitung und Dokumentation von Einsparungen im Rahmen der „DIN EN ISO 50001 Energiemanagementsysteme“ nutzen.
Zu einer modernen Druckluftlösung gehören effizienz-optimierte Verdichter mit Drehzahlregelung, intelligenter Steuerung – auch zum Condition Monitoring – und Wärmerückgewinnung. „Aus unserer Sicht ist der Einsatz drehzahlgeregelter Kompressoren ein ganz klares Muss“, sagt Jürgen Wisse, Geschäftsbereichsleiter Industriedruckluft bei der Atlas Copco Kompressoren und Drucklufttechnik GmbH in Essen. „Allein durch die konstruktiven Änderungen, speziell die Integration von Permanentmagnetmotoren in das Verdichtungselement, haben wir den Volumenstrom der Maschinen bei gleicher Leistungsaufnahme um bis zu zwölf Prozent gesteigert.“ Im Vergleich zu herkömmlichen Kompressoren mit fester Drehzahl sinke der Energieverbrauch um gut die Hälfte.
Auch Gardner Denver zeigt innovative Kompressor-Technologie, bedarfsregulierende Steuerungstechnik und Lösungen für die Druckluftaufbereitung. „Energiesparende frequenzgeregelte Motoren tragen wesentlich zur Senkung des Stromverbrauchs bei“, erklärt Harald Härter, Managing Director Sales Division Central Europe bei Gardner Denver. „Mit einer übergeordneten Steuerung“, so Härter, „kann die Effizienz von Druckluftstationen mit bis zu zwölf Kompressoren einschließlich nachgeschalteter Geräte maximiert werden.“
Laut Matthias Eichler, Marketingleiter bei Boge Kompressoren in Bielefeld, hat sich das Thema der Energieeffizienz bereits im vergangenen Jahr vollends in der Branche durchgesetzt. Entscheidungen würden über Life-Cycle-Cost-Evaluierungen getroffen und dabei die Möglichkeiten staatlicher Förderung umfänglich genutzt. ee










