Teilautomatisierung in der Holzverarbeitung

Andreas Mühlbauer,

Rettung vor dem Personalnotstand

Seit fast 170 Jahren verarbeitet die Firma Schnurr in Nordrach im Schwarzwald Holz. Heute zählt das Unternehmen zu einem gefragten Partner, wenn es um individuelle Holzverpackungen oder gesägte und gehobelte Hölzer geht.

Die Teilautomatisierungslösung ist um das 15-fache schneller, entlastet die Arbeitskraft und benötigt keine Schutzzäune. © euroTECH

Die hohe Nachfrage bereitet Geschäftsführer Michael Schnurr neben Freude auch Kopfzerbrechen: Wie können wir trotz angespannter Arbeitsmarktsituation noch effizienter und ergonomischer arbeiten? Eine Lösung ist die Teilautomation wegen des geringen Platzbedarfs und der pragmatischen Umsetzungsmöglichkeit. Der Vakuumspezialist euroTECH aus Rosenfeld lieferte Schnurr eine leicht realisierbare Vakuumhebelösung zur Beschickung der Kappsäge.

Die demografische Entwicklung in Deutschland geht auch am Schwarzwald nicht vorbei. Immer mehr ältere Menschen sind immer länger im Berufsleben. Jeder Arbeitgeber buhlt um Nachwuchskräfte. Wenn man zudem noch in einer Brache tätig ist, die traditionell als körperlich anstrengend gilt, hat man es als Arbeitgeber doppelt schwer. Michael Schnurr ist der Geschäftsführer eines traditionsreichen Säge- und Hobelwerkes im Herzen vom Schwarzwald. An der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung kann er wenig ändern. An den Arbeitsabläufen in seinem Unternehmen schon: „Das Allerwichtigste ist für uns, die Mitarbeiter zu entlasten. Nur wenn wir die Möglichkeiten moderner Fertigung und Technik zur Arbeitserleichterung nutzen, sind wir zukünftig ein attraktiver Arbeitgeber und können das Image der rauen Arbeitswelt im Sägewerk abschütteln.“

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Wohlbefinden der Mitarbeiter im Vordergrund

Deshalb steht er dem Thema Automatisierung aufgeschlossen gegenüber. Wer eine Säge- und Montagehalle im Schwarzwald betritt, erwartet rustikales Ambiente und hart gesottene „Holzer“ an schweren Maschinen. Nicht so bei Schnurr in Nordrach. An den Wänden finden sich überdimensionale Bilder und Kunstwerke, Musik läuft, gleich zwei Roboter und moderne Handhabungstechnik beeindrucken die Besucher. Eine gute Mischung aus jüngeren, älteren, männlichen und weiblichen Beschäftigten kümmert sich entspannt um Maschinen, Roboter, Teile und Anlagen. „Wir legen sehr viel Wert auf ein angenehmes Arbeitsklima und die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Die Roboter sind eine große Entlastung. Allerdings können wir unsere Fläche nicht beliebig erweitern“, erklärt Michael Schnurr. Vollautomatisierte Produktionsbereiche mit Robotern benötigen Schutzzonen und -zäune, um Unfälle zu verhindern. Die zwei vorhandenen Roboter werden benutzt, um Paletten zu nageln und um eine CNC-Maschine zu beschicken.

Mehr Effizienz an der Kappsäge

Nun stand die Kappsäge im Fokus. Ein seit vielen Jahren beschäftigter Arbeiter legte dort bisher Bretter und Kanthölzer in verschiedenen Dicken, Breiten und Längen bis fünf Meter vom Stapel einzeln auf die Säge. Dies fiel ihm zunehmend schwerer, denn die Kanthölzer messen 10x12 cm und können ein Gewicht von 30 bis 40 kg erreichen. Michael Schnurr benötigte eine Lösung, die den Mitarbeiter entlastet, den Personalbedarf minimiert, wenig Platz einnimmt und mehr Effizienz bringt.

Vertrauensvoll wandte er sich an euroTECH in Rosenfeld. Das Unternehmen ist bekannt für seine umfassenden Engineering-Leistungen bei der vakuumtechnischen Handhabung von Materialien aller Art. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von unseren kundenorientierten Lösungen, den Gebietsverkaufsleiter Mirko Weinhold bei Schnurr als beispielhaft sieht: „Prinzipiell können wir mit unserer Konstruktionsabteilung, den variablen Standards und unserer hauseigenen Fertigung eine hohe Bandbreite an Anforderungen bei überschaubaren Kosten abdecken. Dadurch entlasten wir unsere Kunden von Planungsaufgaben und bieten die geforderte Flexibilität. Dank unserer langjährigen Erfahrung im Automatisierungsbereich erbringen wir passgenaue Ergebnisse, die über das Anbieten von bloßen Produkten weit hinausgehen. Für den Kappsägenarbeitsplatz bei Schnurr haben wir eine Teilautomatisierung konzipiert. Eine Vollautomatisierung schied wegen der platzraubenden Gabelstapleranfahrt des Rohmaterials und dem vorgeschriebenen eingezäunten Sicherheitsbereich aus.“

Mensch und Maschine Hand in Hand

Konkret ist ein Portal mit einem Saugrahmen errichtet worden, das über einen Kettenzug die Last anhebt. Der Bediener fährt dann eine komplette Lage über eine Leichtlaufkranbahn an die Kappsäge heran. Das dafür notwendige Ansaugen und Belüften sowie die Auf- und Abbewegungen werden durch einen ergonomisch geformten Bediengriff gesteuert. Die Flächengreifer sind von euroTECH so ausgelegt worden, dass die Saugkästen eT-Gripper alle Arten von Hölzern ab 70 mm Breite und bis 5000 mm Länge problemlos als Lage heben können. Das ist an dieser Anlage ein besonders effizienter Vorteil.

Enorme Produktivitätssteigerung

Michael Schnurr zeigt sich begeistert: „Die Teilautomatisierung erspart uns nicht nur Platz, sondern auch Investitionen in komplizierte Steuerungen und Sensortechnik. Während früher in 15 Minuten ein einzelnes Kantholz aufgelegt und verarbeitet wurde, nimmt der Vakuumsauger nun ganze Lagen, die der Bediener in einer Minute mit Leichtigkeit sägen lässt. Das ist eine enorme Steigerung der Produktivität, mit der wir die vorhandene Leistung der Säge deutlich besser nutzen. Die gesägten Teile werden derzeit noch von Hand abgeräumt, aber es gibt bereits Überlegungen, dass wir uns auch hier der Vakuumtechnik bedienen, um noch effizienter zu werden. Wir setzen weiter auf Automatisierung und praktikable Lösungen, wie sie euroTECH uns bietet. Einfach gesagt machen intelligente Hebesysteme die schwere Arbeit und die Maschinenbediener achten auf einen zügigen Arbeitsablauf. Somit entfallen an diesen Arbeitsplätzen die Schutzzäune, denn die Bediener haben die Kontrolle. Auf diese Weise entlasten wir unsere Mitarbeiter von einseitig harter und körperlicher Arbeit und können bei gleicher Personaldecke effizienter arbeiten. Gleichzeitig ermöglicht uns die maschinelle Übernahme der Lastbewegung das längere Beschäftigen älterer Angestellter an diesen Arbeitsplätzen.“ Ein überzeugendes Resultat, das sowohl auf der Arbeitgeber- wie auf der Arbeitnehmerseite für echte Erleichterung sorgt.

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