Still-Stapler bei Schott
Mit dem Stapler nach den Sternen greifen
Schott liefert für das riesige ELT-Teleskop in Chile Spiegelsegmente. Für das Handling der Glasschmelzwanne schaffte das Unternehmen extra einen Acht-Tonnen-Elektrostapler von Still an, ein weiterer RX 60-80 wird in Kürze ausgeliefert.
Es wird das größte „Auge der Menschheit“: Das neue gigantische optische Teleskop - Extremely Large Telescope (ELT) - in der chilenischen Atacama-Wüste. Für den tiefen Blick ins All müssen 798 sechseckige Spiegel-Segmente des 39 Meter großen Hauptspiegels auf zwei Nanometer genau angeordnet sein. Dies ist mit der Glaskeramik Zerodur von Schott in Mainz möglich.
Scharfe Bilder aus dem All
1903 lieferte Schott den ersten Teleskopspiegelträger mit größeren Abmessungen. Seitdem tragen Astrospiegel des Unternehmens zur Erforschung des Universums bei. Um immer tiefer ins All blicken zu können, müssen Teleskope möglichst viel Licht einfangen. Für scharfe Bilder sorgen die Glaskeramik-Spiegelträger von Schott. Mit der zehn Jahre langen Bauzeit ist das ELT bislang das spektakulärste Projekt der Europäischen Südsternwarte ESO. Es soll 2024 in Betrieb gehen.
Im Mainzer Kompetenzzentrum für Glaskeramik investierte Schott in neue Schmelzkapazitäten und Möglichkeiten zur Nachbearbeitung. Die neue Glasschmelzwanne ist für Spiegelträger mit einem Durchmesser von bis zu 4,25 Meter ausgelegt. Damit werden auch die Rundscheiben für den Primärspiegel und die beiden Zerodur-Spiegelträger für den Sekundär- sowie den Tertiärspiegel des ELT gegossen. Die Nachfrage nach Zerodur-Glaskeramik ist auch für andere Anwendungen sehr groß. Schott investierte daher bereits in eine zweite Schmelzwanne.
Um aus dem Rohglas eine Glaskeramik mit den geforderten Eigenschaften herzustellen, muss es erneut erhitzt werden. Bei der Keramisierung bilden zugesetzte Stoffe mit steigender Temperatur winzige Kristalle, die sich bei Erwärmung zusammenzuziehen und der Wärmeausdehnung von reinem Glas entgegenwirken. Durch die genaue Abstimmung der Kristall- und der Glasphase wird für bestimmte Temperaturbereiche sogar eine Ausdehnung von nahezu Null erreicht. Dieser Prozess kann bis zu mehreren Monaten dauern.
Das Gießen und Keramisieren der ELT-Spiegelsegmente dauert somit jeweils knapp vier Monate. In Spitzenzeiten wird dann pro Tag eine Rundscheibe fertig.
Wannen-Handling mit Acht-Tonnen-Elektrostapler
Beim Handling der Gießform mit dem schmelzflüssigen Glas kommt der Elektrostapler RX 60-80 von Still mit präziser Hydrauliksteuerung zum Einsatz. Der Elektrostapler ist wendig und ermöglicht Arbeitsgangbreiten von unter fünf Metern. Die seitlich versetzte Kabine mit dem erhöhten Fahrersitz gewährleistet sowohl den freien Blick auf die Gießteile durch das Hubgerüst als auch daran vorbei. Große Sichtfenster, tiefliegende Neigezylinder sowie die äußere Fahrzeugkontur ermöglichen eine sehr gute Rundumsicht. Eine derartige Übersicht erhöht die Arbeitssicherheit und Einsatzbereitschaft und führt zu einem geringeren Verletzungs- und Beschädigungsrisiko.
Dank moderner Proportionalventiltechnik ist die feinfühlige Bedienung und stufenlose Hydraulik-Steuerung der Hubgeschwindigkeit sichergestellt. Der niedrige Fahrzeugschwerpunkt und die Lenkachse mit dem hohen Pendellager sorgen hierbei für beste Standsicherheit. Bei den kniffligen Kurvenfahrten mit der schweren Gießform überzeugt die sehr gute Fahrstabilität. Geschwindigkeit, Beschleunigungs- und Abbremsverhalten sind individuell einstellbar. Gerd Knehr/as















