Fördertechnik
Nachschub gesichert
Die Maschinen der Karl Mayer Group produzieren Textilien, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: feinste Spitze und kugelsicheres Kevlar, Dekorationsstoffe und Gewebe für den Betonbau. Seine weltweite technologische Marktführerschaft bei Kettenwirkmaschinen sichert das mittelständische Unternehmen am Standort Deutschland – das Hauptgeschäft passiert allerdings in China. Mit Unterstützung von Siemens IT Solutions and Services und dem SAP Logistic Execution System (LES) für Lager- und Transportverwaltung wurden 2006 diverse Einzellager auf dem Betriebsgelände zu einem großen Logistikzentrum zusammengeführt. Von hier aus gehen Ersatzteile an Kunden in aller Welt. Das Zentrum versorgt Montage- und Fertigungsstätten für die Produktion mit erforderlichen Materialien. Das Handling der Kleinteile ist eine Herausforderung: Ersatzteile lagern in 17.000 Behältern, und in jedem dieser Behälter können noch 16 weitere, kleinere Behälter untergebracht sein.
Die Kapazität des zentralen Umschlagplatzes beträgt 25.000 Artikel, die mit einer Geschwindigkeit von 1.750 Stück pro Tag ein- und ausgelagert werden können. Alle bestellten Artikel verlassen innerhalb von 24 Stunden das Lager. Das neue Zentrum gilt als Beispiel für Materialmanagement auf der Höhe der Zeit, denn in Verbindung mit der SAP-basierten Umsetzung und Kontrolle aller Prozesse ist dem Unternehmen ein optimaler Materialfluss mit kürzesten Lieferzeiten möglich – in der Hälfte der Zeit als zuvor.
Der Bestand in SAP lässt sich gut überblicken, das erleichtert die Nachbestellung. Spürbar rückläufig ist nach Unternehmensangaben die Anzahl der internen und externen Fehllieferungen, und die Zufriedenheit der Kunden wächst. Gleichzeitig können Montageprozesse reibungslos und beschleunigt ablaufen, da alle benötigten Komponenten prompt angeliefert werden. Interne Transporte von verteilten Lagerstätten zur Versandstelle entfallen – die Optimierungsmaßnahmen wirken sich auch positiv auf die Kosten aus.
Das reibungslose Teile-Handling basiert auf durchgängigen Prozessen, die eine nahtlose Integration der beteiligten Systeme voraussetzen. Das beginnt bereits beim Wareneingang: Das SAP-System prüft, ob die angelieferten Teile aktuell an den Montageplätzen benötigt werden. Ist das der Fall, erfolgt die Belieferung aus Zeitgründen bereits aus der Anlieferzone heraus. Das machen sogenannte Handling Units möglich – Wareneinheiten, die mit eindeutigen Identifikationsnummern versehen sind. Restmengen werden im automatischen Kleinteilelager (AKL) gesammelt. Ordert ein Montagemitarbeiter zu einem späteren Zeitpunkt per SAP die Komponenten, informiert die Software wiederum das Steuerungssystem des Lagers, das für die prompte Auslieferung sorgt. Unterschreitet der Bestand dabei eine vorgegebene Stückzahl, löst SAP automatisch die Nachbestellung aus. „Unsere wichtigste Aufgabe bestand darin, die SAP-Prozesse mit der komplexen Steuerungslogik des automatischen Kleinteilelagers zu harmonisieren“, sagt SAP-Berater Thorsten Haus, zuständiger Projektleiter bei Siemens IT Solutions and Services. In diesem Bereich waren umfangreiche Ergänzungen erforderlich, ebenso bei der Integration der Handling Units. Nach Abschluss der wichtigsten Modernisierungsmaßnahmen in Obertshausen konzentriert sich der Maschinenbauer auf den SAP-Roll-Out in Italien. Bereits integriert sind die Niederlassungen in Hausen, Büdingen und Chemnitz ebenso wie die Standorte in den USA. PR/pb








