Acht-Tonnen-E-Stapler bei Krombacher in der Felderprobung

Kein Flaschenhals in der Brauerei

Es herrscht reges Treiben in der 400 Meter langen und 90 Meter breiten Halle. Ein Lkw nach dem anderen fährt mit Leergut beladen durch ein großes Tor in das logistische Herzstück dieses Ortes, um es nur kurze Zeit später voll beladen durch ein weiteres Tor wieder zu verlassen. Wir befinden uns in Krombach. Dem 'Dorf des Bieres', wie es auf dem Ortseingangsschild heißt. Genauer: im imposanten LKW-Bahnhof des Logistikzentrums der Krombacher Brauerei, Deutschlands größter Privatbrauerei. Rund um die Uhr verladen hier zehn bis 15 Stapler gleichzeitig die Brauereierzeugnisse auf Lkws - während der Hochsaison bis zu 400 täglich. Im Akkord pendeln die Stapler zwischen Blocklager, LKW-Boxengasse und den Endpunkten der Abfüllanlagen in Form von jeweils zwei übereinander liegenden Förderbändern. Während über das obere Band kontinuierlich volle Getränkekisten in der Halle angeliefert werden, dient das untere Band dem Abtransport von Leergut.

Macht sowohl im Innen- als auch im Außenbereich eine gute Figur: Dank Mehrfachpalettengabel hebt der RX 60-80 stolze 18 Paletten mit leeren Bierfässern auf einen Schlag. (Fotos: Gerd Knehr/Still)

Die Kunst des Fahrens

Auf den ersten Blick wirkt die Szenerie wie ein motorisierter Ameisenhaufen. Alle Fahrzeuge scheinen in einer beängstigenden Geschwindigkeit wild durcheinander zu fahren. Doch auf den zweiten Blick offenbart sich die unglaubliche Filigranität, mit der die Fahrer ihre Gabelstapler durch die Halle manövrieren. Jeder weiß zu jeder Zeit genau wo her hin muss. Und obwohl der Platz begrenzt ist und die Fahrzeuge sehr schnell unterwegs sind, liegt nicht einmal der Hauch einer möglichen Kollisionsgefahr in der Luft. Fast, als wäre es Telepathie.

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Natürlich ist es keine Telepathie, wie Günter Hombach, Leiter Fertigwarenlager und Verladung bei Krombacher, erklärt: "Jeder Gabelstapler ist einer bestimmten Abfüllstation zugeordnet. Er ist dafür verantwortlich, die dort ankommenden vollen Getränkekisten abzutransportieren." Eine wichtige Aufgabe, denn: "Sollten sich an einer Station zu viele Kisten anstauen, kommt im schlimmsten Fall die ganze Abfüllanlage zum Stillstand." Damit auch die übrige Arbeitsaufteilung schnell, übersichtlich und reibungslos funktioniert, sind die Fahrerkabinen der Stapler mit Terminals ausgestattet. "Dort werden die aktuellen Be- und Entladeaufträge angezeigt und die Fahrer können sie mit einem einfachen Fingertipp für sich reservieren", so Hombach.

Lackiert in Firmenfarben

Die Heckgewichte der Fahrzeugflotte tragen ein Lackkleid im typischen Krombacher-Türkis. Bis auf eine Ausnahme: Mitten im hervorragend organisierten Getränkeverladungstreiben sticht ein großes orangefarbiges Heckgewicht hervor. Es gehört zu einem sogenannten Felderprober des RX 60-80, den Still der Krombacher Brauerei seit Dezember letzten Jahres zur Verfügung stellt. Es ist der erster Elektro-Gabelstapler mit einer Tragkraft von bis zu acht Tonnen in der Geschichte des Unternehmens. Felderprober sind weit fortgeschrittene Prototypen, die ausgewählten Kunden kurz vor Abschluss der Produktentwicklung zur Verfügung gestellt werden, um sie unter realen Einsatzbedingungen zu testen. Das Ziel: Letzte mögliche Schwachstellen offenlegen und ausmerzen.

Krombacher ist ein geeigneter Partner für einen derartigen Praxistest: In Blocklager und Lkw-Bahnhof wird den Staplern viel abverlangt. Würde man sämtliche Kisten stapeln, die hier an einem Tag auf Lkws verladen werden, so entstünde ein Kistenturm neunmal höher als der Mount Everest. Da die Arbeit folglich schnell gehen muss und Paletten mit Getränkekisten schwer sind, kommen hier ausschließlich Fahrzeuge mit einer Tragkraft zwischen fünf und acht Tonnen zum Einsatz. Sie können schwere Lasten transportieren und sind dennoch kompakt genug, um sicher durch die engen Lagergassen zu steuern. Bis zu sechs mit insgesamt 288 vollen Getränkekästen beladene Paletten transportiert der starke Elektrostapler mühelos. Geht es um das Bewegen leerer Fässer, hebt der RX 60-80 sogar ganze 18 Paletten auf einmal.

Auf ökologische Aspekte geachtet

Neben Kraft und Kompaktheit bietet der E-Stapler einen weiteren großen Vorteil: Umweltfreundlichkeit. Die Stapler bei Krombacher sind die meiste Zeit im Innenbereich des Blocklagers und im Lkw-Bahnhof unterwegs. Mittlerweile sind zwar auch verbrennungsmotorische Fahrzeuge sehr schadstoffarm, doch mit Elektrostaplern lassen sich Abgase und Co komplett vermeiden. "Wir haben deshalb vor einigen Jahren das Ziel ausgegeben, die gesamte Staplerflotte im Lagerbereich durch Elektrostapler auszutauschen", so Günter Hombach. Gesagt, getan: Ende 2013 erreichte das Umrüstungsprojekt einen wichtigen Meilenstein, als der letzte verbliebene Fünf-Tonnen-Dieselstapler eines Mittbewerbers durch einen neu entwickelten RX 60-50 Elektrostapler abgelöst wurde.

Dieser Erfolg könnte sich nun mit dem RX 60-80 in der Acht-Tonnen-Gewichtsklasse wiederholen. Und das nicht nur bei Krombacher. "Ein solcher Stapler ist für alle Branchen interessant, in denen es gilt, mit einem kompakten Fahrzeug sowohl im Außen- als auch im Innenbereich schwere Lasten zu transportieren. So wie es beispielsweise in der Getränkeindustrie der Fall ist", erläutert der für den neuen RX 60 zuständige Produktmanager Gerald Strugg. "Gerade im Innenbereich bieten Elektrostapler den großen Vorteil, dass sie nahezu lautlos und völlig abgasfrei unterwegs sind. Auch extreme Anforderungen an die Sauberkeit, wie zum Beispiel in der Papierindustrie, sind kein Problem, denn die Fahrzeuge stoßen keinen Ruß aus." An Stückzahlen gemessen sei der Bedarf an Acht-Tonnen-Staplern zwar geringer als im Fünf-Tonnen-Segment, aber "als Komplettanbieter wollen wir mit unseren Fahrzeugen natürlich auch den kompletten Bedarf unserer Kunden abdecken", nennt Strugg eines der Argumente, aus denen heraus Still sich für die Entwicklung entschied.

Pluspunkt Wendigkeit

Stellt sich die brennende Frage: Wie macht sich der seit Dezember 2013 bei Krombacher eingesetzte Felderprober in der Praxis? Kurzantwort: Äußerst vielversprechend, wenn auch noch nicht ganz perfekt. "Ein großer Pluspunkt ist die enorme Wendigkeit. Der Wendekreis liegt deutlich unter dem der eingesetzten Dieselfahrzeug", benennt Günter Hombach einen der Aspekte, die ihm am großen RX 60 gefallen. Ihm fallen noch mehr ein. So habe ihn nicht nur die Standfestigkeit des Fahrzeugs "absolut positiv überrascht", sondern auch die Zuverlässigkeit: "Obwohl es sich um einen Felderprober handelt, hatte unser Werkstattmeister bislang nicht die geringste Arbeit mit dem Fahrzeug". Doch es gibt auch kleine Verbesserungen, die Hombach sich für das fertige Serienfahrzeug wünscht. Beispielsweise eine etwas weiter vorstehende Trittstufe: "Wenn unsere Fahrer vorschriftsgemäß rückwärts absteigen, ist die Trittstufe völlig ausreichend. Allerdings kommt es in der Praxis immer wieder vor, dass Bediener ihr Fahrzeug vorwärtsgewandt verlassen. Daher wäre es gut, wenn die Trittstufe soweit herausragen würde, dass man sie auch mit dem Hacken nutzen kann."

Eine enge Zusammenarbeit zwischen Fahrzeughersteller und einem möglichen Kunden mit praktischem Bedarf für ein entsprechendes Fahrzeug ist für den Entwicklungsendspurt sehr wichtig, wie Produktmanager Gerald Strugg unterstreicht: "Durch die aus dem praktischen Einsatz gewonnenen Erfahrungen gelang es uns, das Fahrzeug noch weiter zu verbessern. Beispielsweise ist das Serienfahrzeug leistungsfähiger als die Felderprober und optional mit einer größeren Trittstufe erhältlich."

Dabei sind sich die Verantwortlichen von Krombacher und Still jedoch bewusst, dass ein Elektrostapler nie ganz an die Leistung eines Dieselstaplers heranreichen wird. Aber Strugg zufolge habe man nun "sichergestellt, dass der Elektrostapler nicht der logistische Flaschenhals ist." Zusammenfassend lässt also sagen, dass der Still Dieselstapler RX 70-60/80 insgesamt zwar etwas flotter unterwegs ist als sein neuer Elektrobruder, dass aber auch der RX 60-60/80 leistungsstark genug ist, um den harten Anforderungen der Zielbranchen zu genügen. Und im Vergleich zu verbrennungsmotorischen Staplern bietet das elektrische Kraftpaket den Unternehmen über die Umweltfreundlichkeit hinaus einen weiteren großen Vorteil: "Die Betriebskosten des Elektrostaplers liegen 30 Prozent unter denen, der von uns eingesetzten Dieselstapler", so Hombach.

Im Wechsel

Derzeit befinden sich noch 14 verbrennungsmotorische Acht-Tonnen-Stapler eines Wettbewerbers bei Krombacher im Einsatz. Stück für Stück sollen auch sie gegen Elektrostapler ausgetauscht werden. Zumindest sobald es ein geeignetes Fahrzeug zu einem vernünftigen Preis gäbe, wie Hombach betont. Dann würde die gesamte Getränkeverladung bei Krombacher komplett mit Elektrostaplern erfolgen und somit gesundheitsschonender, sauberer und günstiger als bisher. Mit dem RX 60-60/80 ist Stillauf dem besten Wege, zahlreichen Unternehmen diverser Branchen, einen solch vorteilhaften Austausch zu ermöglichen. Heiko Görtz/bw

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