Dreiste Fälschungen im Fokus
Negativ-Preis „Plagiarius“ auf der Ambiente verliehen
Der Negativ-Preis „Plagiarius“ wurde am 10. Februar 2017 auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz zum 41. Mal verliehen.
Globalisierung, digitale Kommunikation, das Internet und leichtgläubige (Online-)Schnäppchenjäger – das seien die Haupttreiber für die explosionsartige Ausbreitung von Produkt- und Markenpiraterie, erklärt die Aktion Plagiarius e.V. Dabei seien Plagiate und Fälschungen weder Kompliment noch Kavaliersdelikt. Für Fälscher sei es ein extrem lukratives Geschäftsmodell. Die (Image-)Schäden für die Originalhersteller und die Sicherheitsrisiken für Verbraucher hingegen seien enorm. Solange Nachfrage für kopierte Waren besteht, werde diese bedient werden. Eine praxisnahe Aufklärung der Verbraucher sei daher wichtig.
Schwarzer Zwerg mit goldener Nase seit 1977
Bereits seit 1977 vergibt die Aktion Plagiarius e.V. den gefürchteten Schmäh-Preis an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen. Ziel des Vereins ist es, die unfairen und teils kriminellen Geschäftspraktiken von Produkt- und Markenpiraten aus aller Welt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, um Industrie, Politik und auch Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren. Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase – als Symbol für die exorbitanten Gewinne, die die Nachahmer sprichwörtlich auf Kosten kreativer Designer und innovativer Hersteller erwirtschaften.
Plagiarius: Androhung wirkt häufig abschreckend
Vierzig Jahre „Plagiarius“ bedeuten rund 400 Preisträger-Produkte und mehr als 1.600 eingereichte Plagiatsfälle. Prämiert wurden Produkte der unterschiedlichsten Branchen: Schneid- und Haushaltwaren, Sanitärprodukte, Werkzeuge, Möbel, Schreibwaren, Kinderspielzeug, Parfums, Schmuck, technische Produkte und Geräte, wie z.B. nicht funktionierende Notfallbeatmungsgeräte, Autofelgen, Motorsägen, Mopeds uvm. Erfreulich ist die Tatsache, dass der hohe Bekanntheitsgrad des „Plagiarius“ regelmäßig – auch dieses Jahr – erfolgreich seine abschreckende Wirkung zeigte: Bevor die jährlich wechselnde Plagiarius-Jury aus allen Einsendungen die Preisträger wählt, werden die vermeintlichen Plagiatoren schriftlich auf ihre Nominierung hingewiesen und erhalten die Möglichkeit zur Stellungnahme. Neben allgemeinen fallbezogenen Informationen fließen auch diese Reaktionen – sofern genutzt – mit in die Bewertung ein. Aus Angst vor öffentlicher Blamage haben über die Jahre hinweg zahlreiche Nachahmer noch vor der Jurysitzung eine Einigung mit dem Originalhersteller gesucht und es wurden z. B. Restbestände der Plagiate und Fälschungen vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben oder aber Lieferanten preisgegeben.
Zoll unterstützt Firmen und Verbraucher im Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie
Laut EU-Kommission haben die EU-Zollbehörden allein 2015 mehr als 40 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von mehr als 650 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt – ein Plus von 15% gegenüber 2014. Die Mehrheit der festgehaltenen Waren kam auch 2015 aus China und Hongkong. Zu den Herkunftsländern gehörten u.a. auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die Türkei und Indien. Die EU-Zoll-Statistiken können aber nur einen Teil des weltweiten Problems zeigen. Fakt ist, dass sich viele asiatische Firmen von der verlängerten Werkbank des Westens hin zu ernsthaften Mitbewerbern auf den Weltmärkten entwickelt haben, die selbst gewerbliche Schutzrechte anmelden und diese konsequent gegen Nachahmer durchsetzen. Hinzu kommt, dass die Auftraggeber bzw. Importeure von Plagiaten oftmals aus Industrieländern kommen. Auch unter den Nominierten für den Negativ-Preis „Plagiarius“ befinden sich seit Jahren immer mehr europäische Firmen, häufig stammen der Originalhersteller und der vermeintliche Plagiator sogar aus demselben Land. Und zunehmend handelt es sich bei den Nachahmern um ehemalige Produktions- oder Vertriebspartner. Sehr gezielt prüfen die Täter heutzutage bei erfolgreichen Produkten von Mitbewerbern die Existenz von gewerblichen Schutzrechten. Sind keine Schutzrechte eingetragen, werden ohne Skrupel 1:1 Plagiate hergestellt. Für eine bestmögliche Abwehr von Produkt- und Markenpiraterie sollten Firmen auf eine ganzheitliche Strategie aus juristischen, organisatorischen und technischen Maßnahmen setzen.
Die Jury
Die Jury wird jedes Jahr neu zusammengestellt aus Vertretern der unterschiedlichsten Bereiche. Die Jury des Plagiarius-Wettbewerbs 2017 setzte sich wie folgt zusammen:
Ulrike Adorf
Senior Sachbearbeiterin REACT Germany, Anti-Counterfeiting Network, Düren
Martin Bendel
1.Bürgermeister der Stadt Ulm
Carin Benter
Geschäftsführerin daff GmbH & Co. KG, Düsseldorf
Ingrid Bichelmeir-Böhn
Leiterin Global Brand Protection, Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach
Cornelia Dollacker
Leiterin Hessen Design e.V., Darmstadt
Mario Hehle
Head of Scouting & Venturing / Technology & Innovation, Linde AG, Linde Gases Division, Pullach
Dr. Oliver Schön
Richter am Landgericht München, 7. Zivilkammer
Karin Strübing
Geschäftsführerin Karin Strübing Innenarchitektur, Ulm
Jan F. Timme
Senior Partner Black IP GmbH, Insheim
Juristische Beratung:
Dr. Aliki Busse
Fachanwältin für Gewerblichen Rechtsschutz, Rechtsanwaltskanzlei Busse & Partner, München













