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Artikel und Hintergründe zum Thema

Dienstleistungen

Schützt wie angegossen

Kein angenehmer Ort: ­„Vorsicht, hier wird’s heiß“, sagt Ralf Bachus, technischer Controller bei Georg Fischer in Werdohl. Und er sagt das ziemlich laut, weil es ja beim Druckgießen nicht gerade leise vor sich geht – selbst wenn 41 Industrieroboter dabei ihren Dienst tun. Längst haben Roboter in Gießereien Einzug gehalten. Auch bei Georg Fischer, wo sie stanzentgraten, Motorblöcke an die nächste Fertigungsstufe weiterreichen, messen und testen, stapeln und palettieren oder andere Maschinen bestücken. „Jährlich werden hier auf einer Produktionsfläche von rund 9.700 m2 gut 20.000 t Aluminium im Mehrschichtbetrieb verarbeitet“, berichtet Bachus. Über Metalltreppen führt er uns hinab zu den Schmelzöfen. Hier treten wir in eine raue Arbeitsumgebung ein. Für insgesamt 30 Gießereiwerker ist es der tägliche Arbeitsplatz.

Die Schmelzgießer kommen über ihre Arbeitsmittel unmittelbar mit dem 700 °C heißen Aluminium in Kontakt: Sie arbeiten an den Entgasungsplätzen, wo die silberweiße Schmelze mit Stickstoff beaufschlagt wird, und schöpfen mit riesigen Kellen – den Abschäumern – die Schlacke ab. Sie sind es auch, die auf Gabelstaplern die 800 kg schweren Tiegel mit flüssigem Metall zu den Gießautomaten transportieren. Selbst bei größter Vorsicht lassen sich dabei Metallspritzer nicht immer vermeiden. Dass die Schmelzgießer Schutzkleidung tragen, erscheint deshalb selbstverständlich. Doch das war nicht immer so.

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Entwicklung bis zur Reife

„Aus heutiger Sicht klingt es unverständlich, aber zuerst kam jeder Mitarbeiter wie er wollte, quasi in zivil“, erinnert sich Ralf Bachus. Später stieg man auf gekaufte Kleidung um, doch diese eignete sich nicht für die Verwendung mit flüssigem Aluminium. Immer wieder traten Löcher im Gewebe auf, die Kleidung selbst war schwer, wurde gar nicht oder nur ungern getragen. Da inzwischen bereits 210 Mitarbeiter mit der Standardkleidung Ideal im Full-Service des Textil-Dienstleisters Mewa betreut wurden, starteten im Januar 2004 erste Trageversuche mit einer eigens bei Mewa entwickelten Schutzkleidung. „Wir testeten zunächst Kleidung in zwei Gewebevarianten“, erklärt uns Simone Dreyer, Produktentwicklerin bei dem Wiesbadener Unternehmen. „Doch wir hatten die Problematik von flüssigen Aluminiumspritzern unterschätzt. Auf Grund seiner geringen Viskosität verhält sich Aluminium ganz anders als etwa Eisen oder Kupfer. Flüssiges Eisen zum Beispiel ist zwar im Vergleich zu Aluminium fast doppelt so heiß, bleibt aber viel zähflüssiger, so dass Eisenspritzer am Gewebe abperlen. Das dünnflüssige Aluminium hingegen produziert feinste Spritzer, die auf dem Gewebe liegen bleiben und durchbrennen können. Diese kleinen Spritzer drangen so immer wieder in das getestete Gewebe ein und verursachten erneut Löcher.“

Doch man gab nicht auf: In Kooperation der Produktentwicklung mit den Gießereiwerkern, dem zuständigen Kundenbetreuer, Markus Trines, und dem damaligen KVP-Koordinator, Ralf Bachus, entstand innerhalb eines Jahres eine praxisgerechte Kleidung, die Tragekomfort und Schutzfunktion vereint und alle Parteien zufrieden stellt. Das Gewebe besteht nun aus einem Vier-Faser-Mischgewebe, Das Material ist mit 350 g/m2 vergleichsweise leicht und angenehm zu tragen. Das graue Kevlar-Besatzgewebe verhindert zudem das Eindringen der kleinen Aluminiumspritzer.

Reifeprüfung bestanden

Die Alu-Schutzkleidung von Mewa ist zertifiziert nach EN 531 (Schutzkleidung für hitzeexponierte Industriearbeiter). Damit verbunden ist bereits eine Reihe von Anforderungen, durch die sich diese Schutzkleidung von herkömmlicher Berufskleidung unterscheidet: Sie bietet Schutz vor Entflammbarkeit, vor Konvektions- und Radiationshitze, und hier insbesondere vor flüssigen Aluminiumspritzern. Die Mindest-Zug- und Weiterreißfestigkeit des Materials ist genau definiert. Bis ins kleinste Detail unterliegt die Kleidung speziellen Normungsvorschriften: So sind alle Taschen mit Patten abgedeckt, verdeckte Metallverschlüsse verhindern einerseits das Eindringen von Spritzern, lassen sich andererseits jedoch schnell wieder öffnen.

Simone Dreyer ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Erstmals haben wir nun eine eigens auf die Arbeit in Alu-Gießereien abgestimmte Schutzkleidung im Programm, die zudem noch industriell waschbar ist. Und diese Besonderheit ist nicht unerheblich. Schließlich werden die hohen Sicherheitsaspekte erst durch die Möglichkeit der industriellen Pflege so richtig wirksam. Denn Verschmutzungen können die flammhemmenden Eigenschaften des Gewebes stark beeinträchtigen.“

Aber rechnet sich die neue Kleidung für Georg Fischer? Ralf Bachus bejaht dies: Zwar seien die Kosten für diese Schutzkleidung fast dreimal so hoch wie die für die „normale“ Berufskleidung, aber dennoch habe sie gegenüber gekaufter Kleidung einen unschätzbaren Vorteil: „Mit unserer Entscheidung für Schutzkleidung im Full-Service haben wir die Garantie, dass diese Kleidung professionell gewaschen und inspiziert wird und damit ihre Schutzfunktion dauerhaft behält.“

Und wie viel kostet die neue Alu-Schutzkleidung konkret? Markus Trines führt ein Kostenbeispiel an: „Nehmen wir einen Betrieb wie die Georg Fischer GmbH, die 30 Mitarbeiter mit Schutzkleidung versorgen lässt. Da liegen die Kosten unter 14 Euro pro Mitarbeiter und Woche. Dafür erhält jeder Werker Bundhose und Jacke in einer dreifachen Ausstattung und der Full-Service startet: Einmal pro Woche wird die verschmutzte Kleidung abgeholt, gewaschen, fachgerecht in Stand gehalten und bei Verschleiß ersetzt.“Bettina Guiot, Media Contor/ms

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