Alternative Finanzierung

Carl-Jan von der Goltz,

Maschinenfinanzierung - Krisenfest durch Sale & Lease Back?

Viele Experten und Unternehmer sind überzeugt: Der Abschwung im Industriesektor kommt. Deshalb ist es wichtig, die Finanzierung krisensicher zu machen. Können alternative Ansätze wie Sale & Lease Back dabei helfen?

Laut TMA Branchenbarometer 2019 geht die Mehrheit der 300 befragten Restrukturierungsexperten davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr um bis zu zwei Prozent schrumpfen wird. Ein Fünftel geht sogar von mehr als zwei Prozent aus. Zwei Drittel der befragten Experten erwartet im nächsten Halbjahr zudem einen Anstieg der Insolvenzen um bis zu fünf Prozent. Vor allem produzierende Unternehmen – hier besonders automobilnahe Bereiche – und der Maschinenbau seien vermehrt von Krisen betroffen. Hauptursachen wären dabei die konjunkturelle Entwicklung, internationale Handelskonflikte, die Anforderungen der Digitalisierung und die Herausforderungen des operativen Geschäfts.

Finanzierung auf der Kippe?

Eine weitere Erkenntnis aus der Studie: Die klassische Bankfinanzierung wird künftig nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Dies ist auch die Erfahrung vieler mittelständischer Produzenten. Sie haben vermehrt Probleme, Kredite zu bekommen. Vor allem in Sondersituationen halten sich die Geldgeber zunehmend bedeckt. Dies liegt zum großen Teil an den strengeren gesetzlichen Regulierungen: So müssen die Kreditinstitute für ihre Risikopositionen künftig mehr Eigenkapital bereitstellen. Außerdem ist eine strikte Obergrenze für die langfristige Verschuldungsquote zu beachten. Dies führt in der Regel dazu, dass Banken eine gute Bonität als wichtigstes Kreditvergabe-Kriterium voraussetzen. Daneben sind klassische Kredithäuser durch die komplexe interne Struktur und die teils langwierigen Prozesse bei besonderen Anlässen oft zu langsam: Hier ist die Zeit meist knapp; Lösungen und Entscheidungen müssen innerhalb weniger Wochen stehen. Für produzierende Unternehmen haben sich in den letzten Jahren allerdings eine Reihe von Finanzierungsalternativen aufgetan, die gerade in Sondersituationen nützliche Optionen bieten. Zu diesen gehört auch der Ansatz des Sale & Lease Back.

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Was ist Sale & Lease Back?

Das Modell zählt zu den objektbasierten Finanzierungsarten. Das heißt im Fall von Sale & Lease Back (SLB): Statt der Bonität eines Unternehmens rückt dessen Maschinen-, Anlagen und Fahrzeugpark in den Vordergrund. Sind diese Objekte werthaltig, mobil und universell einsetzbar – also gängigen Typs –, lässt sich daraus über SLB frische Liquidität erzeugen. Dazu verkauft ein produzierender Betrieb seine Maschinen an einen SLB-Anbieter und least sie direkt im Anschluss wieder zurück. Der Kaufpreis wird auf das Unternehmenskonto

überwiesen und steht ohne Bedingungen zur Verfügung. So können stille Reserven, die sonst ungenutzt im Betrieb schlummern würden, gehoben und in Form liquider Mittel für die Entwicklung des Unternehmens eingesetzt werden. Vom Einholen eines ersten Angebotes bis zur finalen Auszahlung des Kaufbetrages vergehen meist nur wenige Wochen. Neben diesem Geschwindigkeitsvorteil prädestiniert auch die Banken- und Bonitätsunabhängigkeit diesen Finanzierungsansatz für Sondersituationen. Hinzu kommt: Während des gesamten Prozesses muss keine Maschine die Halle und kein Fahrzeug seinen Einsatzort verlassen – es kann ununterbrochen weiterproduziert werden.

Vorteile und Voraussetzungen

Sale & Lease Back eignet sich zumeist für produzierende Unternehmen mit Umsätzen zwischen 5 und 250 Millionen Euro. Für eine erste Einschätzung des Finanzierungsrahmens reicht oft eine Schreibtischbewertung der Maschinen und Anlagen. Grundlage des späteren SLB-Vertrages ist jedoch die Einschätzung des Zeitwertes durch einen Gutachter. Das Leasing im Rahmen von SLB erfolgt als Teil- oder Vollamortisation. Bei Letzterer tilgt das Unternehmen die gesamten Anschaffungskosten innerhalb der Vertragsdauer und hat später die Optionen, die Maschinen vom Finanzierer zurück zu erwerben oder den Leasingvertrag zu verlängern. Bei Teilamortisation kann der Leasingnehmer nach Ende der Vertragslaufzeit die Objekte zum vorher vertraglich festgelegten Restwert zurückkaufen – der SLB-Anbieter besitzt ein sogenanntes Andienungsrecht. Auch hier hat der Leasingnehmer die Option, den Vertrag am Ende der Laufzeit zu verlängern. Werden durch Sale & Lease Back stille Reserven freigemacht, steigert dies zudem die Eigenkapitalquote eines Betriebes. Das kann sich positiv auf die Bonität und die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens auswirken – was wiederum spätere Verhandlungen mit weiteren Finanzierern erleichtern kann.

Um das Modell jedoch zielführend nutzen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: So muss es für die jeweiligen Objekte einen Zweitmarkt geben, sprich, es darf sich nicht um Sonderanfertigungen, Unikate oder Prototypen handeln. Zudem funktioniert SLB nicht für Einzelmaschinen – das Modell zielt immer auf einen ganzen Park an Maschinen, Anlagen oder Fahrzeugen ab.

Wem und in welcher Situation nutzt Sale & Lease Back

Der SLB-Ansatz eignet sich für eine ganze Reihe von Branchen. Das beginnt beim Maschinen-, Werkzeug und Anlagenbau und führt über Bau und Erdbewegung hin zur Lebensmittelverarbeitung, der Textilproduktion, dem Druckgewerbe, dem Möbelbau und anderen. Vor allem in Sondersituationen bietet Sale & Lease Back eine schnelle und flexible Finanzierungslösung, wenn klassische Darlehen nicht greifen. Zu diesen Situationen gehören Restrukturierungen, Sanierungen und der finanzielle Neustart nach der Krise ebenso wie Investitionen in neue Technologien oder Geschäftsbereiche, Neuausrichtungen des Geschäftsmodells, Anpassungen interner Abläufe oder Auszahlungen von Gesellschaftern.

Sale & Lease Back ist eine praktische Option für viele Anlässe. Es ergänzt andere alternative Finanzierungen und bestehende Verbindungen zur Hausbank. Denn das Ziel produzierender Unternehmen sollte im Hinblick auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung ein strategischer Mix sein. Dazu müssen sich Entscheider mit unterschiedlichen Modellen auseinandersetzen und genau selektieren: Was braucht mein Unternehmen in welcher Situation? So kann eine taktisch sinnvolle, individuelle und krisentaugliche Finanzierungsstruktur aufgebaut werden.

Der Autor: Carl-Jan von der Goltz, geschäftsführender Gesellschafter der Maturus Finance GmbH

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