Hygienekonzepte

Andreas Mühlbauer,

Sicherheit in produzierenden Unternehmen

Während der Pandemie ist die Sorge produzierender Unternehmen groß, wie sie Gesundheit und Hygiene in ihrem Betrieb gewährleisten können, ohne dabei einen größeren Personal- oder Produktionsausfall in Kauf nehmen zu müssen. Das Vorhandensein eines Hygienekonzeptes ist der eine, deren Einhaltung und Prüfung der andere wichtige Baustein zur Risikominimierung in Unternehmen.

Mit Protek bietet Intertek Unternehmen ein Programm zum Schutz ihrer Mitarbeiter, Kunden und Besucher. © Intertek Group

Die Corona-Pandemie hält weiter an. Für Unternehmen ist es mehr als ratsam, einem sinnvollen und durchdachten Hygienekonzept zu folgen, um die Verbreitung von Viren bestmöglich zu verhindern. Einige Firmen tun sich jedoch genau damit schwer – einerseits, weil es nach wie vor eine neuartige Herausforderung ist, andererseits, weil es keine festen Richtlinien gibt und etwa Abstands- oder Hygienevorschriften von Branche zu Branche differieren.  

Hygiene- und Infektionsrisiken in Produktionsbetrieben

Auch im produzierenden Gewerbe gibt es einige Spezifika zu beachten. So lässt es sich zum Beispiel mitunter nicht vermeiden, dass Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten müssen. Dies ist vor allem in der industriellen Produktion mit hohem manuellen Fertigungsgrad der Fall, denn dort gibt es gemeinsame Fertigungsplätze. Auch Werkzeuge und Maschinen werden in der Regel von allen Mitarbeitern genutzt.

Aber auch in Lagerbereichen oder Transportsystemen, Gemeinschafts- und Sanitärräumen, Großraumbüros oder Meetingräumen kommen sich Kollegen nahe. In diesen Bereichen potenzieren sich die Risiken einer Kontamination von Flächen, einer Übertragung von Viren durch Hautkontakt oder Aerosole oder - im schlimmsten Fall - einer möglichen Infektion. Hierfür gilt es, sinnige Abstands- und Hygienevorschriften vorzugeben. Doch damit noch nicht genug: Die meisten Produktionsbetriebe arbeiten mit einer Vielzahl an Partnern und Lieferanten zusammen.

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Das sind zum Beispiel Großwäschereien, die Arbeitskleidung sowie weitere Textilien aufbereiten und liefern. Oder die Lieferkette in der Food-Industrie: Sie beginnt bei der Produktion durch den Hersteller landwirtschaftlicher Produkte, geht über Großmärkte und Lieferanten und endet schließlich in den Küchen von Hotels oder Gastronomiebetrieben. Wie kann man sich als Unternehmen am Ende der Lieferkette sicher sein, dass alle anderen Betriebe tragfähige Hygienekonzepte aufweisen und diese auch einhalten?

Mögliche Konsequenzen im Ernstfall

Die Einhaltung von Hygienekonzepten ist für alle Unternehmen aktuell das Gebot der Stunde – nicht nur, um seiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachzukommen. Sollte tatsächlich eine Infektion auftreten und damit einhergehend eine Erkrankung mehrerer Mitarbeiter, kann das auch spürbare wirtschaftliche Konsequenzen zur Folge haben: Personalausfall gefährdet die Aufrechterhaltung der regulären Produktion. Fehlt an Schlüsselstellen qualifiziertes, eingearbeitetes Personal, können Produkte und Services nicht mehr oder nur noch unzureichend angeboten werden. Eine Beeinträchtigung oder gar Unterbrechung der Lieferkette droht. Im schlimmsten Fall zieht das schmerzhafte Vertragsstrafen nach sich.

Kann dem Unternehmen darüber hinaus nachgewiesen werden, grob fahrlässig gehandelt zu haben, indem es seiner Sorgfaltspflicht im Rahmen des Mitarbeiter- und Verbraucherschutzes nicht nachgekommen ist, können Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden – von Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden, Gästen oder Endverbrauchern. Hinzu kommt eine negative öffentliche Wahrnehmung des Unternehmens sowie unter Umständen negative Presse-Berichterstattung, die zu einem Imageverlust führen.

Bewährte Maßnahmen zur wirksamen Risiko-Prävention

Welche Maßnahmen haben sich in den ersten Monaten der Pandemie bereits als wirksam erwiesen? Selbstverständlich sollte, wo immer es möglich ist, darauf geachtet werden, dass der Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern eingehalten werden kann, alle Arbeits- und Aufenthaltsräume bestmöglich durchlüftet werden und eine hohe Luftfeuchtigkeit vermieden werden. Hierfür ist es ratsam, die Raumluft zu analysieren und turnusmäßig zu prüfen. Auch Arbeitskleidung und Betriebsmittel sollten möglicherweise noch häufiger als bisher gereinigt werden.

In öffentlichen Bereichen eines Unternehmens mit hohem Personalaufkommen – sogenannten "high touch areas" – müssen präventive Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wie zum Beispiel eine regelmäßige Oberflächenreinigung eingeführt werden. Dazu gehören Empfangsbereiche, Kantinen oder Mensen, Großraumbüros und Konferenz- oder Veranstaltungsräume. Hier kann es mitunter erforderlich sein, eine Wegführung durch Markierungen am Boden oder mithilfe von Abgrenzungsständern vorzunehmen. Wenn möglich, ist es auch sinnvoll, Ein- und Ausgang zu trennen, um eine einheitliche Wegrichtung einhalten zu können.

Entscheidend ist es außerdem, die Mitarbeiter hinsichtlich arbeitsplatzbezogener und persönlicher Hygiene- sowie Schutzmaßnahmen zu schulen. Unternehmen können dies mittels e-Learning- und Online-Mitarbeiter-Zertifizierungsprogrammen von unabhängigen Anbietern wie zum Beispiel Intertek bewerkstelligen. Unternehmens- und bereichsspezifische Lösungen reichen von Covid-19-bezogenen Programmen über Module zur richtigen Verwendung von Gesichtsmasken, Handschuhen und Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) bis hin zu Kursen mit Fokus auf Lebensmittelsicherheit, Hygiene, Desinfektion/Reinigung und Verhinderung der Infektionsausbreitung.

Wirksame Ansätze zur Risikominimierung in Produktionsbetrieben

Die Erstellung und Umsetzung eines Hygienekonzepts ist das eine – dessen Überwachung das andere. Doch dies ist äußerst wichtig und darf nicht vernachlässigt werden. Denn das hat die nun schon mehrere Monate andauernde Pandemie bereits gezeigt: Nach einiger Zeit tritt – ob bewusst oder unbewusst – der Schlendrian ein und die geltenden Vorschriften werden nicht mehr ganz so ernst genommen.

Um genau dem entgegenzuwirken, muss ein möglichst neutrales Monitor-System entwickelt werden, der das aktuelle Risiko im Betrieb oder in einem Prozessvorgang zuverlässig darstellt und bewertet. Damit ist es dem Verantwortlichen möglich, das Hygienekonzept gegebenenfalls schnell und effektiv anzupassen, wenn sich die Situation verändert. Dieser Fall kann zum Beispiel eintreten, wenn es einen erneuten Anstieg der Fallzahlen, neue gesetzliche Vorgaben oder neueste Erkenntnisse der Infektiologie gibt.     

Protek umfasst mehrere, miteinander kombinierbare modulare Lösungen, zum Beispiel die Bewertung des Hygienezustandes im Unternehmen. © Intertek Group

Für ein solches Monitor-System gibt es zwei Möglichkeiten: ein enger gefasster risikobasierter Ansatz sowie ein weitreichender system- bzw. unternehmensbasierter Ansatz. Letzteren bietet Intertek mit seinem neuen Produkt „Protek“ an. Die Lösung umfasst mehrere, miteinander kombinierbare modulare Lösungen: zum Beispiel die Bewertung des Hygienezustandes im Unternehmen. Vorort-Audits prüfen zum Beispiel Unternehmensbereiche oder Mitarbeiterunterkünfte, auch Lieferanten und Dienstleister können gegebenenfalls auditiert werden. Weitere Module sind die Überwachung des Reinigungs- und Desinfektionsprozesses inklusive Überprüfung nach der Maßnahme oder auch die Berichterstattung und Zertifizierung der Einhaltung der Vorschriften. Der Vorteil dieser Variante: Unternehmen können damit eine objektive Risikobewertung vornehmen und unabhängig bestätigt nachweisen, dass sie ihrer Sorgfaltspflicht konsequent nachkommen. So geben sie ihren Mitarbeitern, Partnern und Kunden die Sicherheit, die diese auch über längere Zeiträume erwarten.

Sicherheit durch umfassende Hygienekonzepte

Die gezielte Nutzung unabhängiger Programme bringt für Unternehmen sowie ihre Mitarbeiter, Kunden und Verbraucher eine Vielzahl belegbarer, unternehmerisch wie psychologisch wichtiger und zudem öffentlich kommunizierbarer Vorteile. Die professionelle Risikoanalyse deckt Schwachstellen auf und zieht die Ausarbeitung, dauerhafte Implementierung und Überwachung wirksamer Maßnahmen zur Risikominimierung nach sich. Bei den vielfältigen Interessensgruppen eines Unternehmens entsteht so die Gewissheit, dass sie sich durch alle Aktivitäten sowie Produkte des Unternehmens geschützt fühlen können. Das wiederum stärkt die Reputation der Marke.

Reinhold Gehling, Geschäftsführer der Intertek Holding Deutschland 

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