Antriebstechnik

Erfolgsgetriebe(n)

Getriebehersteller mit neuer Struktur
Das Jahr 2003 ging mit nahezu 40.000 Unternehmensinsolvenzen nicht gerade ruhmreich in die deutsche Wirtschaftsgeschichte ein. Leider war auch der schwäbische Kegelradgetriebe-Spezialist Graessner von der Zahlungsunfähigkeit betroffen. Seit Mai 2004 – hier begann das neue Geschäftsjahr des Unternehmens – hat Graessner die Insolvenz überwunden und firmiert seither unter dem neuen Namen „The Gear Company“.

Dass die Produktion in Dettenhausen weiter gehen konnte, hat die Belegschaft ihren Stammkunden ebenso zu verdanken, wie dem Geschäftsführer Hartmut Hoffmann. Ihm gelang es gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter, Dr. Wolfgang Bilgery, einen neuen Hauptgesellschafter zu finden: Herrn Dr. Reiner Vonderschmidt. Aus seinen langjährigen Tätigkeiten bei ZF Friedrichshafen und SEW Eurodrive ist er in der Antriebstechnikbranche bestens bekannt.

Jetzt setzt das Unternehmen mit treuen Kunden und neuen Produkten zum Wechsel auf die Überholspur an. Während immer mehr deutsche Firmen Ihre Produktion teilweise oder ganz ins Ausland verlagern, entschieden sich die beiden Geschäftsführer Herr Dr. Vonderschmidt und Herr Hoffmann – trotz der schwierigen gesamtwirtschaftlichen Situation in Deutschland – für diesen Standort und damit für Dettenhausen.

Eine erste Analyse ergab, dass Graessner-Produkte einen ausgezeichneten Ruf im Markt haben und viele Stammkunden dem Unternehmen die Treue halten. Für dieses Vertrauen bedankt sich die gesamte Belegschaft ausdrücklich. Dennoch war der Neubeginn kein leichter Weg. Mit Weitblick und gesellschaftspolitischer Verantwortung agierte der Insolvenzverwalter Dr. Bilgery. Er führte in der Insolvenzphase die Produktion fort und verhinderte, das Kunden abspringen. Lob und Dank gilt der Hypo-Vereinsbank als neuer Hausbank, die zum neuen Geschäftsplan steht sowie der Baden-Württembergischen Bürgschaftsbank und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft, ohne die eine Fortführung des Unternehmens – in dieser Form – nicht möglich gewesen wäre.

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Hohe Drehmomente, geringe Abmessungen

Anfang der siebziger Jahre entwickelte Graessner den Getriebewürfel mit Übersetzungen bis 5:1. Damals ein Novum, kamen Mitte desselben Jahrzehnts Hypoidgetriebe mit Übersetzungen bis 10:1 in einer Stufe hinzu. Rund zehn Jahre später stellte das Unternehmen mit „PowerGear“ ein Winkelgetriebe vor, das dank seiner raffinierten Verzahnung hohe Drehmomente bei geringen Abmessungen erreicht.

Mitte der Achtziger sorgten dann auch Kegelstirnradgetriebe für Kundeninteresse, die bei nur zwei Getriebestufen Übersetzungen von 50:1 erlaubten und obendrein ein minimales Verdrehspiel von weniger als fünf Arcminuten aufwiesen. Die folgenden Jahre waren in erster Linie Leistungssteigerungen gewidmet. So erfuhr das „PowerGear“ Ende der neunziger Jahre 15 Prozent Leistungszuwachs und das Servo-Kegelradgetriebe „DynaGear“ erreicht jetzt Übersetzungen bis 15:1 in einer Stufe. In dieser Zeit kam mit „ValueGear“ auch ein besonders preiswertes Winkelgetriebe auf den Markt, das vor allem für den unteren bis mittleren Leistungsbereich entwickelt wurde. Speziell mit „DynaGear“ startet das Unternehmen jetzt eine Offensive. Dieses Getriebe ist außerhalb von Deutschland und Österreich kaum bekannt und hat auf ausländischen Märkten noch ein starkes Potenzial.

Schaut man sich die Anwendungsfälle der kompakten Getriebe an, reichen sie von Seilbahnen über Druckmaschinen bis hin zu automatisierten Handhabungs- und Produktionssystemen. Wenngleich Standardgetriebe im Auftragsbuch dominieren, nutzt unter dem Namen „Design­Gear“ Graessners getriebetechnisches Know-how auch Maschinenbauern, die auf der Suche nach einer leistungsfähigen Sonderlösung sind. Der Markenname „BevelGear“ steht für kundenspezifisch ausgelegte und gefertigte Kegelradsätze für höchste Ansprüche.

Die Graessner-Mannschaft hat bewiesen, dass trotz schwieriger Rahmenbedingungen mit Know-how und Teamgeist Arbeitsplätze erhalten werden können. Ein Unternehmen dass es schaffte, in der Insolvenzphase den Umsatz um 13 Prozent zu steigern, ein positives Ergebnis auszuweisen und ohne Kündigungen auszukommen, lässt für den Produktionsstandort Deutschland hoffen.(gm)

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