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Artikel und Hintergründe zum Thema

3D-Druck

Das Prinzip des "Right to Repair" realisieren

Das junge Unternehmen Replique in Mannheim verknüpft die additive Fertigung mit einem digitalen Warenlager. Die Plattform für den 3D-Druck ermöglicht Unternehmen jeglicher Größe die bedarfsgenaue Produktion hochwertiger Ersatz- und Serienteile an jedem gewünschten Ort, in der richtigen Qualität und Menge. Inwiefern dieses Geschäftsmodell zu mehr Nachhaltigkeit in der Industrie beiträgt, erläutert Mitbegründerin und COO Dr. Henrike Wonneberger im Interview mit Annina Schopen.

© Replique

Replique betreibt eine digitale 3D-Druckplattform – können Sie beschreiben, wie Ihr Geschäftsmodell genau aussieht?

Die heutigen Anforderungen an Lieferketten sind vielfältig: Sie müssen nicht nur nachhaltig und effizient sein, sondern auch flexibel genug, um mit aktuellen Herausforderungen wie Lieferkettenstörungen umzugehen. Besonders bei Kleinserien ist es oft schwierig, alle benötigten Teile verfügbar zu haben. Unsere 3D-Druckplattform löst diese Probleme. Unsere Plattform verwandelt physische Lagerbestände in digitale und ermöglicht es OEMs, Teile bedarfsgerecht und auf Abruf zu produzieren. Durch unsere Plattform erhalten Unternehmen Zugang zu einem globalen und qualifizierten Partnernetzwerk, das alle relevanten Technologien und Materialien abdeckt. Darüber hinaus unterstützen wir auch bei der Qualifizierung für den 3D-Druck mit internen Ingenieurdienstleistungen. Das Besondere an unserem Ansatz ist, dass wir sämtliche Produktionsinformationen digital und sicher speichern und für die Produktion fixieren, sodass sie über unterschiedliche Partner weltweit verlässlich abgerufen werden können. Dadurch garantieren wir nicht nur eine hohe Qualität, sondern auch eine maximale Wiederholbarkeit über alle produzierten Teile hinweg.

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Replique wurde 2023 von Chemovator, dem Business-Inkubator der BASF, ausgegründet. Wie verlief das erste Jahr?

Unser Rückblick auf unser erstes Jahr ist äußerst positiv – trotz der finanziellen Herausforderungen in der Industrie. Oder vielleicht gerade deshalb, denn 3D-Druck ermöglicht natürlich auch hohe Einsparpotenziale und mehr Resilienz durch bedarfsgerechte Produktion. Wir konnten viele neue Kunden gewinnen und unsere Plattform noch benutzerfreundlicher gestalten und um zusätzliche Services erweitern. Ein besonderes Highlight war die Einführung unseres Material Hubs auf der Formnext 2023. Dieser ermöglicht es Unternehmen, innerhalb kürzester Zeit über intuitive Filteroptionen das geeignete Material für ihre 3D-Druckprojekte zu finden. Bei der Datensammlung half uns die Zusammenarbeit mit Materialherstellern und unseren bestehenden Materialpartnern. Während der Zugang zu Servicebüros auf jeder Plattform üblich ist, zeichnet uns vor allem unsere umfassende Expertise im Bereich der Materialien aus – etwas, das für unsere Kunden von entscheidender Bedeutung ist. Wir sind stolz darauf, diese Lücke füllen zu können.

Was präsentiert Replique auf der Hannover Messe? (Anmerk. d. Redaktion: Das Interview wurde im Vorfeld Hannover Messe geführt)

Im Mittelpunkt steht unsere digitale 3D-Druckplattform. Wir geben Einblick, wie einfach und schnell Unternehmen unsere Plattform zur Lagerung und Bestellung von 3D-gedruckten Bauteilen nutzen können. Dabei legen wir einen besonderen Fokus auf unsere verschiedenen Features, darunter unser Qualitätssicherungstool RSure. Dieses ermöglicht eine lückenlose Nachverfolgung und Qualitätskontrolle 3D-gedruckter Teile. Besonders hervorheben möchten wir auch unseren Material Hub, den wir erst kürzlich kostenlos für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht haben. Interessenten können sich vor Ort von der Funktionsweise überzeugen oder auch einen ersten Blick darauf über unsere Website www.replique.io/de/material-hub/ werfen. Außerdem geben wir Einblick in verschiedenste Kundenprojekte, beispielsweise mit Alstom und MAN, sowohl hinsichtlich Design für 3D-Druck, bedarfsgerechte Kleinserienproduktion und Ersatzteile auf Abruf.

Henrike Wonneberger, COO und Co-Founder von Replique © Replique

Die Messe steht unter dem Motto: Industrial Transformation – Energizing a sustainable Industry. Wie genau trägt die Replique-Plattform zu mehr Nachhaltigkeit bei?

Ein zentraler Aspekt ist die drastische Reduzierung von Lagerbeständen durch unsere Plattform. Etwa 20 Prozent aller Ersatzteile im Lager werden am Ende ihres Lebenszyklus entsorgt. Hier liegt ein enormes Potenzial zur Vermeidung von Abfall. Durch die Nutzung unseres dezentralen 3D-Drucknetzwerks können Teile bedarfsgerecht und lokal hergestellt werden, was den Transportaufwand und die CO2-Emissionen deutlich reduziert. Die Möglichkeit, Ersatzteile kontinuierlich herzustellen, selbst, nachdem die Produktion eingestellt wurde, verlängert zudem die Lebensdauer von Produkten, was den Prinzipien der "Right to Repair"-Regulierungen entspricht, die kürzlich verabschiedet wurden. Darüber hinaus bieten wir OEMs Zugang zu einer breiten Palette von nachhaltigen Materialien. Natürlich ist 3D-Druck nicht in jedem Fall nachhaltig, aber im richtigen Anwendungsfall – insbesondere bei der Produktion von Kleinserien – trägt er zu einer umweltfreundlicheren Lieferkette bei.

Welche Herausforderungen gibt es im 3D-Druck? Welche Lösungsansätze sehen Sie?

Herausforderungen sehen wir insbesondere hinsichtlich der Skalierbarkeit und der Entwicklung standardisierter Prozesse im 3D-Druck. Die Branche strebt eine größere Einheitlichkeit bei Materialien und Maschinen an, was bisher noch nicht vollständig erreicht wurde. Lösungsansätze hierfür liegen in der verstärkten Zusammenarbeit der 3D-Druckbranche, um einheitliche Standards und Protokolle festzulegen und so ein effizienteres Ökosystem zu schaffen. Des Weiteren stehen Fertigungsunternehmen noch immer vor der Herausforderung, passende Komponenten für den 3D-Druck zu identifizieren und zu qualifizieren. Die Notwendigkeit von Designänderungen und Materialumstellungen von herkömmlichen zu additiven Fertigungsmethoden erschweren diese Aufgabe zusätzlich. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist ein vielseitiger Ansatz erforderlich. Unternehmensinterne Schulungen können den Qualifizierungsprozess verbessern, indem sie ein tieferes Verständnis für die Vorteile und Anforderungen des 3D-Drucks vermitteln. Plattformen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Optimierung des Qualifizierungsprozesses, indem sie Wissen über Herausforderungen und Lösungen aus verschiedenen Branchen und Anwendungsfällen bereitstellen können.

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