Zulieferer

An Ort und Stelle

Im Bemühen mehr Leistung aus einer Hand zu bieten, macht sich mancher Zulieferer auf zu neuen Ufern. Mit diesem Ziel vor Augen entdeckte ein namhafter Spritzgussteile-Produzent die Dichtungstechnik. SCOPE-Redakteur Michael Stöcker stellt das Verfahren und ein Anwendungsbeispiel vor.

Vollautomatischer Dichtungseintrag: Ein Trägersystem nimmt die Teile auf und transportiert sie getaktet zum robotergeführten Mischkopf und weiter durch die Anlage.

Als Zulieferer von Spritzgussteilen hat sich Pöppelmann Kunststoff-Technik über alle Branchengrenzen hinweg einen Namen gemacht. Mit einer Anlage zum Herstellen ortsgeschäumter Dichtungen aus Polyurethan (PUR) hat das Lohner Unternehmen vor einigen Monaten nun seine Fertigungsmöglichkeiten über die eigentliche Teileproduktion hinaus erweitert. Die eingesetzte Verfahrenstechnik verbirgt sich hinter dem Kürzel FIPFG. Das steht für Formed In Place Foam Gasket und bedeutet, dass die Dichtung direkt an Ort und Stelle des Dichtungssitzes ein- oder aufgebracht wird.

Aufschäumender Eintrag

Und so funktioniert das Ganze: Ein Mischkopf – geführt von einem CNC-gesteuerten Roboter – trägt einen feinen PUR-Strang direkt in die Dichtnut des exakt positionierten Formteils ein. Dieser Strang schäumt auf und ergibt nach einer Reaktionszeit von wenigen Minuten die fertige, unverlierbare und selbst bei komplizierten Geometrien genau passende Dichtung. Beim FIPFG-Verfahren ist eine vorgefertigte Dichtung nicht mehr notwendig. Bei Errichtung und Betrieb der Anlage setzte Pöppelmann auf eine Komplettlösung und entschied sich daher für ein Unternehmen der Westhoff Gruppe, die auf den Umgang mit Polyurethan spezialisiert ist. Die Ausgangskomponenten für den Dichtungsschaum liefert Sonderhoff, Köln. Die PUR-Mischung erzeugt die speziell für diese Anwendung konzipierte Zweikomponenten-Misch- und Dosieranlage DM 220 der österreichischen Maschinenfabrik EDF Polymer-Applikation. Durch die Wahl der Ausgangsmaterialien und der Verfahrensparameter lassen sich sowohl die elastischen Eigenschaften als auch die Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit der Dichtung an die Anforderungen anpassen.

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Mit der Investition in diese Anlage verfolgt Kunststoffteile-Zulieferer Pöppelmann das Ziel, seinen Kunden aus der Fahrzeug- sowie aus der Elektro-, Hausgeräte- und Verpackungsindustrie umfassende Fertigungsdienstleistungen aus einer Hand anbieten zu können. Gegenüber bisherigen Arbeitsweisen bieten ortsgeschäumte Dichtungen eine Reihe von Vorteilen: Sie zeichnen sich durch eine gleich bleibend hohe Qualität aus und weil sie herstellungsbedingt eine hohe Passgenauigkeit aufweisen und nahtlos sind, stellen sie eine zuverlässige Langzeit-Dichtwirkung sicher. Bei den Kosten ergibt sich ein erhebliches Einsparpotenzial, weil weder Werkzeugkosten für die Dichtung noch Stanzverluste oder Verschnitt entstehen. Durch die weitgehende Automatisierung lassen sich auch die Personalkosten reduzieren. Und: Der Aufwand für Lagerhaltung und fertigungsgerechtes Just-in-time-Bereitstellen von unterschiedlichen Dichtungen entfällt ebenso wie die Gefahr der Verwechslung bei geometrisch ähnlichen Dichtungen. Die neue Dichtungsschäumanlage hat ihre Feuertaufe in der Praxis bereits bestanden. Pöppelmann produziert damit die Dichtungen für unterschiedliche Steuergeräteboxen und die dazugehörigen Deckel, die bei Fahrzeugen der Mercedes-Benz E- und S-Klasse im Aggregateraum positioniert sind. Aufgabe dieser Boxen ist es, die Steuergeräte für die Zentralelektrik und den Motor aufzunehmen und sie zuverlässig vor äußeren Einflüssen (Wasser, Schmutz, Staub) zu schützen – und dies in einem Temperaturbereich von -40 bis +75 °C. Dabei erfüllen die ortsgeschäumten Dichtungen die in einem detaillierten Lastenheft festgelegten Anforderungen und Zielvorgaben.

Michael Stöcker/ [email protected]

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