Wirtschaft + Unternehmen

Wir brauchen Robotiker!

Interview mit Rolf Peters, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma K-Robotix, Bremen
Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Sicherung zukunftsträchtiger Arbeitsplätze hängen maßgeblich von hochwertigen Produkten sowie von anspruchsvollen und möglichst umfassenden Dienstleistungen ab. In der Diskussion über die Zukunft des Standortes Deutschland herrscht Konsens darüber, dass wir einen Wachstumsschub durch neue Impulse dringend benötigen. Hierbei sind auch Neuerungen in der Aus- und Weiterbildung unverzichtbar.

handling: Wie charakterisieren Sie die Rolle der Robotik für die deutsche Wirtschaft?

Peters: Seit mehr als 30 Jahren werden Industrieroboter in Deutschland gebaut und installiert. Hauptabnehmer sind vor allem die Unternehmen der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer, wo knapp 66 Prozent aller Roboter installiert sind. Aber auch der allgemeine Maschinenbau, die Intralogistik sowie viele mittlere und kleine Betriebe entdeckten die Roboterautomation für sich. Inzwischen arbeiten hierzulande weit mehr als 100.000 Roboter. Zum Vergleich: In Japan sind es mehr als 400.000, in den USA über 110.000 Geräte.

handling: Hält die Ausbildung von Fachkräften mit dieser Entwicklung Schritt?

Peters: Leider nicht, bereits in den allgemein bildenden Schulen beginnt das Problem: Hier werden immer noch durch „Frontal-Unterricht“ die für Technologie und Technik notwendigen naturwissenschaftlichen Fächer wenig spannend vermittelt. Später, in weiterbildenden Schulen (einschließlich Hochschulen und Universitäten), ändert sich diese Lehrmethode nicht wesentlich. Es fehlt der Projekt bezogene Unterricht mit Life-Erfahrung für die Schüler und Studenten. Besonders dramatisch ist die Kluft zwischen dem theoretisch vermittelten Wissen und der Realität in der Industrie. Die wenigen Schülerpraktika und Studenten-Praxissemester mit engem Austausch zwischen Lehreinrichtungen und der Industrie unterstreichen diese Tatsache nochmals. Für den Bereich Robotik ist die Wissensvermittlung völlig unbefriedigend.

Anzeige

handling: Welche Inhalte sollten Ihrer Meinung nach stärker vermittelt werden?

Peters: In Deutschland werden die Bediener von Robotern in der Regel durch die Hersteller, deren Vertriebspartner und Systemhäuser in Roboter-Lehrgängen geschult. Hier steht vor allem das Programmieren der Geräte im Mittelpunkt. Die fundierte Aus- und Weiterbildung zum Roboter-Facharbeiter, -Techniker oder -Ingenieur im Bildungsangebot beschränkt sich zurzeit auf die Bedienung von Robotersystemen. Maßnahmen zur Integration von Robotik in technologische Prozesse fehlen zumeist. „Robotiker“ wäre ein neuer Querschnittsberuf für unterschiedlich strukturierte Betriebe in unterschiedlichen Branchen mit einer Vielzahl von Arbeitsprozessen und Fertigungsablaufen.

handling: Welche Auswirkungen ergeben sich für den Arbeitsmarkt?

Peters: Alle Roboter einsetzenden Unternehmen sind potenzielle Arbeitgeber. Besonders kleine und mittlere Betriebe haben die Möglichkeit, mit der „Robotik-Fachkraft“ in Robotik-System-Anlagen als Produktivitäts-Beschleuniger zu investieren, was mit Sicherheit die Nachfrage nach Robotiksystemen deutlich belebt. Die Weiterentwicklung von Robotern und deren Peripherie würde ebenfalls positiv beeinflusst. Der große volkswirtschaftliche Nutzen des Robotikers wäre für unser Land von großer Bedeutung und ein positives Signal zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Das Gespräch führte Gunthart Mau

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Fabrikplanung ohne Druckluftnetz

Wie Vakuum mobil wird

Modulare Fabriken, mobile Robotik und steigende Energiepreise verändern die Automatisierung grundlegend. Eine Lösung: Ohne Druckluft in die Zukunft. Elektrische Vakuumsysteme senken Kosten, sparen Energie und unterstützen flexible Fertigungs- und...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren