Wirtschaft + Unternehmen
"Mit Leidenschaft konstruiere"
SCOPE: Solidworks hat sich innerhalb von elf Jahren von einer „Garagenfirma“ zum Keyplayer im CAD-Markt entwickelt. Wie viele Anwender arbeiten derzeit mit Ihrer Software? Und wie viele sind hier in Las Vegas?
McEleney: Derzeit arbeiten weltweit rund 491.000 Anwender mit unserer Software. Dies unterteilt sich in 218.000 Installationen im gewerblichen Bereich und 273.000 Installationen im Ausbildungsbereich, also beispielsweise Schulen und Universitäten. Darauf sind wir übrigens sehr stolz, denn es bringt uns unserem Ziel näher, das Standard-Werkzeug nicht nur für Konstrukteure, sondern für alle Ingenieure zu sein.
Aber natürlich sind nicht alle hier (lacht). Wir sind aber mit den mehr als 3.500 Teilnehmern aus rund 100 Ländern hochzufrieden. Auch wenn viele neue Kunden dabei sind, ist es fast wie ein Familientreffen, denn man sieht viele bekannte Gesichter. Wenn man bedenkt, dass unsere Konferenz 1998 mit ein paar Dutzend Teilnehmern begann, ist das eine tolle Entwicklung.
SCOPE: Wie hat sich die Arbeit mit 3D CAD-Systemen in den letzten zehn Jahren verändert?
McEleney: Früher konnte man bei Preisen von mehren zehntausend Dollar für einen CAD-Arbeitsplatz unter Unix von der Volumenmodellierung nur träumen. Wir haben es mit unserer PC-basierten Software ermöglicht, dass sich jedes Unternehmen 3D-Modellierung leisten kann.
SCOPE: Es arbeiten immer noch sehr viele Unternehmen mit 2D-Systemen, obwohl Experten den Umstieg auf 3D für die Mehrheit immer wieder prophezeit haben.
McEleney: Das ist richtig. Aber der Druck für den Umstieg auf 3D kommt aus dem Markt selbst, denn immer mehr Unternehmen setzen auf diese Technik und verlangen auch von Zulieferern, Partnern und Dienstleistern diese moderne Technologie einzusetzen. Wer nicht mitzieht wird Probleme bekommen. Wir schätzen, dass bislang ein Viertel der Unternehmen bereits auf 3D umgestiegen sind und drei Viertel dieser für uns potentiellen Kunden dieses bald angehen werden.
SCOPE: Ein Anwendertreffen verbunden mit einer Ausstellung ist auch immer mit Neuigkeiten verbunden. Welche Highlights können Sie unseren Lesern vorab mitteilen?
McEleney: Natürlich haben wir und unsere Partner einiges Neues in petto; mich haben unter anderem zwei Sachen begeistert: Wir haben eine neue Funktion in unsere Software eingebaut, die wir Swift nennen, sie steht für Solidworks Intelligent Feature Technology. Diese Funktion überprüft Konstruktionen und gibt Verbesserungsvorschläge beziehungsweise warnt den Anwender, falls Probleme zu erwarten sind. Sie ist etwa mit der Rechtschreibprüfung in der Textverarbeitung Word vergleichbar.
Ein weiteres Beispiel kommt von unserem Partner Next Engine: Deren 3D-Scanner erfasst Modelle und überträgt die Daten schnell und in erstaunlicher Qualität an unsere CAD-Software. Damit wird Reverse-Engineering zu einem sehr günstigen Preis möglich.
SCOPE: Wie sieht es mit der neuen Version Solidworks 2007 aus? Hier wäre doch das ideale Forum dafür.
McEleney: Wir haben zwar in der Vergangenheit öfter schon die neuen Versionen auf dem Anwendertreffen gezeigt, aber der offizielle Starttermin für Solidworks 2007 ist im Juni diesen Jahres.
SCOPE: Gibt es Gründe dafür?
McEleney: Nun, dieser Termin hängt nicht von unseren Events ab, sondern vom Entwicklungsstand der Software. Die Qualität, Zuverlässigkeit und Stabilität unserer Produkte ist von allergrößter Bedeutung. Wir haben fast 500.000 Anwender, die tagtäglich ganz verschiedene Aufgaben mit unserer Software zu lösen haben – wir können uns keine Experimente leisten. Das würden uns unsere Kunden übel nehmen.
SCOPE: Wo liegen die Herausforderungen des Wachstums Ihres Unternehmens und der großen Kundenbasis?
McEleney: Es wird natürlich immer schwieriger, alle Mitarbeiter zu einer „Einheit“ zusammenzuschweißen. Ich versuche zum Beispiel, mir die Namen und Gesichter einzuprägen, denn das „Familien-Feeling“ ist mir sehr wichtig. Sehr hilfreich dabei ist unser Intranet mit einem Organisationsdiagramm, das neben den Namen auch Fotos meiner Mitarbeiter bereit hält. Auf der anderen Seite sind wir den Kunden verpflichtet und jeder muss die Erwartungen an uns erfüllen. Wir müssen immer „den Finger am Puls des Marktes“ haben.
Für mich bedeutet das, dass ich nicht den Kontakt zur Basis verlieren darf. Ich verbringe sehr viel Zeit damit, Partner und Kunden zu besuchen, lese Mitteilungen in den News Groups und lerne selbst den Umgang mit unserer Software.
SCOPE: Solidworks ist als Newcomer 1995 in einem Markt gestartet, der fest verteilt war. Heute spielen Sie in der Oberliga mit. Könnte dies bei den heutigen Verhältnissen noch einmal gelingen?
McEleney: Damals war es gar nicht so schwer, denn wir sind mit einer guten Idee und einem guten Produkt gestartet: professionelle Volumenmodellierung auf PC-Basis, leicht erlernbar zu moderaten Preisen. Zudem in einem Markt, der nur sehr teure Lösungen anbot. Außerdem haben uns die Wettbewerber anfangs nicht ernst genommen. Ich denke, heute wäre es wesentlich schwieriger, aber nicht ausgeschlossen. Man muss immer wachsam sein!Stefan Graf









