Wirtschaft + Unternehmen
Unter dem Glasdach
Krupp Automotive Systems ist da und Bosch Fahrzeugelektrik, Sachsenring Fahrzeugtechnik kommt und Brose Fahrzeugteile auch. Und das sind längst nicht alle automobilen Systemzulieferer, die ihre Teilnahme an der diesjährigen Zuliefermesse Z2002 in Leipzig (19. Juni bis 21. Juni) zugesagt haben. Die Organisatoren verlegten nach der letzten ¿Z¿ den Schwerpunkt der Kombiveranstaltung aus Messe, Tagung und Einkäufertagen auf den Automobilbau und wollen mit dem Ausstellerspektrum nunmehr die gesamte Zulieferpalette der Fahrzeugtechnik abdecken. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass ihnen das gelingt.
100 000 bauen Autos
Die Messe ist ein Spiegelbild für die wachsende Bedeutung ostdeutscher Unternehmen ¿ oder besser: ostdeutscher Standorte ¿ im internationalen Automobilbau. Einige Zahlen mögen das verdeutlichen: Rund drei Millionen Autos liefen seit 1990 von ostdeutschen Taktstraßen und über zehn Milliarden Mark flossen seit 1991 in neue Produktionsstätten. Allein im letzten Jahr ¿ so weiß der VDA - legte die Branche 1,4 Milliarden Mark im Osten Deutschlands an. BMW, Porsche, Volkswagen und DaimlerChrysler stehen vor weiteren Großinvestitionen. Und noch eine Zahl: Etwa 100 000 Ostdeutsche stehen in den neuen Bundesländern derzeit bei den Automobilbauern und ihren Zulieferer in Lohn und Brot. Allein für Volkswagen Sachsen arbeiten etwa 15 000 Menschen in ostdeutschen Zulieferbetrieben und Dienstleistungsfirmen. Was lag also näher, als dass sich die Messeveranstalter in Leipzig stärker als in den vergangenen Jahren ¿ und durchaus nicht ohne Einfluss der Automobil-Industrie ¿ dem Zulieferwesen rund um die Fahrzeugtechnik widmen?
Was bedeutet das für den Besucher? Er wird Lieferanten von Halbzeugen, Teilen, Komponenten und Systemen begegnen; er trifft Hersteller von Technologien aus der Füge- und Verbindungstechnik; er bekommt eine ordentliche Portion Verfahrens- und Montagetechnik als technologische Zulieferleistung; er findet interessante Lösungen aus dem Bereich der Verbundwerkstoffe und selbstverständlich Einblicke in den Werkzeug- und Formenbau. Und dem Megatrend ¿weniger Mechanik, mehr Elektronik¿ folgend präsentieren sich in wachsendem Umfang auch Zulieferer von Bauelementen aus Elektrotechnik und Elektronik.
Nicht nur Teile liefern
Den anhaltenden Bestreben der Automobilbauer, Entwicklungsleistungen auszulagern und ihre eigene Fertigungstiefe zu verringern, greift die Messe ebenfalls auf. Sie muss es, will sie sich diesen strukturellen Veränderungen innerhalb des Zulieferwesen nicht verschließen. Denn die Einkäufer verlangen von ihren Zulieferern längst nicht mehr nur Bauteile, sondern immer häufiger auch Ingenieurleistungen, Softwarelösungen oder logistische Dienste. So hat sich die Messe diesen Bereichen geöffnet, die im Vergleich zum Vorjahr größeren Raum einnehmen.
Ein markantes äußeres Kennzeichen der ¿Z¿ ist der architektonisch eindruckvolle Glaspalast des Zentralgebäudes. Ein auffallender innerer Wert hingegen sind die Einkäufertage. Im Rahmen dieser Initiative erstellten die Leipziger Veranstalter einen Katalog, in dem der Bedarf von Systemlieferanten gelistet wurde. Diese Bedarfsliste verschickt man schon seit März an Zulieferfirmen in ganz Europa, die auf diesem Weg konkrete Gespräche bei den großen Systemlieferanten während der Z2002 anbahnen können. Die Messemacher übernehmen dabei die Terminkoordination und bringen mit dieser Idee Einkäufer und Anbieter an einen Tisch. Wie kaum eine andere Messe führt Leipzig dadurch zukünftige Geschäftspartner zu verbindlichen Gesprächen zusammen. Weniger halbseidenes Geplänkel, mehr handfeste Projekte. Genau das brauchen die Unternehmen zur Zeit!
Michael Stöcker
Links: http://www.zuliefermesse.de








