Interview

Daniel Schilling,

Trend zur Nachhaltigkeit

Bei Stabilus verantwortet Jürgen Roland das Geschäft mit der Industrie. Im Gespräch mit INDUSTRIAL-Production-Chefredakteur Daniel Schilling verrät er die wichtigsten technologischen Trends bei Lineartechnik und Stoßdämpfern, welche Branchen wieder stark sind und wie sich Stabilus für die Zukunft aufgestellt hat.

Jürgen Roland verantwortet bei Stabilus das Geschäft mit der Industrie. © Stabilus

Herr Roland, Sie verantworten bei Stabilus das Industriegeschäft. Welche neuen technischen Trends sehen Sie bei der Lineartechnik und bei der Dämpfungstechnik? Wie wandeln sich die Anforderungen der Industrie in diesem Bereich?

Ich sehe drei wichtige Trends, die uns aktuell beschäftigen. Als erstes geht es um Nachhaltigkeit und ganz konkret um das Einsparen von CO2. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, den Energieverbrauch zu reduzieren und ihre Energieeffizienz zu erhöhen. Der zweite Trend ist durchaus damit verbunden: Es gibt einen Trend zu höherer Dynamik in den Anwendungen durch moderne Linear- und Servoantriebe; zugleich entwickeln wir aber auch die Dämpfungstechnik, um diese Dynamik verschleißarm und ressourcenschonend aufzufangen. Der dritte Trend ist die Integration von Sensorik in unsere Komponenten, die nicht nur aktuelle Daten liefert, sondern auch erlaubt, Instandhaltungsbedarf zu prognostizieren. Das Einsetzen unserer Produkte als Bremselemente oder Isolatoren erlaubt die Messung an kritischen Stellen der Anwendung.

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Unter dem Dach von Stabilus finden sich seit wenigen Jahren mit Unternehmen wie ACE oder Hahn Gasfedern sehr etablierte Marken, die alle letzten Endes im Bereich Linear- und Dämpfungstechnik unterwegs sind. Was plant Stabilus mit den Marken?

Es gibt jetzt seit einem Jahr den zusammengeführten Geschäftsbereich „Industrial“, den ich verantworte, und wir haben inzwischen Ende September das erste Fiskaljahr erfolgreich abgeschlossen. Unsere Expertenmarken wie ACE oder Hahn Gasfedern bleiben auch in Zukunft bestehen. Jede Expertenmarke zeichnet sich durch ein eigenes Geschäftsmodell aus, das sich als Stärke im gebündelten Angebot wiederfindet. Wir kennzeichnen aber durch ein sogenanntes „Endorsement“ im Logo die Zugehörigkeit zu Stabilus. Für unsere Kunden ist wichtig, dass sie einen einzigen Ansprechpartner haben, der sie kompetent zu allen unseren Expertenmarken und Technologien beraten kann. Natürlich arbeiten intern auch unsere Entwickler an gemeinsamen, markenübergreifenden Produkten und Lösungen.

Stabilus hat sich vor kurzem an dem Technologieunternehmen Synapticon beteiligt und ist eine Partnerschaft eingegangen. Bedeutet das auch eine technische Kooperation mit Stabilus-Töchtern oder geht es erst mal mehr darum, das Portfolio im Bereich Antriebe und Steuerungssoftware abzurunden?

Für uns ist die Digitalisierung ein klarer Wachstumstreiber. Unsere Motion-Control-Lösungen der Zukunft werden intelligenter sein, ein höheres Maß an Konnektivität bieten und über modernste Sensoren mit der Umwelt interagieren. Darum ist die Kooperation mit Synapticon sinnvoll: Unser Industrie-Know-how und die Software- und Digitalkompetenz von Synapticon passen sehr gut zusammen.

Welche Industriebereiche unter Ihren Kunden entwickeln sich zurzeit am besten?

Bei uns ist das die Sparte Mobility, zu der neben kommerziellen Fahrzeugen mit die Bau- und Landmaschinen gehören. Gerade die Landmaschinenhersteller wachsen stark. Der Maschinenbau im eigentlichen Sinne ist wieder im Kommen, aber etwas weniger stark. Verhalten sieht es weiterhin im Bereich Aerospace aus. Was bei uns aber stark angezogen hat, sind der E-Commerce, der Ersatzteilmarkt und unsere Vertriebspartner im In- und Ausland.

Der markanteste Wandel in der deutschen Industrie ist vielleicht der Übergang der Automotive-Industrie vom Verbrenner zum Elektroantrieb, wie wirkt sich das auf Stabilus aus?

In unserer Rolle als Zulieferer der Automobilindustrie wirkt sich das wenig aus: Anwendungen mit Gasfedern stehen nicht im direkten Zusammenhang zum Antriebsstrang. Was sich für uns in der Industrie wandelt, sind zum Beispiel die Montageprozesse. Hier sind neue Lösungen gefragt, und wir arbeiten eng mit den Maschinen- und Anlagenbauern zusammen. Eine verstärkte Nachfrage sehen wir bei der Vibrationsisolierung von Shakern zur Materialprüfung großer Batterien.

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