Wirtschaft + Unternehmen
Segen und Fluch der Technik
Die Entwicklungen in der Informationstechnik und der Telekommunikation schreiten noch immer mit Riesenschritten voran. Prognosen, die einen Zeitraum von fünf oder mehr Jahren abdecken, sind selbst für Fachleute nicht einfach. In diesem Beitrag haben wir für Sie ¿ ohne Anspruch auf Vollständigkeit ¿ einige Trends recherchiert.
Neue Medien wie das Internet sind Segen und Fluch zugleich. World Wide Web, E-Mails, Multimedia-Handy ¿ dank neuer Medien und Techniken können wir uns immer vielfältiger informieren. Noch nie konnte man weltweit so viele Informationen abrufen wie heute. Doch mittlerweile ertrinken wir in der Datenflut: Newsletter, E-Mails und Kettenbriefe verstopfen die elektronischen Postkästen, unter den Millionen Webseiten fällt es schwer, die jeweils interessanten Sites herauszufinden. Ordnung in dieses Informationschaos wird nach Ansicht der Forscher des Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) die Informationslogistik bringen. Ziel ist es, die Daten nach den Bedürfnissen und Wünschen jedes Nutzers zu filtern und sie rechtzeitig am gewünschten Ort bereitzustellen. So können beispielsweise Reisende während der Zugfahrt ihre Anschlussmöglichkeiten mit der S-Bahn checken, Servicetechniker immer die neuesten Daten der zu wartenden Maschinen abrufen oder Außendienstmitarbeiter beim Kundenbesuch die aktuellen Preise oder Rabatte aus der Datenbank in der Firma heraussuchen.
¿Die Informationslogistik ist die Schlüsseltechnologie für das Internet der Zukunft¿, betont Dr. Wolfgang Deiters, Leiter des Kompetenzzentrums Informationslogistik des ISST. Das Internet der ¿3. Generation¿ wird lernfähig, aktiv und mobil sein. Der Nutzer muss nicht mehr selber aufwendig recherchieren, statt dessen werden alle Informationen individuell und zeitgenau zugestellt.
Mobiltelefonmarkt boomt
Der europäische Markt für Mobiltelefone steht nach Meinung der Unternehmensberater von Frost & Sullivan bis 2006 vor einer regelrechten Umsatzexplosion. Als Hauptwachstumsfaktoren nennen sie die steigende Nachfrage noch einer ständigen drahtlosen Verbindung zum Internet, neue Inhalte und Anwendungen sowie neue Abrechnungsmodelle.
Mit der Einführung neuer Technologien wie WAP (Wireless Application Protocol), GPRS (General Packet Radio Service) und Bluetooth (Kurzstrecken-Funkverfahren zur drahtlosen Vernetzung) erweitern sich die Einsatzmöglichkeiten von Mobiltelefonen. Zugleich werden sie benutzerfreundlicher. Insbesondere der mobile Zugang zum Internet gewinnt zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche neue Anwendungen, Inhalte und Dienste werden demnächst auf dem Handy verfügbar sein. Dazu zählen neben den verschiedenen Arten der Mobilkommunikation kommerzielle Anwendungen, Unterhaltungs- und Informationsangebote und der mobile Online-Handel (M-Commerce). Weitere Funktionen wie Standortbestimmung, Farbdisplay, Synchronisierung, digitale Videokameras und das Herunterladen von MP3-Musiktiteln machen die neuen Geräte noch interessanter.
Datenverkehr nimmt zu
Vor allem der Einkauf über das Internet via Mobiltelefon wird zu einem verstärkten Absatz von WAP-, GPRS- und UMTS-Geräten (Universal Mobile Telecommunications System) führen. Durch die zusätzlichen Funktionen wird die mobile Datenübertragung stark anwachsen. Bis 2006 sollen mehr als 45 Prozent der Einnahmen (1999: vier Prozent) der Mobilfunknetzbetreiber aus Non-Voice-Diensten stammen. Gegen Ende des Prognosezeitraumes werden Unified Messaging, Unterhaltungs- und Informationsdienste die wichtigsten Anwendungen sein.
Software aus der Steckdose
Vom anhaltenden Boom des Internets profitiert auch der ASP-Markt ganz erheblich. Application Service Provider bieten Unternehmen die Möglichkeit, Software zu mieten. Die Programme werden auf zentralen Rechnern vorgehalten und über Hochgeschwindigkeitsnetze oder das Internet kann die Software genutzt werden. Frost & Sullivan prognostiziert einen regelrechten Quantensprung von 275,1 Millionen US-Dollar (1999) auf 13,74 Milliarden US-Dollar bis 2005. Die durchschnittliche jährliche Umsatzwachstumsrate beträgt laut Prognose stolze 91,9 Prozent.
Bisher wird das Angebot der Application Service Provider in Europa noch relativ wenig in Anspruch genommen. Allmählich gehen jedoch vor allem mittelständische Unternehmen dazu über, Hosting und Management wichtiger Anwendungen auszulagern und an einen ASP zu vergeben. Dieser Trend wird sich verstärken, da sich aus dem Einkauf von ASP-Leistungen erhebliche Einsparpotenziale für die Unternehmen ergeben. Die Technik entlastet die Kunden vom laufenden IT-Management und komplexen Lizenzfragen, optimiert Internet-Auftritte, minimiert Risiken, Kosten und Komplexität neuer Geschäftsinitiativen und ermöglicht eine schnelle, flexible Reaktion auf sich verändernde Marktbedingungen bei gleichzeitiger Konzentration auf das Kerngeschäft. Nicht zuletzt angesichts des Fachkräftemangels im IT-Bereich bieten sich daher ASP-Lösungen für viele Unternehmen an.
Interaktives Büro
Trotz eines radikalen Wandels der Arbeitswelt zum Anfang des 21. Jahrhunderts sehen viele Büros noch fast genauso aus wie die Ämter anno 1900: Räume und Einrichtung sind starr aufgeteilt; jeder hat seinen eigenen festen Platz zum Arbeiten, den er hütet wie seinen Augapfel. Doch in der Wissensgesellschaft von morgen ist kreative Zusammenarbeit mehr denn je gefragt und damit auch innovative Ideen fürs Büro. Wie sie aussehen könnten, demonstrieren Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) mit einem Office Innovation Center.
Dort tagen Arbeitsgruppen je nach den Anforderungen der aktuellen Projekte. Jeder Mitarbeiter besitzt einen Rollcontainer mit seinen persönlichen Unterlagen, den er zusammen mit einem Funktelefon beim Einchecken abholt. Auch die Tische sind auf Rollen montiert und lassen sich rasch umgruppieren. Modernste Computer- und Projektionstechniken tragen dazu bei, dass die Kommunikation technisch reibungslos funktioniert. Wer konzentriert alleine arbeiten muss, kann das zuhause tun oder einen kleineren Raum wählen. Dabei ist er nicht völlig abseits des Geschehens: Glaswände ermöglichen den Blickkontakt zu den Kollegen. Mit ihnen kann man sich mittags auf der Piazza, einer Art Bürocafé, treffen, oder sich zu einer vertraulichen Besprechung in die Lounge zurückziehen. Und wenn es abends sehr spät wird, kann man sogar im Büro übernachten.
Zukunft der Interaktiven Medien
In 5 Jahren
- Computer werden mittels Sprach- und Stimmerkennung bedient
- E-Mail und Online-Transaktionen sind rechtsverbindlich
- Die Mehrheit der Deutschen hat Zugang zum Internet, Hochgeschwindigkeitszugänge ermöglichen interaktive Spiele
- Pay-TV setzt sich durch
- Zuschauer beteiligen sich per Fernbedienung an interaktiven Quizshows
In 10 Jahren
- Mobile Endgeräte mit Internet-Zugang nutzt die Mehrheit der Bevölkerung
- E-Mail überholt die Briefpost
- Flachbildschirme mit hoher Auflösung setzen sich durch und dienen gleichzeitig als Wandschmuck
- Software ist intelligent und entwickelt sich durch Wahrnehmungs- und Lernfunktionen selbst weiter
- Räumliche Illusionen werden perfekt dargestellt ¿ Museen, Messen und Märkte besuchen wir virtuell
- Behördengänge gehören der Vergangenheit an ¿ öffentliche Verwaltungs- und Informationsleistungen sind im Internet abrufbar
- Güter des täglichen Gebrauchs bestellen wir im Online-Shop
In 15 Jahren
- Internet und Online-Dienste sind so weit verbreitet wie Telefon und Fernsehen
- Wahlbeteiligung über das Internet ist möglich
- Flachbildschirme werden durch Geräte zur dreidimensionalen Bildaufnahme und Darstellung abgelöst
- Übersetzungsprogramme sind weit verbreitet ¿ sie ermöglichen die Kommunikation im Internet in verschiedenen Sprachen ohne Zeitverzögerung
- Interaktives Fernsehen ¿ der Zuschauer hat Einfluss auf den Handlungsablauf und Kontakt zu anderen Zuschauern
- SCOPE-Leser drucken sich ihr Heft auf dem eigenen Drucker aus, wer möchte, stellt sich sein individuelles Heft zusammen
Die Trends basieren auf einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung. Da einige der genannten Techniken bereits ansatzweise umgesetzt sind beziehungsweise einigen Anwendern schon im Produktstadium zur Verfügung stehen, ist mit einer früheren Umsetzung zu rechnen.
Stefan Graf
Links: http://www.frost.com, http://www.informationslogistik.org, http://www.isi.fhg.de, http://www.iao.fhg.de








