Wirtschaft + Unternehmen
Oberflächenbranche: Eupoc startet als Sprachrohr einer Solidargemeinschaft
Im Bereich der Oberflächenbranche hat sich eine Zusammenarbeits-Initiative gegründet, die in ihrer Art und Zielsetzung ungewöhnlich ist. Ursache dieses ungewöhnlichen Zusammenschlusses ist die REACh-Verordnung der Europäischen Union. Betriebe, die Chemikalien einsetzen, die in den Fokus der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) geraten, müssen eine umfangreiche und kostenintensive Vorarbeit leisten, um nach dem sogenannten "sunset date" weiterhin die Substanzen einsetzen zu können.
Die Oberflächenbranche hat als erste sehr intensiv die Folgen der REACh-Verordnung (EG 1907/2006) zur Zulassung der Anwendung von Substanzen mit potentiellem Risiko zu spüren bekommen. Die hauptsächlich durch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) geprägte Branche musste erkennen, dass die kerngeschäftsfremden, an Umfang immer mehr zunehmenden Aufgaben aus der politischen Einflussnahme in den Betrieb der Marktwirtschaft, nicht mehr durch das einzelne Unternehmen bewältigt werden können. Die wachsende Komplexität der Regulierungen, Vorschriften und Verbote, eng verflochten mit den schwankenden Bedingungen der Märkte und der Unsicherheit auf dem Finanzsektor, die allesamt stark wechselwirken, sich aufeinander beziehen und durch ihren schieren Umfang unübersehbar geworden ist, bedarf einer dauerhaften Beschäftigung mit der Materie. In einem KMU ist dafür keine ausreichende personelle Kapazität vorhanden.
Aus diesem Grunde wurde die EUPOC GmbH i. Gr. von einer bedeutenden Zahl an Unternehmen - vereint in der Solidargemeinschaft "Verein zur Wahrung von Einsatz und Nutzung von Chromtrioxid und anderen Chrom-VI-Verbindungen" (VECCO e.V.) beauftragt. Sie soll als operativ tätiges Unternehmen die Information und Beratung sowie die Zusammenführung der von Gemeinsamkeiten betroffenen Gesellschaften übernehmen. Diese Einheit tritt als unabhängiges Unternehmen auf und hält sich aus dem Kerngeschäft der Auftrag gebenden Unternehmen weitestgehend fern.
Neu ist an dieser Konstellation, dass die EUPOC GmbH aus einem gemeinsamen Interesse vieler Unternehmen geboren wurde, die sich nun eine gemeinsame Anlaufstelle geschaffen haben. Sie wurde an Personen gebunden, deren Qualifikation und Engagement dieses Vertrauen, viele, nicht immer deckungsgleiche Interessen gleichzeitig zu vertreten, rechtfertigen. Eine profunde Kenntnis der Branche war notwendig, doch konnte die Auswahl nicht darauf beschränkt bleiben.
Ein Großunternehmen würde hier vielleicht eine Abteilung schaffen, was bei vor allem KMU-geprägten Unternehmen naturgemäß nicht möglich ist. So startet die EUPOC GmbH zunächst mit der Koordinierung und Ausarbeitung der Zulassungsanträge nach REACh für zahlreiche Unternehmen der Beschichtungsindustrie, schwerpunktmäßig zunächst im Falle Chromtrioxid und weiterer Chrom(VI)-Verbindungen. Mit Blick auf die kommenden Zulassungsverfahren wird EUPOC GmbH im Zusammenwirken mit VECCO e.V. das gewonnene Know-how jedoch auch anderen Konsortien und Interessengruppen für die Zulassung weiterer Substanzen zur Verfügung stellen. Wesentlich ist, dass die Interessen der Firmengruppen in aller Regel singulär, d.h. auf ein einziges Thema fokussiert sind.
Im Laufe der bisherigen Zusammenarbeit haben jedoch EUPOC und die beauftragenden Firmen erkannt, dass weit mehr Gebiete außerhalb des Beschichtungs-Kerngeschäftes gemeinsam abgewickelt oder bearbeitet werden können, was bisher meist an der nicht-ausreichenden Kapazität an qualifiziertem Personal scheiterte. Hier reichen die Themen von Energie- und Materialeffizienz über nationale und internationale Förderprojekte bis hin zur politischen Information.
EUPOC und ihre Förderer, allen voran der VECCO e.V. sehen in der Vorgehensweise eine große Chance, die Interessen der KMU stärker in die Öffentlichkeit zu bringen und sie effektiver wahr nehmen zu können. Die Interessen von KMUs laufen bei verschiedenen Interessengebieten sehr schnell auseinander und schaffen ein komplexes Umfeld, in denen Information, Kommunikation und klare Positionierungen wichtige Rollen spielen.
EUPOC stellt sich der Herausforderung, in diesen komplexen Umfeldern ihre Auftraggeber optimal zu vertreten,
- ihnen in einheitliches Auftreten gegenüber zentralen Stellen wie Behörden, Politik, Dienstleistern und Versorgern zu geben,
- mit weiteren externen Experten zusammenzuführen und die Zusammenarbeit zu koordinieren,
- den Unternehmen den notwendigen Freiraum für ihr eigentliches Kerngeschäft zu schaffen.
Als Fazit der ursprünglich zwangsweise herbeigeführten Solidargemeinschaft kann nun der Nutzen aus der Erfahrung der engen, schlank koordinierten Zusammenarbeit gezogen werden. Diese Form der Zusammenarbeit jenseits des Kerngeschäftes kann zum Beispiel für die Kooperation kleiner und mittelständischer Unternehmen, aber auch für das Zusammenwirken der KMU mit größeren Unternehmen, Politik und Behörden ziel- und lösungsorientiert genutzt werden. kf








