Wirtschaft + Unternehmen
Mehr als Skoda, Pils und Karel Gott
Die große Ausnahme ist die Tschechische Republik, eines der stärksten Beitrittsländer, und damit auch ein interessanter Investitionsstandort.
Fit für Europa¿ ¿ das kann sich die Tschechische Republik durchaus auf die Fahnen schreiben. Nach dem Einbruch 2002 ist ihr Bruttoinlandsprodukt in der zweiten Hälfte bereits wieder kontinuierlich gewachsen. Auch für dieses Jahr rechnen Experten damit, dass die Wirtschaft um drei Prozent, 2005 sogar um bis zu vier Prozent wachsen könne. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zu den anderen Beitrittsländern gering (8,1 Prozent). Die Inflationsrate, die 2003 nahe null lag, könnte aufgrund der Anhebung der indirekten Steuern in diesem Jahr ganz leicht zulegen. Trotzdem geht man weiterhin von einem stabilen Preisniveau aus. Derzeit beträgt das Haushaltsdefizit zwar 6,2 Prozent, doch mit einer Reform will die Regierung bis 2004 eine Senkung auf vier Prozent erreichen. Immerhin will man in Prag bis zum Jahr 2010 den Euro einführen.
Soweit die volkswirtschaftlichen Rahmendaten. Darüber hinaus bietet Tschechien noch eine ganze Menge konkreter Investitionsvorteile. Das haben vor allem deutsche Unternehmen längst erkannt. Seit Jahren gibt es durch die direkte Nachbarschaft enge wirtschaftliche Kontakte. Der bilaterale Handel konnte sich immer wieder über jährliche Steigerungsraten von mehr als zwanzig Prozent freuen. Doch Deutschland ist damit nicht nur der wichtigste Handelspartner Tschechiens, sondern auch mit rund 30 Prozent der größte Investor vor Ort.
Gute Gründe
Deutsche Unternehmen beurteilen die Tschechische Republik als am stärksten entwickeltes Land unter allen Beitrittsstaaten. Ihre Schlüsselindustrien sind der Automobilsektor, die Elektronik, der Maschinen- und Werkzeugbau, der Bereich Kunststoff sowie Forschung, Entwicklung und Design. Für die stabile wirtschaftliche Entwicklung Tschechiens steht eine moderne Infrastruktur, die vor allem mit einer guten Autobahnanbindung die Nachbarländer Österreich und Deutschland schnell erreichbar macht. Darüber hinaus ist das Land ein guter Ausgangspunkt zu den Märkten anderer mittel- und osteuropäischer Staaten. Nach Slowenien hat der ständig wachsende Binnenmarkt Tschechiens die höchste Kaufkraft unter den ehemals sozialistischen Staaten.
Das dichte industrielle Netzwerk wird ergänzt durch landesweit vorhandene Gewerbegebiete, hoch qualifizierte Arbeitskräfte mit guten Sprachkenntnissen, einem großen Potential an Forschung und Entwicklung, das sich in der sehr guten Hochschullandschaft spiegelt. Hierfür spricht auch, dass jüngst immer mehr ausländische Unternehmen besonders bei anspruchsvollen Projekten Tschechien als Standort wählen und dabei oft die Zusammenarbeit mit den Unis suchen. Ein Regierungsprogramm fördert seit 2002 die Gründung von Forschungszentren, so dass mittlerweile achtzehn Prozent aller europäischer Projekte in der Tschechien Republik angesiedelt sind.
Doch der Reformeifer der Regierung geht noch weiter. Unternehmen können über zehn Jahre Körperschaftsnachlässe nutzen, wenn ihr Projekt für neue Produktionsanlagen innerhalb von drei Jahren ein Mindestinvestitionsvolumen von 3,5 Millionen Euro erreicht. Interessant ist auch die Unterstützung von bis zu 3500 Euro pro neu geschaffenem Arbeitsplatz. Gleichzeitig werden auch Schulungskosten für Mitarbeiter bis zu 35 Prozent übernommen.
Im vergangenen Jahr stieg die industrielle Produktion um plus 5,8 Prozent. Wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PwC) festgestellt hat, beträgt die Rückflussdauer von Investitionen nur zwei Jahre. Sehr verlockend für ausländische Unternehmen!
Groß und klein
Gerade deutsche Unternehmen richten den Blick nach Osteuropa, um der derzeitigen Wirtschaftskrise zu entkommen. Sie werden auch durch die jüngste politische Debatte über den Weggang deutscher Firmen ins Ausland nicht aufgehalten. Immer mehr ausländische Investoren gründen Technologie- und Dienstleistungszentren für große Regionen ¿ ein neuer Trend. So baut Mercedes Benz ein Technologiezentrum für Entwicklung und Design in Pilsen auf. Siemens eröffnete in Prag Anfang des Jahres ein ¿Shared-Service¿-Zentrum für seine europäischen Kunden. Mit 24 unterschiedlichen Gesellschaften in der Tschechischen Republik gehört das Münchner Unternehmen zu den größten Arbeitgebern. Weitere Projekte sollen folgen.
Doch nicht nur Großunternehmen schlagen den Weg gen Osten ein. ¿Nach dem Beitritt der Tschechischen Republik zur EU erwarten wir großes Interesse für Investitionen seitens kleiner und mittelständischer Unternehmen in Nähe der tschechischen Grenze ¿ vor allem aus Bayern und Baden-Württemberg¿, bestätigt Forge Friedmann von der Industrie- und Handelskammer in München. Gerade für diese kleineren Unternehmen ist eine umfassende Investorenberatung wichtig, die sie ganz sicher auf der ¿Reallocation¿ in Leipzig finden werden. Monika E. Melk
Links: http://www.chzechinvest.org








