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Megacities: Chance für den Maschinenbau

Bis zum Jahr 2030 werden nach einer Schätzung der Vereinten Nationen rund fünf Milliarden Menschen in Städten leben, mehr als zwei Milliarden mehr als heute. Die größten Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern wird es in den Schwellenländern geben, vor allem in Südamerika, Afrika und Asien. Der VDMA sieht in der Urbanisierung eine große Chance für den Anlagen- und Maschinenbau.

"Die Urbanisierung ist ein globaler Megatrend der nicht aufzuhalten ist. Die entscheidende Frage wird aber sein, ob die Städte der Zukunft Gemeinschaften mit hohem ökonomischen und ökologischen Potenzial oder Zentren von Elend sein werden ", sagt Naemi Denz, Geschäftsführerin der Verbandes Abfall- und Recyclingtechnik im VDMA, des Forums Umwelttechnik und Leiterin der Abteilung Technik und Umwelt. "Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat die Erfahrung und die Technologien, die nötig sind, um Megacities zu leistungsfähigen Lebensräumen zu machen. Die Urbanisierung ist für die mittelständisch geprägte Branche eine große Chance", sagt Denz.

Angesichts der demographischen Entwicklung und zunehmender Ressourcenknappheit gibt es keine Alternative zu Städten. Nach Hochrechnungen der Welternährungsorganisation FAO werden bis 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde leben - und sie müssen ernährt werden. Die landwirtschaftliche Nutzfläche schrumpft aber seit Jahren. 1960 betrug sie noch rund 0,44 Hektar pro Kopf. Bis 2050 wird sie sich laut FAO auf 0,15 Hektar pro Kopf verringern. Die Verstädterung ist notwendig, sowohl was den Erhalt der Nutzflächen, als auch die leichtere Versorgung der Menschen angeht.

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Urbanität muss geplant werden

Die Großstädte wachsen bereits unaufhaltsam. Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt. In manchen Ländern versuchen die Regierungen, diesen Trend aufzuhalten, bislang erfolglos. Es fehlen die Konzepte, den Strom der Zuwanderer zu kanalisieren. Riesige Slums sind die Folge. Anderswo wird Städteplanung in großem Stil betrieben. In China, zum Beispiel, ist die Urbanisierung erklärtes politisches Ziel. Der aktuelle, noch bis 2015 laufende Fünf-Jahres-Plan sieht vor, dass bis zu hundert Millionen Menschen in den nächsten fünf bis zehn Jahren vom Land in die Städte ziehen sollen. Dafür hat die Regierung 16 Billionen Yuan, umgerechnet 1,8 Billionen Euro veranschlagt. Deutsche Unternehmen des Maschinenbaus rechnen sich gute Chancen aus, mit ihren Technologien am Aufbau der kommenden Großstädte beteiligt zu sein. Die Aufgaben sind gewaltig. Gebäude müssen energieeffizient sein, die Abfallbeseitigung muss umweltschonend funktionieren. Die Verkehrsströme müssen fließen, und gleichzeitig muss die Luft sauber bleiben. Die Trinkwasserversorgung muss sicher sein, ebenso die Energieversorgung. Dabei müssen die knapper werdenden Ressourcen geschont werden. Die Waren müssen rechtzeitig dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Die Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus helfen heute schon, die rasch wachsenden Megacities vor dem Kollaps zu bewahren. Sie sind die Schlüsselindustrie wenn es um energieeffiziente und umweltschonende Technologien geht.

Beispiel Mobilität

In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Zahl der Fahrzeuge auf der Erde verdoppelt - und sie steigt immer schneller. Der Verkehr muss besser geregelt werden, unter anderem durch Verkehrs-Management-Systeme oder Maut-Systeme. Deutsche Unternehmen setzen aber auch bei den Fahrzeugen selbst an. In den letzten Jahren haben sie große Erfolge in der Antriebstechnik erzielt und Verbrennungsmotoren durch Verringerung des Kohlendioxyd-Ausstoßes effizienter gemacht. Darüber hinaus sind deutsche Unternehmen führend bei der Entwicklung von Elektromobilität. Die Zahl der zugelassenen Elektroautos ist zwar noch sehr gering. Aber die Entwicklung der Infrastruktur geht zügig voran. Deutsche Mittelständler haben bereits serienfähige Ladesäulen zum Stromauftanken entwickelt. Daneben richtet sich die Forschung der Unternehmen auf Karossen, die weniger wiegen und damit weniger Antrieb brauchen - das gilt nicht nur für Elektroautos, sondern auch für Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren oder Hybridantrieben. Leichtbau durch neue Materialien wie beispielsweise Kohlefasern verringert den Energieverbrauch, sei es Strom oder Benzin.

Beispiel Gebäudetechnik

40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs weltweit entfällt auf Gebäude. Es liegt in der Natur der Sache, dass mit der zunehmenden Verstädterung auch die Zahl der Gebäude zunimmt. In den Megacities, in denen der verfüg bare Raum begrenzt ist, wird in die Höhe gebaut. Der deutsche Maschinenbau entwickelt Technologien, die den Bau von Wolkenkratzern erleichtern und anschließend den reibungslosen Betrieb zu ökonomisch günstigen Bedingungen ermöglichen. Das beginnt bei modernen Baukränen, mit denen man mehrere hundert Meter in die Höhe bauen kann. Neuartige Aufzüge können bis zu 500 Meter in die Höhe fahren und mehrere tausend Menschen pro Tag befördern. Moderne Klimatechnik hilft, den Energiebedarf zu senken, unter anderem indem Abluft gereinigt und wieder verwendet wird. Eine automatisierte Gebäudesteuerung ermöglicht den optimalen Energieeinsatz. Beispielsweise können Sensoren in Räumen erkennen, ob sich dort Menschen aufhalten. Wenn nicht, wird die Klimaanlage automatisch heruntergefahren.

Beispiel Versorgung und Entsorgung

Megacities brauchen riesige Mengen an natürlichen Ressourcen. In vielen Städten in Schwellenländern gibt es davon nicht genug. Trinkwasser ist oft knapp oder aber verunreinigt. Abwässer gelangen ungeklärt in den Boden. Müll verrottet auf Deponien oder einfach am Straßenrand. Energie ist nicht sicher verfügbar. Deutsche Maschinenbauer haben Methoden und Technologien entwickelt, mit denen sie die Ver- und Entsorgung in den Großstädten ressourcen- und umweltschonend bewerkstelligen können. In modernen Abwasseranlagen wird beispielsweise Klärschlamm so behandelt, dass Biogas entsteht und wieder als Energiequelle eingesetzt werden kann. Dezentrale Energieerzeugung mit Kraft-Wärme-Technik liefern nicht nur Strom, sondern auch Wärme. Abfall wird zur Rohstoffquelle. Durch Recyclingverfahren können wertvolle Materialien zurückgewonnen werden. Aus dem Restmüll wird durch Vergärung Biogas erzeugt. kf

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