Wirtschaft + Unternehmen

Leichter! Leichter! Leichter!

Zeitweise schien es, als ließe sich mit Aluminium als Verpackung kein Blumentopf mehr gewinnen. Doch die heftige und berechtigte Kritik am hohen Energieverbrauch bei der Herstellung des leichten Materials brachte nicht das völlige Aus, das manch einer erwartete. Denn ganz so einfach lassen sich die von den Verpackern hochgeschätzten positiven Eigenschaften des Werkstoffs nicht kompensieren. Und dank der Recyclingbemühungen der Herstellunternehmen liegt das funktionelle Verpackungsmaterial wieder ziemlich gut im Rennen.
Unablässig blitzt es: rot, gelb, rot, gelb, rot, gelb sausen farbige Streifen an meinen Augen vorbei. Unmöglich zu erkennen, welches Motiv das bedruckte Papier gerade trägt. Die monströse Maschine schluckt es mit einem Affenzahn, genauso wie die dünne Kunststoff-Folie und den Hauch von Aluminium. Von Walze zu Walze, drunter und drüber schießen die Bahnen, bis sie endlich ¿ Papier, Kunststoff und Aluminium als Verbund ¿ beim Aufwickler landen, der sie zu einer mehr als mannsdicke Rolle formt.

Die Verpackung meines Lieblingseises war es jedenfalls nicht, die gerade bei 4P Verpackungen Ronsberg durch die Coextrusions-Beschichtungs- und Kaschieranlage lief. Sie liegt als Farbmuster unbewegt an anderer Stelle. Doch ihr blüht ähnliches, denn auch die Eismacher lassen sich vom Allgäuer Verpackungsmittel-Hersteller die Eistüten liefern.

Bunte Rollen
Tag für Tag verlassen zwölf vollbeladene Brummis mit Fertigware das Werk. Auf breiten Rollen aufgewickelt wohlgemerkt, denn erst im Zwischenlager wird konfektioniert, das heißt, aufs Kundenmaß gebracht. Richtig ¿hingetrimmt¿ und selbstverständlich wieder aufgerollt gehen die buntbedruckten Streifen auf Reisen zu den Abnehmern in Deutschland, Europa, Asien und Übersee. Die formen daraus Suppen-, Käse- oder Kaffeetüten, Waschmittel- oder Erfrischungstuch-Beutel und noch vieles andere, um sie anschließend mit ihren Produkten zu füllen.

Alles was Rang und Namen hat, ob Unilever, Philip Morris, Procter & Gamble, Colgate, Palmolive oder Tschibo, zählt zu den Kunden des zum niederländischen Verpackungskonzerns Royal Packaging Industries Van Leer gehörenden Unternehmens. Sie alle brauchen hochwertige flexible Verpackungen für Lebensmittel, Wasch- und Reinigungsmittel oder Tierfutter in großen Mengen; und so wundert es nicht, daß der als Consumer Packaging bezeichnete Bereich, für den die Ronsberger arbeiten, etwas mehr als die Hälfte (54,8 Prozent) zum Konzernumsatz beiträgt.

Den Rest erwirtschaften andere Töchter des niederländischen Unternehmens mit Industrieverpackungen: Stahl-, Kunststoff- und Fibrefässer, sogenannte Intermediate Bulk Containers und die zu den Behältern passenden Verschlußsysteme. Aluminium als Werkstoff sucht man dort vergebens. Ganz anders bei den flexiblen Verpackungen für Konsumgüter, wo es eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

¿Abgespeckt¿
¿Die Rohwaren Papier, Aluminium und Kunststoff haben bei uns einen ähnlichen Stellenwert¿, bestätigt der Managing Director von 4 P Karl Pfenninger. Deshalb möchte er sich auch nicht auf eine Angabe der verarbeiteten Materialmengen festlegen. ¿Das würde ein schiefes Bild ergeben.¿ In der Tat, denn in Zeiten, da Verpackungen immer weniger auf die Waage bringen, kommt Aluminium gewichtsmäßig kaum noch zum tragen. Schokoladenfolien beispielsweise mußten in den letzten fünf Jahren um die 30 Prozent ihres Gewichts lassen, Joghurtdeckel und ähnliches speckten um zehn, Veredlerfolien (die dünne Aluhaut in Verpackungsverbunden) um sage und schreibe 22 Prozent ab.

Ganz deutlich wird das am Aluminiumverbrauch für Verpackungen in Tonnen ¿ insbesondere der für Folien und dünne Bänder. In den letzen Jahren machte der beim besten Willen keine Bocksprünge nach oben. 1997 waren es laut Angaben von Stefan Glimm, Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Aluminiumindustrie (GDA), rund Hunderttausend Tonnen. Tendenz: Es bleibt wohl dabei. Den Verband und seine Mitglieder stimmt das allerdings nicht traurig ¿ weil der Blick auf den Quadratmeterverbrauch gutes erwarten läßt. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres legte der Absatz von flexiblen aluminiumhaltigen Verbunden um immerhin 3,7 Prozent auf 950 Millionen Quadratmeter zu. Gleichbleibende Nachfrage im Inland und steigende Exporte signalisieren für 1998 eine stabile bis leicht wachsende Marktentwicklung.
Verpacker und Aluminiumindustrie sind sich einig: Auf das silbriggraue Material kann man seiner positiven Eigenschaften wegen nicht verzichten. Als wirklich hauchdünnes Nichts, gerade mal sechs Tausendstel Millimeter ¿dick¿, schützt es in Papier-Aluminium- oder Aluminium-Kunststoff-Verbunden empfindliche Produkte vor der Außenwelt so wie kaum ein anderes Material. Feuchtigkeit, Licht oder Mikroorganismen haben gegen die dichte und äußerst leichte Barriere keine Chance. Solch positive Eigenschaften weiß nicht nur die Konsumgüter- oder Lebensmittelindustrie zu schätzen. Kleber, Lacke, Farben, Dichtungsmassen, Fette und Öle fühlen sich in Aluminiumdosen ausgesprochen wohl. Nichts diffundiert nach draußen, kein Licht dringt nach innen; eine wirklich sichere Sperrschicht, die darüber hinaus wenig wiegt und auch den Sturz aus größerer Höhe noch ohne dramatischen Schaden übersteht.

Wo liegt der Nutzen?
Das ideale Verpackungsmaterial auch für technische Produkte so scheint es. Wäre da nicht der Preis und ¿ die Diskussionen um die ökologischen Nachteile von Aluminium als Verpackungsmaterial. ,,Keine Frage, bei den Verpackungen hat Aluminium in den letzten Jahren Federn lassen müssen¿, gibt Rolf Deipenwisch, Geschäftsführer der Aluminiumzentrale, unumwunden zu. Daß der Werkstoff trotzdem in dem Segment nicht ganz von der Bühne verschwand, ist den Aktivitäten der Hersteller und der Verbände zu verdanken.

Energieeinsparungen bei der Herstellung auf der einen Seite, Aufklärung auf der anderen Seite, so könnte man die Aktionen der aus rund 50 Firmen bestehenden Branche bezeichen. Gerade bei der Aufklärung zeigten sich die Verbandsmenschen als Profis. Sie halten es mit dem Sprichwort: Tue Gutes und rede darüber. Deipenwisch: ¿Wir wollten mit unseren Kritikern ins Gespräch kommen.¿ Das haben sie geschafft. ¿Unser Ziel war es, ihnen klarzumachen, was sich mit Aluminium (und nur mit ihm) Gutes und Nützliches machen läßt.¿ Das ist ihnen noch nicht ganz gelungen. Und der GDA Geschäftsführer merkt an: ¿Vor allen Dingen galt es, den ökologischen Nutzen des leichten Werkstoffes klar herauszuarbeiten.¿
Diesen Nutzen allein anhand von Ökobilanzen zu beurteilen, halten nicht nur die beiden Interessenvertreter für zu wenig. Denn eine klare Bewertung der Energiearten können sie kaum geben. Gerade beim Energieeinsatz hat Aluminium seine größte Schwäche: Bei der Primärerzeugung des Werkstoffs ist er noch immer ziemlich hoch. Treibstoffersparnis beim Transport (leichtere Verpackung verbrauchen weniger Sprit) kompensiert das eher leidlich.

Zurück als Wertstoff
Trotzdem will die Branche das Bild vom Energieschlucker nicht mehr länger auf sich sitzen lassen. ¿Aluminium kann vollständig dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden ¿ und das ohne Qualitätseinbußen, ohne Mengenbeschränkung und mit nur fünf Prozent der ursprünglich eingesetzten Energie¿, heißt es beim GDA. Genau darin liegt der eigentliche Nutzen: Den Wertstoff als solches erkennen und in die Produktion zurückzuführen. Daß das passiert, belegen die Zahlen. 1995 griffen 42,1 Prozent Sekundär-Aluminium der Produktion unter die Arme. Es kommt aus allen großen Anwendungsbereichen: Der Produktionsschrott gelangt hundertprozentig, Aluminiumteile aus Fahrzeugen zu über 90, aus dem Bausektor zu mehr als 85 Prozent zurück in die Herstellerwerke. Die Verpackungen glänzen noch nicht mit riesigen Rückführquoten. Doch gemessen an dem Wegwerfsyndrom, das sich (nicht nur in deutschen Landen) breitgemacht hat, können sich über 40 Prozent sehen lassen.

Recyclingkapazitäten für Aluminium- und aluminiumhaltige Verpackungen gibt es derzeit jedenfalls genug. Glimm: ¿Anfänglich fragten bei mir viele Firmen nach, wer ihnen den Produktionsschrott abnimmt, der bei der Verpackungsherstellung anfällt. Solche Anfragen gibt es inzwischen nicht mehr.¿ Ein Indiz dafür, daß die Recycler erkannt haben: Bei dem hohen Materialwert lohnt sich für sie das Sammeln und Sortieren allemal.

Claudia Treffert / Januar 1998

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