Wirtschaft + Unternehmen

Kosten senken mit System

Fast jede Familie hat sich nach der Liberalisierung der Energiemärkte in den letzten Jahren schon einmal nach einem alternativen, preisgünstigeren Stromversorger umgeschaut. Zum Teil mit Erfolg: Mehr oder weniger deutlich gesunkene Beträge sind zu entrichten. Bei Großverbrauchern spielen jedoch weitere Aspekte eine wichtige Rolle. Neben dem Preis je gelieferter Kilowattstunde profitieren Industrie, Gewerbe und Dienstleister von zusätzlich angebotenen Dienstleistungen und Finanzierungsmodellen.
Unter verschiedenen Begriffen wie Energiecontracting oder Versorgungs-Outsourcing bieten viele Versorger, aber auch neue Anbieter Leistungen rund um das Thema Energie an. Von der Beratung zur sinnvollen Ausgestaltung von Bezugsverträgen bis zur Übernahme aller Planungs-, Bau-, Wartungs- und Finanzierungsleistungen für die Energieversorgung ganzer Industriebetriebe reichen die Angebote. Konzentration auf die Kerntätigkeiten ¿ unter diesem Motto haben die Unternehmen in den letzten Jahren eine Fülle von Nebentätigkeiten erfolgreich an externe Spezialisten ausgelagert, von der Betriebsreinigung über den Kantinenbetrieb bis zur Verwaltung des Fuhrparks. Mit den gleichen Argumenten, meist Kostensenkung bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung, lohnt nun die Beschäftigung mit Dienstleistungen im Umfeld der Energieversorgung.
Nachdem die Liberalisierung des Strommarktes zunächst für ein kaum überschaubares Dickicht an kurzlebigen, manchmal sogar skurrilen Angeboten und ebensolchen Anbietern geführt hat, gewinnt dieser Markt langsam aber sicher an Konturen. SCOPE befragte Dr. Peter Asmuth, Vorstandsmitglied der citiworks AG, wie Unternehmen profitieren können.
Herr Dr. Asmuth, soeben haben ich rund 125 Euro an Energiekosten für mein Homeoffice im letzten Jahr nachgezahlt. Habe ich den falschen Energieversorger?
Dr. Asmuth: Den Luxus, zu Hause zu arbeiten, müssen Sie sich schon was kosten lassen. Nein, im Ernst, da kann ich Ihnen nicht weiter helfen. Zu unseren Kunden gehören die großen, häufig in Konzernstrukturen eingebundenen Industrie- und Gewerbekunden, die ihre Lieferanten heute nicht mehr ausschließlich unter lokalen Gesichtspunkten wählen. citiworks übernimmt deshalb bundesweit die vertriebliche und handelsseitige Betreuung von Groß- und Bündelkunden mit überregionaler Bedeutung. Daneben liegt der Fokus der citiworks AG auf einem umfassenden Service- und Dienstleistungsangebot für Stadtwerke.
Nach Liberalisierung der Strommärkte scheint die erste Euphorie abgeebbt, zumindest in den Medien. Können Industriebetriebe noch mit Kosteneinsparungen beim Energieeinkauf rechnen, wenn sie sich nur intensiv genug mit verschiedenen Anbietern auseinander setzen?
Dr. Asmuth: Industriebetriebe profitieren ja nicht nur von niedrigeren Energiepreisen. Wir helfen ihnen, effektiv zu sein durch maßgeschneiderte Komplettlösungen ¿ vom klassischen Strombezugsvertrag bis hin zu komplexen Gesamtlösungen in Form von Multi-Solutions-Produkten und Energie-Contracting. Eine flexible Vertragsgestaltung erlaubt ein individuell abgestimmtes Risikomanagement, um die Chancen, die die Strommärkte bieten, optimal zu nutzen.
Bieten Sie solche Modelle auch für andere Energieträger wie Gas an? Wenn ja, von welchen Kostenstrukturen sprechen wir hier?
Dr. Asmuth: Die Marktöffnung beim Erdgas ist in vollem Gange. Unsere Kunden können anstelle der klassischen Gaslieferung auch einen kompletten Wärmeservice in Anspruch nehmen. Das ist auf Wunsch bis hin zur Finanzierung von erdgasbetriebenen Anlagen möglich.
Ein Trend ist zweifelsohne, Energieversorgung und -verteilung als Thema komplett an Spezialisten ¿außer Haus¿ zu geben. Energie-Contracting ist das Stichwort. Welchen konkreten Nutzen versprechen Sie ihren Kunden?
Dr. Asmuth: Outsourcing macht dann Sinn, wenn der Service stimmt und Sie mit kompetenten Partnern zusammen arbeiten, die Ihre Anforderungen genau kennen und flexible Lösungen anbieten können. Durch die Übernahme von Kundenanlagen in den Betrieb durch citiworks und seine Partner muss sich der Kunde nicht mehr um Transformatoren, Heizungsanlagen und interne Netze kümmern, sondern kann sich auf seine Kernprozesse fokussieren.
Können Sie und die typische Vorgehensweise bei der Beratung eines Industrieunternehmens in Sachen Energie-Management erklären?
Dr. Asmuth: Nehmen Sie ein Unternehmen, das im 3-Schicht-Betrieb produziert. Hier bieten unsere Berater eine Analyse des Lastprofils an. Gemeinsam mit dem Kunden kann ein Vorgehen für zeitlich verlagerten Betrieb von Anlagen erarbeitet werden, wodurch die Energiekosten des Kunden optimiert werden. Häufig sind auch die Verträge noch nach alter energiewirtschaftlicher Art gestrickt ¿ hier bieten wir einfache, klar verständliche Alternativen.
Ein weiterer wichtiger Energieträger der Industrie ist Druckluft, die mit hohem Primärenergieeinsatz produziert wird. Bieten Sie auch dafür Outsourcing-Konzepte an?
Dr. Asmuth: Anlagen zur Drucklufterzeugung werden in der Regel während der gesamten Betriebszeiten des Kunden betrieben. Jede Leckage kostet den Kunden Geld, und die Investition in neueste Technik wie drehzahlgeregelte Motoren ergibt häufig Einsparpotenziale bis zu 30 Prozent.
Derzeit sind sie in München und Mainz vertreten. Ein derart breites Dienstleistungsangebot verlangt jedoch auch nach der Angebotsphase regelmäßige Präsenz beim Kunden. Wie leisten das derzeit?
Dr. Asmuth: Wir sind in den Wirtschaftsräumen München und ¿ durch unsere Gesellschafter in Darmstadt und Mainz ¿ im Raum Rhein-Main-Neckar vertreten. Sicherlich hätte es Vorteile gehabt, gleich bundesweit anzutreten. Ein Unternehmen wie citiworks realisieren Sie aber zunächst einfacher mit wenigen Partnern. Ziel ist es, nicht nur durch Vertriebsniederlassungen präsent zu sein, sondern durch Stadtwerke-Partner auch die volle Leistungsfähigkeit im Bereich der Infrastrukturdienstleistungen vor Ort bieten zu können. Wir müssen hier noch stärker werden und verhandeln deshalb mit Energieunternehmen in Ost- und Norddeutschland.
Neben den Endverbrauchern bieten Sie kommunalen Energieversorgern wie den Stadtwerken nicht nur die Belieferung mit Energie und Marketing-Unterstützung an, sondern sogar die Beteiligung an citiworks. Machen Sie solchen Unternehmen keine Konkurrenz, wenn Sie auch direkt mit Endkunden Geschäfte machen?
Dr. Asmuth: Natürlich stehen wir in Konkurrenz zu Stadtwerken, die nicht Gesellschafter der citiworks AG sind. Unser Beteiligungsmodell gibt ihnen jedoch die Möglichkeit, von einer starken Partnerschaft zu profitieren, ohne die Eigenständigkeit zu verlieren. Welches Stadtwerk ist heute alleine in der Lage, einen bundesweiten Vertrieb und Service aufzubauen? Das aber erwarten 75 Prozent der gewerblichen Kunden. Die Deutsche Stadtwerke Allianz bringt Vorteile im gemeinsamen Handel und verbessert den Service für überregionale Groß- und Bündelkunden.
Das Interview führte Meinolf Droege

Die citiworks AG
Gesellschafter der citiworks sind die Stadtwerke München und die entega, ein gemeinsames Unternehmen der Stadtwerke Mainz und HEAG Versorgung AG, Darmstadt. Das Unternehmen wurde im Mai 2001 gegründet. Zum einen bietet es Groß- und Bündelkunden direkte Energielieferungen mit kostenoptimierten Konzepten an, zum anderen zusätzliche Dienstleistungen im Umfeld der Energieversorgung, die den Kunden die Möglichkeiten bieten sollen, sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Service für Energieversorgungsunternehmen. citiworks unterstützt kommunale Energieversorger bei Einkauf, Risikomanagement und Marketing. Außerdem haben Energieversorgungsunternehmen über ein Partnermodell die Möglichkeit der Beteiligung an der citiworks AG.

Links: http://www.citiworks.de

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige

Hannover Messe

Wasserstoffspeicherung in Metallhydrid

Mit dem Fokus auf Speicher für grünen Wasserstoff in Feststoffform (Metallhydrid) präsentiert sich GKN Hydrogen als Vorreiter in Sachen Sicherheit und Effizienz für die Industrie. GKN Hydrogen bietet sichere Speichersysteme für grünen Wasserstoff...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Lineartechnik

Transporttechnik aus dem Baukasten

Viele Transportaufgaben lassen sich mithilfe von Lineartechnik realisieren. Um das Zusammenspiel von Lineareinheit, Motor, Getriebe und Steuerung zu vereinfachen, bieten sich vorkonfigurierte Lösungen an. So kann der Aufwand für Recherche und...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren