Wirtschaft + Unternehmen

Kauf' mir was

Verschlampte Bestellung, unvollständige Lieferung, Engpässe bei Paketdiensten, technische Probleme: Die 1253 Teilnehmer einer Online-Umfrage der Unternehmensberatung Mummert + Partner sahen beliebig viele Probleme für den Online-Weihnachtseinkauf. Aller bisherigen Meldungen nach waren sie zu skeptisch. ¿Wir haben nicht nachrecherchiert¿, sagt ein Sprecher der Berater. ¿Aber da in der Presse nichts von größeren Ausfällen stand, gehen wir davon aus, dass das Geschäft vergleichsweise problemlos lief.¿

Daraus zu schließen, dass der elektronische Handel inzwischen alle Kinderkrankheiten hinter sich gelassen hat und sich breiter Akzeptanz erfreut, wäre zu voreilig. Vorbehalte gegenüber dem E-Commerce gibt es mehr als genug. Das ergab eine Studie, die die Heyde Tochter Consulting Partner Group, Frankfurt, Ende letzten Jahres herausgegeben hat. Zwar sind mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen mit einer Website im Netz. Aber über eine eigenständige Internetstrategie ¿ die Basis für erfolgreiche Geschäfte mit Hilfe des WWW ¿ verfügen lediglich 22,8 Prozent. Und auf das E-Procurement, die elektronische Beschaffung, bauen bisher nur knapp ein Drittel von ihnen. Wobei sich das bis Mitte 2001 ändern soll. Bis dahin planen rund 60 Prozent der Firmen, das Internet für den Einkauf von Waren einzusetzen.

Sparen: ein strategisches Ziel

Das ist auch nötig, meint der Hauptgeschäftsführer des Bun- desverbands Materialwirtschaft Einkauf und Logistik (BME), Holger Hildenbrandt. Denn wer seinen Einkauf weiterhin so laufen lasse wie bisher und die Chancen der neuen Technologien nicht konsequent nutze, der werde von der Konkurrenz überrannt. Ein massiv vorgetragener Appell an Unternehmen und Verwaltung, die Kosten-Einsparpotentiale, die sich für sie durch die neuen Technologien auftun, nun endlich zu erkennen und Strategien für ein neues Beschaffungswesen zu entwickeln und umzusetzen. Es bleibt jedoch nicht nur bei Appellen und Warnungen. In vom Verband organisierten Tagungen, Seminaren oder Kongressen geht es regelmäßig zur Sache.

Die ist beliebig komplex, was jeder, der sich schon mal mit E-Procurement und Supply-Chain-Management beschäftigt hat, sofort bestätigen wird. Vergleichsweise leicht fällt es dagegen, sich dem elektronischen Beschaffen via Einkaufsplattform im Internet zu nähern. ¿Wir haben derzeit 30 000 registrierte Benutzer. Und pro Monat wächst die Zahl um acht bis zehn Prozent.¿ Eine Mitarbeiterin des zur Eon-Gruppe gehörenden, selbsternannten Internet-Einkaufspartners Mercateo weist Vergleiche mit zur Zeit strauchelnden Internet-Handelshäusern für Jedermann weit zurück. Der große Unterschied: die Partner und die Kundenzielgruppe.

Überwiegend kleine und mittelständische Unternehmen kaufen vom Bleistift über den Drucker bis zu Büromöbeln per Website der Münchner ein, mit dem Ziel, die Ware deutlich günstiger zu erwerben. Ihr versprochener Vorteil: um bis zu 30 Prozent sinkende Einkaufskosten. Das erreichen sie allerdings nicht nur über niedrigere Preise. Den größten Batzen verschlingt der Verwaltungsaufwand. Damit der auf lange Sicht sinkt, darf es dann doch etwas mehr sein als ¿nur¿ Einkaufen per Internet.

Claudia Treffert

Links: http://www.consulting-partner.com, http://www.bme.de, http://www.mercateo.com

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