Wirtschaft + Unternehmen

Ist die Luft raus?

Die Leitungsleger sind wieder unterwegs. Zumindest an den Montagelinien der Automobilhersteller. Während sie in den 70er Jahren noch fleißig die Elektroleitungen der damals weit verbreiteten Elektroschrauber herausrissen, um sie gegen Druckluftleitungen für die kleineren, leichteren und vor allem leistungsfähigeren Druckluftschrauber auszutauschen, kehren sie heute wieder reumütig zum Kabel zurück. Der Grund dafür ist der gleiche wie damals: Mehr Leistungsdichte, geringeres Gewicht, höhere Drehzahlen ¿ nur dass diesmal der Elektroschrauber sozusagen das Spannfutter vorn hat. Ein findiger Schwede, Christer Hansson, erfand Ende der 80er einen Synchronmotor mit Permanentmagnet-Läufer, der den bis dahin unschlagbaren Lamellenmotor plötzlich alt aussehen ließ: Gerade mal fingerdick lieferte der von Atlas Copco auf den Namen Tensor getaufte Motor 30000 Umdrehungen pro Minute und eine Leistung von vier Kilowatt und mehr. Damit stieg die Leistungsdichte mit zwei Kilowatt pro Kilogramm sprunghaft auf gut das Doppelte des damals möglichen. Schlagende Argumente für die chronisch nach Verringerung der Montagezeiten trachtende Automobilindustrie.
Doch nicht nur die wieder gewonnene Stärke verhalf dem Elektroschrauber zu seinem erneuten Siegeszug. Dafür gibt es noch 9001 weitere Gründe. Die Qualitätssicherung verlangt nach der Überwachung und Dokumentation von mehr und mehr Schraubverbindungen. Zum einen lassen sich die Schraubparameter beim Elektroschrauber direkter erfassen, zum anderen können diese Schrauber, wie es die Schweden erfolgreich vorexerziert haben, mit einer eigenen Internetadresse versehen, per Ethernet vernetzt und damit direkt in ein umfangreiches Qualitätssicherungssystem eingebunden werden. So sind moderne Montagelinien für Automobile heute wieder weit gehend Druckluftfrei. Und selbst bei nicht dokumentationspflichtigen Verbindungen beginnen die Elektrischen, diesmal sogar ohne Kabel, der Druckluft den Schlauch abzudrehen, wie Sie in der Juni-Ausgabe unseres Schwestermagazins Handling (Seite 40ff) nachlesen können.
Luft und Strom Kopf an Kopf
Doch die wieder gewonnene Dominanz der Elektrowerkzeuge über die Druckluftwerkzeuge an den Automobil-Montagelinien der Welt ist eher die Ausnahme. Nach wie vor ist die Druckluft der Energieträger der Wahl: Rückstoßfreie Niet- und Meißelhämmer, leichte, handliche Bohrmaschinen oder genaue weil zweistufig anziehende Impulsschrauber können sich mit einer Reihe von Vorteilen gegenüber dem klaren Preisvorteil der elektrischen Konkurrenz behaupten.
So zeichnen sich auch die gelben Druckluftschleifer aus Schweden durch Leistungsgewicht, Drehzahlverhalten bei Belastung und geringe Reparaturanfälligkeit aus. Bei den Geräten mit Düsenantrieb fallen die Gewichtsvorteile besonders ins Gewicht. Nur halb so schwer wie die elektrische Konkurrenz bringen sie darüber hinaus noch mehr Leistung auf den Schleifteller. Und selbst bei den Kosten kommen zumindest Einkäufer mit Weitblick für die Gesamtwirtschaftlichkeit ernsthaft ins Grübeln. Nach wie vor ist also das Rennen Druckluft-Elektro nicht eindeutig entschieden. Ein aktueller Vergleich kann bares Geld sparen, ebenso wie ein Partner, der das Beste aus beiden Welten bieten kann.
Matthias Meier

Links: http://www.atlascopco.com

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