Wirtschaft + Unternehmen

Immer weniger Kreditinstitute, immer weniger Bankstellen

Das Kreditgewerbe ist im Umbruch, das ist fast täglich den Headlines der Tageszeitungen zu entnehmen. Deutsche Bank verhandelt mit Dresdner Bank, Commerzbank verhandelt mit Dresdner Bank, die privaten Banken legen sich mit den Landesbanken in Brüssel an, immer wieder ist einerseits die Rede vom Global Player oder andererseits vom Nischen-Anbieter.

Der Bankkunde, der eigentlich letztlich alles mit seinen Verhaltensweisen bewirkt, ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war. Für einige wenige Punkte mehr Zins bringt er sein Geld zu einem anderen Institut, obwohl er bei seiner ¿Hausbank¿ seit Jahrzehnten im Geschäft ist. Das Hausbanken-Prinzip löst sich also auf, der Kunde sucht sich dort seine Dienstleistung, wo sie preisgünstig ist oder wo möglicherweise die Öffnungszeiten, wie im Internet, unendlich sind.

Unter dem Druck der Kosten

Auch die erwachte Aktienliebe der Deutschen ¿ kristallisiert um die T-Aktie und deren nicht zu verleugnende Kurs-Anfangserfolge ¿ nicht zu vergessen auch der ständig zunehmende Reichtum, haben das Investmentbanking, das Vermögensverwaltungs-Geschäft und viele andere Leistungen stärker in den Fokus der Bank-Dienstleistungsanbieter gerückt. Neue Konkurrenten tun sich auf, zum Beispiel mit den Discount-Brokern, die gute Konditionen aber keine Beratung bieten. Für den reifen Anleger sicher kein Beinbruch, für den nachwachsenden Jung-Aktienprofi jedoch sicher, auch wenn er es oft gar nicht bemerkt, da er nicht weiß, dass nicht nur früher, sondern auch heute noch Institute beratende Dienstleistungen anbieten, die ihr Geld wert sind und darum dann auch eine gewisse Provisionshöhe verlangen.

All diese Umwälzungen bewirken naturgemäß Maßnahmen auf Seiten der Banken, um die Kosten im Griff zu behalten und sich andererseits im sich ständig verändernden Markt wieder erfolgversprechend neu zu positionieren.
Hierzu nur ein paar nüchterne statistische Zahlen, die jedoch das ganze Ausmaß der strukturellen Veränderungen im deutschen Kreditgewerbe aufzeigen: Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht in ihren Beiheften regelmäßig Statistiken, hier herausgegriffen die Bankenstatistik Juli 2000, die Zahl der Kreditinstitute und ihrer Zweigstellen. Darin sind zwar, wie aus den Fußnoten ersichtlich ist, einige Verwerfungen mitenthalten, doch kommt das Ausmaß der Strukturveränderungen deutlich heraus. Am eklatantesten fällt der ¿Schrumpfungsprozess¿ bei der Zahl der Kreditinstitute ins Auge, die seit Beginn der Statistik im Jahre 1957 bis 1999 quasi ständig zurückgegangen ist.
Etwas anders liegt der Fall bei der Zahl der Zweigstellen in Deutschland, auch wenn eine Korrektur der Bestände im Jahre 1990 und das Hinzukommen der neuen Bundesländer berücksichtigt wird. Die Zahl der Zweigstellen und auch der Bankstellen hat sich bis in die 80er Jahre hinein noch ständig erhöht. Von 1957 bis 1967 hatte sich die Zahl der Zweigstellen in Deutschland mehr als verdoppelt; damals war das Gewerbe darangegangen, über diese vielen Saugnäpfe die Gelder des kleinen Mannes anzuzapfen und Lohn- und Gehaltskonten anzubieten. In den letzten Jahren haben der zunehmende Wettbewerbsdruck und die explodierenden Kosten im Personalbereich und auch bei den Sachkosten, einen scharfen ¿Kontroll-Besen¿ verursacht.
Die Zahl der Zweigstellen lag 1992 noch bei über 49 000, 1999 auf in etwa vergleichbarer Basis, also ohne die rund 14 000 Postbank-Zweigstellen, nur noch bei 44 400. Ähnlich abwärts gerichtet war dann die Entwicklung der gesamten Bankstellen. Die letzten drei Spalten ¿Veränderung gegenüber dem Vorjahr¿ zeigt für die letzten Jahre nur Minuszahlen.

Banken folgen den Exporten

Ein Blick in eine andere Statistik der Bundesbank lässt erkennen, dass bei den Sparkassen alleine die Zahl der Bankstellen in den letzten drei Jahren von 19 349 auf 18 245 zurück gegangen ist, bei den Kreditgenossenschaften von 19 180 auf 17 828 und bei den Kreditbanken von 7 403 auf 7 182. Nicht verwundern kann hingegen, dass im Ausland die deutschen Kreditinstitute noch recht aktiv und expansiv agierten, schließlich folgen sie mit ihren Dienstleistungen der exportierenden deutschen Wirtschaft. Die Zahl der Auslandszweigstellen deutscher Banken und auch der Auslandstöchter deutscher Banken ist ständig gestiegen. Die deutsche Wirtschaft wird also im Ausland von ¿ihren¿ Banken begleitet.

Der Service auf diesem Gebiet hat zugenommen. Die bisher noch weiterhin abnehmende Zahl von Bankstellen hierzulande dürfte hinsichtlich der Versorgung der Bevölkerung mit Bankdienstleistungen keineswegs bedenklich sein. Schließlich war Deutschland hoffnungslos ¿overbanked¿ oder ist es sogar heute immer noch. Im Vergleich mit anderen großen Flächenstaaten ist die Zahl der Zweigstellen pro tausend Einwohner noch immer ausgesprochen hoch. Andererseits stehen den Bankkunden inzwischen andere, neuartige elektronische Möglichkeiten zur Verfügung, sich entsprechende Finanzdienstleistungen einzukaufen. Auch dringen immer mehr Nicht-Banken in das Geschäft der Finanzdienstleistungen hinein, so dass für Geschäftskunden, Sparer oder Anleger in Deutschland keineswegs Dienstleistungsengpässe bestehen oder entstehen.

Bruno Hidding

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