Wirtschaft + Unternehmen

Immer im Fluss

Beim Aufbau logistischer Systeme spielt die Wahl der Verpackung eine wichtige Rolle. Einweg oder Mehrweg? Was passt besser? Dort, wo die Entscheidung auf ein Mehrwegsystem fällt, gilt es, sich Partner zu suchen. Neben den Herstellern von Mehrweg-Transportverpackungen kommen dazu Anbieter von Dienstleistungen rund um die Mehrweglogistik in Frage.

Wer wirft beim Thema Ökologie mehr positive Argumente in die Waagschale ¿ Mehrweg oder Einweg? Eine klare Antwort auf die Frage gibt es noch immer nicht. Doch inzwischen haben sich die Verfechter beider Systeme etwas beruhigt. Die Wogen, die in Diskussionen über das Für und Wider hoch schäumten, haben sich zumindest teilweise geglättet.

Es kommt eben ¿ wie so oft ¿ ganz darauf an, was man mit der Verpackung vor hat, wie sich die jeweilige Variante in den internen und externen logistischen Prozess einbinden lässt. Erst dann kann das vergleichende Rechnen beginnen um der Entscheidung für eines der Verpackungssysteme den letzten Kick zu geben.

Eine Frage der Menge
Ein Produzent, der innerhalb seiner Fertigung Teile von einem Fertigungsschritt zum anderen transportieren muss, tut wahrscheinlich gut daran, dafür die Mehrweg-Variante zu wählen. Auch viele der regelmäßigen Just-in-time-Transporte vom Zulieferer zum Autobauer fahren mit den Mehrweg-Verpackungen günstig. Gerade in der Kraftfahrzeugbranche hat sich der Kleinlast-Träger (KLT) als erfolgreiches Transportverpackungs-Modell erwiesen. Deshalb ergreift der Verband der deutschen Automobilhersteller schon mal die Initiative, fordert die Hersteller der Mehrweg-Boxen auf, diese zu optimieren, stellt Forderungen an Design sowie Funktion und arbeitet bei der Neuentwicklung der Behälter aktiv mit.

Wie häufig es solche Neuentwicklungen auf Kundenwunsch gibt, hängt von der Menge der zu fertigenden Transportbehälter und dem Fertigungsverfahren ab. ¿Bei uns entscheidet die Menge der erforderlichen Behälter, ob sich für die Kunden und für uns die Entwicklung eines neuen Typs lohnt.¿ Johann Schlämmer, Key Account Manager Süddeutschland beim Mehrweg-Systemhersteller Arca Systems, präzisiert damit das Angebot seines Hauses, das den Kunden speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Lösungen offeriert. Im Falle der spritzgegossenen Kleinlast-Träger war es keine Frage: Bei den zu erwartenden Stückzahlen rechnen sich Konstruktion und Bau neuer Formen auf alle Fälle.

Standards gibt¿s nicht
Anders bei Kundenaufträgen, die mit den Stückzahlen weit unter der Wirtschaftlichkeits-Grenze bleiben. Für eine im Spritzguss hergestellte, nach Kundenwunsch entwickelte Box müssten deren Hersteller enorme Summen in Rechnung stellen, die kaum ein Kunde bereit wäre zu zahlen. Damit die Auftraggeber nicht leer ausgehen und sich enttäuscht von ihren Lieferanten abwenden, offerieren die ihnen andere Wege. ¿Da wir eine reine Spritzgießfertigung haben, empfehlen wir in diesem Fall unsere Partnerfirmen weiter, die andere Fertigungsverfahren anzubieten haben¿, erklärt der Verkaufmanager das Vorgehen des norddeutschen Boxen-Bauers.

Das sollte allerdings nicht allzu häufig vorkommen. In der Regel ist das Produktprogramm der Anbieter von Mehrwegbehältern überaus beachtlich. Einige von ihnen ergreifen von sich aus die Initiative, nehmen die Bedürfnisse ganz bestimmter Branchen oder Branchensegmente ins Visier und entwickeln im Vorfeld brachenspezifische Systeme. Gleichgültig wie: Unter den angebotenen Behältertypen lässt sich meist eine geeignete Lösung für die spezifischen Anwendungen finden, ohne dass eine Neuentwicklung ins Auge gefasst werden müsste.

Trotzdem verlassen nur sehr selten Standardversionen der Kunststoffbehälter die Werke. Schlämmer: ¿Angefangen beim Aufdruck bis hin zu Bohrungen oder anderen nachträglich fertigbaren Variationen erhalten unsere Kunden eine ganz allein auf ihre Wünsche und logistischen Anforderungen abgestimmte Behältervariante.¿ Bis es allerdings so weit kommt, haben die Mehrweg-Systemanbieter und ihre Kunden mehr als nur ein paar Bestell- und Bestätigungsschreiben gewechselt.

Das Ganze steht und fällt mit einem für beide Seiten aufschlussreichen Beratungsgespräch. Mit dem Metier vertraute Außendienstmitarbeiter fragen alles ab, was für die spezifisch auf den Einsatz optimierte Behälterwahl notwendig ist. Was soll transportiert werden? Müssen die Behälter bestimmte Maße aufweisen? Wie werden sie befüllt oder geleert? Laufen sie über Förderanlagen? Wenn ja, wie sehen die aus?

Faltbar oder nicht, mit Deckel oder offen: Es gibt vieles zu klären, bis der Lieferauftrag steht. Vor allem dann, wenn die Unternehmen miteinander neu ins Geschäft kommen, wenn die Umstellung von Einweg auf Mehrweg geplant ist oder wenn ein Lagerneubau ansteht. ¿Solche Projektgespräche ziehen sich über einen gewissen Zeitraum hin¿, bestätigt Johann Schlämmer. ¿Es geht schließlich nicht nur um Behältertypen. Es geht um den Aufbau eines optimalen Mehrwegsystems.¿

Optimale Logistik
Es geht um Definition und Entwicklung eines optimalen logistischen Ablaufs - intern und extern. Mit ein Grund, warum sich die Behälterhersteller Kooperationspartner auf Seiten der Logistikdienstleister suchen. Jene treten dann oftmals als Poolbetreiber auf und bieten eigene - vom Partnerunternehmen hergestellte - Mehrweg-Boxen den Kunden an, erarbeiten ein auf die Kundewünsche abgestimmtes Logistikkonzept und übernehmen die Organisation. Unternehmen wie Comepack gehen sogar noch weiter: Sie planen und organisieren für ihre Kunden, selbst wenn keiner ihrer eigenen Behälter zum Einsatz kommt.

Ein weiteres Angebot der Dienstleister erleichtert darüber hinaus die Entscheidung für das Mehrwegsystem: Reinigen, Lagern, Verwalten und Verteilen der Behälter ist ihre Sache.

Claudia Treffert / September 2000


Links: http://www.arcasys.com, http://www.comepack.de, http://www.ssi-schaefer.de, http://www.georgutz.com, http://www.faltbox.de

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

80 Prozent B2B-Umsatz

Conrad wächst weiter

Conrad Electronic erwirtschaftet mittlerweile 80% seines Umsatzes mit Geschäftskunden und hat sich erfolgreich vom klassischen Technikhändler zur B2B-Beschaffungsplattform entwickelt. Das Unternehmen will Europas führende Beschaffungsplattform für...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren