Polymerlager im Härtetest

Plastinierter Kleinwagen reist um die Welt

Igus will die Belastbarkeit und das Potenzial von Spezialkunststoffen unter Beweis zu stellen: Nach wochenlanger Werkstattarbeit startete am Montag ein an der Fachhochschule Köln umgerüsteter Kleinwagen auf seine Welttour.

Momentan noch eine Bildmontage, bald tatsächlich auf indischen Straßen unterwegs: Der iglidur-Kleinwagen.

Reibungsarmer Trockenlauf ist die moderne Lösung für eine Vielzahl von bewegten Anwendungen. Igus forscht deshalb seit Jahrzehnten auf dem Gebiet im hauseigenen und branchengrößten Testlabor, um die eigenen Produkte ständig weiter zu verbessern. Um zu beweisen, was die getestete und millionenfach eingesetzte innovative Kunststofftechnologie heute zu leisten vermag, haben sich die Kölner dazu entschlossen, einen Kleinwagen mit Iglidur-Komponenten auf eine strapaziöse Weltreise über Asphalt-, Schotter- und Schlamm-Pisten auf vier Kontinenten zu schicken. Dort soll er den Leitspruch des Unternehmens 'plastics for longer life' global verbreiten.

Der offizielle Startschuss für die Reise fiel am Montag am Hauptstandort von Igus in Köln. Als erste Station wird der Kleinwagen nun nach Indien reisen, wo er auf der Messe Auto Expo ausgestellt wird. Im Anschluss daran reist er nach China, wo er einen Monat lang zu verschiedenen Zielen im Land fahren wird. Mit Japan, Südkorea und Taiwan folgen danach weitere Länder im asiatischen Raum, bevor die Überführung nach Amerika ansteht. Dort ist unter anderem eine Etappe von Küste zu Küste quer durch Kanada und die USA geplant. Im Anschluss steht Europa auf dem Tourplan, wo ebenfalls verschiedene Kunden, Messen und Igus-Niederlassungen besucht werden. Jede Station und jeder Kilometer können im Detail auf "blog.igus.de/iglidurontour" mit- und nachverfolgt werden.

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Die Umbaumaßnahmen: Die "Plastination" des Kleinwagens
Voraussetzung für den ambitionierten Praxistest war die Umrüstung des Autos durch ein Team der Fachhochschule Köln unter Leitung von Johannes Thomé und dem Gleitlager-Entwickler Michael Krug. Dabei galt das Prinzip, alles durch Kunststoffe der Kölner zu ersetzen, was technisch und gemäß den TÜV-Vorschriften möglich ist. Die Metalllager am Bremspedal, beim Scheibenwischer und Fensterheber, im Schaltmodul, in der Sitzkonsole, an der Handbremse, am Startgenerator, an der Drosselklappe und beim Verdeck wurden durch reine Polymerlager ersetzt. Viele Module mussten bis in die Einzelteile zerlegt und wieder werks- und funktionsgetreu zusammengebaut werden. Häufig konnten Standard-Gleitlager verwendet werden. Zum Teil mussten aber auch mit CAD-Modellen passgenaue Ersatzstücke erarbeitet und dann aus Iglidur-Halbzeug die entsprechenden Komponenten gefräst oder gedreht werden. Eine Reihe der 45 unterschiedlichen Iglidur-Katalogwerkstoffe sind dabei zum Einsatz gekommen. An insgesamt 56 Lagerstellen wurden Hochleistungskunststoffe des Herstellers verbaut. Selbst auf die optische Gleichartigkeit wurde dabei wie im Fall der Sitzarretierung geachtet. Alle Modifikationen am Kleinwagen sind nun erfolgreich abgeschlossen. Das Team aus Fahrzeugtechnikern und Kunststoffentwicklern freut sich darauf, das Ergebnis ihrer Arbeit "vom Stapel" in die Welt zu lassen.

Immer mehr Hersteller entdecken die Qualitäten kostengünstiger und leistungsstarker Komponenten aus Tribopolymeren. 'motion plastics' werden in zahlreichen Modulen eingesetzt, von Sitz- und Verdecksystemen über Mehrlenkerscharniere und Komponenten im Motorraum bis hin zu Fahrwerksanwendungen. Dieser Trend wird sich in der Zukunft noch verstärken. Denn Kunststofflager, die keine externe Schmierung benötigen, wartungs- und korrosionsfrei und zudem siebenmal leichter als metallisch gerollte Lager sind, sprechen für sich. Sie schonen die Umwelt und das Budget, da sie die Produktionskosten verringern und aufgrund ihrer Verschleißfestigkeit die Lebensdauer erhöhen. Im Innenraum eignen sie sich hervorragend, um Geräuschentwicklungen zu dämpfen. Ihre Robustheit und Belastbarkeit prädestinieren sie aber gleichermaßen für den "Außeneinsatz", was nicht zuletzt der Einsatz bei Wind und Wetter, Höhenkilometer und Straßenverhältnisse auf der Reise erweisen wird. Das Feld der Anwendungsmöglichkeiten ist bei weitem noch nicht abgesteckt, vielleicht wird die Demonstrationsfahrt des Kunststoff-Kleinwagens über den Globus noch manchen Entwickler zu interessanten Ideen und neuen Konzepten anregen. jg

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