Wirtschaft + Unternehmen

Hinter Schloß und Riegel

Wer ein Lager für seine Gefahrstoffe baut, kann was erleben. Die üblichen Masse- und Zeit-Maßstäbe der Logistik sind außer Kraft gesetzt: Viel, schnell, hoch und just-in-time stehen im Abseits. Sicherheit, Ökologie und die Umweltschutz-Gesetze mit ihren Verordnungen dominieren das Geschehen. Hilfreich, wenn einem dabei spezialisierte Lagerbauer mit Tat und vor allem Rat unter die Arme greifen. SCOPE hat den Markt nach Anbietern durchforstet, die mehr drauf haben, als nur das Parken von Containern.
Eigentlich ist die Geschichte ganz simpel. Wer ein Gefahrstofflager bauen will, dem weist das Umweltrecht den Weg: Das Wasserhaushalts-Gesetz zum Beispiel: ¿Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen müssen so beschaffen sein, eingebaut, aufgestellt, unterhalten und betrieben werden, daß eine Verunreinigung der Gewässer oder eine sonstige nachteilige Veränderung ihrer Eigenschaften nicht zu besorgen ist.¿ Klare Sache.

Denkste. Das praktische ¿Wie¿ nämlich regelt eine Flut von weiteren Gesetzeswerken sowie Verordnungen und Richtlinien aus Gewerbe-, Chemiekalien- und Abfallrecht. Da kommen etwa die Verordnung zum Umgang mit brennbaren Flüssigkeiten zum Tragen oder die Technischen Regeln für brennbare Flüssigkeiten sowie die Gefahrstoff-Verordnung und die Technischen Regeln für gefährliche Stoffe ¿ um nur einige zu nennen. Und zur Freude aller sind ¿insbesondere die landesgesetzlichen Regelungen durch eine Fülle von Verwaltungsvorschriften, Richtlinien und Ministerialerlaße weiter differenziert und spezialisiert¿, so der Mönchengladbacher Lagerbauer Paul Wolff. Im Alltag kocht also jedes Bundesland ein anderes Süppchen. Gleiches gilt für Baugenehmigungen und ¿ im Fall der Gefahrstofflager ganz wichtig ¿ die einschlägigen Brandschutz-Richtlinien. Betriebe, deren Anlagen dem Bundesimmissions-Schutzgesetz (BImSchG) unterliegen, müssen schließlich auch dieses übergeordnete Gesetzeswerk im Auge behalten.

Bauen und beraten
Beim Rutenlauf durch die Instanzen der deutschen Umweltbürokratie kann es daher nicht schaden, einen zuverlässigen Lagerbauer an seiner Seite zu wissen. Denn: Für die Einhaltung aller gesetzlichen Regeln steht letzthin immer der Betreiber gerade ¿ also Sie! Ein Anbieter, der Ihnen schnell und billig eine Blechhütte aufs Gelände karrt, hilft da herzlich wenig. Die Lagerbauer müssen hier Hersteller und Dienstleister in einem sein. Die Kompetenz eines verantwortungsvollen Anbieters dokumentiert sich in bauartgeprüften und gesetzeskonformen Produkten, lückenloser Beratung, professioneller Projektierung und partnerschaftlicher Planung, termingerechter Bauausführung und eben der Schützenhilfe bei Genehmigungsverfahren. Gerade im Umgang mit den Behörden und in der praktischen Umsetzung der Gesetze kennt sich mancher Lagerbauer besser aus als der betriebliche Umweltbeauftragte. Oder wissen Sie beispielsweise, welche Gifte zusammengelagert werden dürfen und welche nicht? Oder wie gefährlich Ihre Umweltgifte wirklich sind? Brennen sie oder brennen sie nicht? Die Antworten entscheiden über die Auslegung Ihres Gefahrstofflagers. Und nicht nur in Kleinbetrieben herrscht da enormer Klärungsbedarf.

Die Bad Oeynhausener Umweltfirma P&D-Systemtechnik, mit 120 Mitarbeitern einer der Großen der Branche, hat dieses Problem erkannt. Schon seit geraumer Zeit macht sie ihren Kunden deshalb das Komplettangebot eines schlüsselfertigen Gefahrstofflagers. Dabei reicht das Leistungsspektrum von der ersten Anfrage bis zur behördlichen Abnahme. Die Umweltexperten beraten, entwickeln, planen und führen sämtliche Baumaßnahmen aus ¿ inklusive des eigenverantwortlichen ¿Behörden-Engineerings¿. Vertriebsleiter Hans-Olaf Friedrichs betont, daß ¿die Bekanntheit des Unternehmens bei den Behörden der zügigen Genehmigung entgegenkommt¿. Mit drei bis sechs Monaten müssen Sie da übrigens rechnen (BImSchG-Verfahren).

Die Referenzliste der Bad Oeynhausener zeigt, daß Erfahrungen mit den Umweltproblemen fast aller Industriezweige vorliegen. Und der Blick in das Gesamtprogramm läßt vermuten, daß sie tatsächlich für beinahe jede Situation eine passende Lagerlösung parat haben dürften. Angeboten werden schlichte Auffangwannen und Gefahrstoff-Container für den kleinen und mittleren Bedarf sowie Lager- und Depotsysteme für große Mengen an Tonnen und Fässern. Wenn nötig, entwickeln die Ingenieure des Unternehmens maßgeschneiderte Lösungen für heikle Fälle ¿ etwa, wenn besonders temperatursensible Substanzen in Wärmekammern unterzubringen sind. Und oft verlangt der Gesetzgeber eben auch Löschmittel- und Ablufteinrichtungen. Wichtig, weil es nicht alle bieten: P&D übernimmt sowohl die Stahl- als auch die Betonarbeiten. Wer nicht nur Container stapeln will, sondern ein feuerfestes Lager mit Fundament und Mauerwerk benötigt, weiß das zu schätzen.

Auch von Protectoplus in Vlotho ist bekannt, daß man weitaus mehr leistet als ¿nur¿ Gefahrstofflager zu konstruieren und zu entwickeln. Nach einer intensiven Beratung greift das Unternehmen den Kunden sowohl bei Bestandsaufnahme als auch bei Planung und Genehmigungsverfahren unter die Arme. Geschäftsführer Klaus Brinkmann betont, daß man darüber hinaus ¿die Bauleitung koordiniert und die spätere Wartung der Anlagen übernimmt¿.

Immerhin 600 verschiedene Gefahrstofflager hat das Unternehmen bislang in die Industrielandschaft gestellt. Wie die meisten der Branche arbeitet es größtenteils mit Fertigbauteilen und Baukastensystemen, wobei Stahl, Beton, Polymerbeton und Kunststoff verwendet werden. Welche Materialien zum Einsatz kommen, entscheidet sich nach Gefährlichkeit und Menge der anfallenden Giftstoffe sowie nach dem baulichen Umfeld des künftigen Lagers. Je nach Bedarfslage entstehen aus stählernen Regalcontainern sowie Dach- und Bodenmodulen komplette und befahrbare Lager oder man konzipiert feuerbeständige Betonbauten mit den vom Gesetzgeber vorgesehen Sicherheitskomponenten: Ex-geschützte Abluftanlagen, Blitzschutz, selbstschließenden Feuerschutztüren und Löschanlagen.

Ein ebenfalls sehr umfassendes Programm bieten die Lagerbauer von Aquaprotect in Warstein. Die sechsköpfige Ingenieurgesellschaft kooperiert mit drei Stahlbaufirmen, zwei Betonteile-Herstellern und mehreren Kunststoffbetrieben. Sie sieht sich laut Geschäftsführer Dietmar Becher als ¿innovativer Problemlöser¿ und gehörte zu den ersten im Markt, die die Prinzipien der Gefahrstoffzelle aus Beton und der energiesparenden natürlichen Belüftung in ihren Projekten konsequent umsetzte. Heute findet sich in der Referenzmappe der Warsteiner von mehrgeschoßigen Bühnenanlagen für Kleingebinde (!) über mobile Gefahrstoff-Regalcontainer bis zu feuerbeständigen Depots eine Fülle maßgeschneiderter Lösungen mit oft sehr eigenständigem Charakter. Auch das Leistungsspektrum von Aquaprotect reicht von der ersten Beratung über die komplette Bauausführung und Genehmigungsprozedur bis hin zur schlüsselfertigen Übergabe der Lager.

Beton brennt nicht
Wer ein Lager benötigt, in dem ¿nur¿ wassergefährdende Substanzen untergebracht werden sollen, ist mit Stahlbauten in der Regel gut bedient. Wer aber brennbare Stoffe lagern muß, der kommt um Beton meist nicht herum. Zumal, wenn das künftige Giftdepot in unmittelbarer Nähe anderer Gebäude liegt und der von den Brandschutz-Richtlinien vorgesehene Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann.

Ein Lagerbauer, der sich mit Gefahrstoff-Depots aus Beton besonders gut auskennt, ist das Unternehmen Paul Wolff. Die Mönchengladbacher realisieren vorwiegend Sicherheits-Lagerhäuser, deren äußere Hüllen und Auffangwannen aus Stahlbeton der höchsten Feuerwiderstands-Klasse bestehen. Nur für die selbstschließenden Feuerschutz-Tore und für den Innenausbau kommt Stahl zum Einsatz.

Die Betondepots werden in verschiedenen Varianten erstellt und lassen sich auch zu großen, befahrbaren Lagereinheiten koppeln. Da sie oft besonders brisante Stoffe beinhalten, sind sie mit Potentialausgleich, Blitzschutz, ABC-Feuerlöscher, Brandmelde- und Löschanlage sowie Türfeststeller und ex-geschützter Lichtanlage, Lüftung und Elektrifizierung ausgestattet. Paul Wolff gibt seinen Kunden umfangreiches Info-Material und ein dickes Sicherheitsexpose in die Hand. Außerdem legt er gemeinsam mit den Betreibern einen sogenannten Serviceordner an, in dem die relevanten Zulassungs-, Revisions- und Genehmigungsunterlagen für die Lageranlage zusammengefaßt sind. Das erleichtert den sicheren Umgang mit Lager und Gefahrstoffen und vereinfacht Prüf- und Zulassungsverfahren.

Kein ¿Gewinn¿
Wer ein stationäres Gefahrstofflager plant, der muß sein Gewinn-Denken zurechtrücken. Denn eine produktive Einrichtung ist so ein Lager bestimmt nicht. Einen ¿Gewinn¿ in Heller und Pfennig wirft es erst ab, wenn es Ihnen etwaige Bußgelder erspart und Sie im Ernstfall vor größerem Schaden bewahrt.

In der Praxis führt allerdings das Berechnen der Dimensionen eines künftiges Lagers oft zum kritischen Überprüfen der anfallenden Gefahrstoffmengen im Betrieb. Viele Unternehmen nehmen das zum Anlaß, den Einsatz ihrer Betriebsmittel zu überdenken, auf weniger gefährliche Stoffe umzustellen oder gar zu reduzieren. Unterm Strich kann auch das Umweltlager dann oft viel kleiner und kostengüstiger ausgelegt werden als ursprünglich geplant.

Michael Stöcker / Oktober 1997

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