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Gipfelstürmer am Drahtseil
Es wird uns wahrlich leicht gemacht. Wo die Väter unserer Väter mit geschulterten Brettern in mühsamer Kraxelei den Berg erklimmen mussten, nehmen wir heute gemütlich Platz auf gepolsterten Sitzen ¿ und können das Alpenpanorama in vollen Zügen genießen. Denn wo immer es sich auf der Welt lohnt, verschneite Höhen zu erklimmen, um sich anschließend in mehr oder weniger eleganten Schwüngen gen Tal zu stürzen, da befreit uns eine Seilbahn von der Last des Aufstiegs.
Dabei schenkt uns das Verlangen zu vergnüglichem Zeitvertreib offenbar großes Vertrauen in die Technik. An einem Endlos-Drahtseil hängend und von mächtigen Hydraulikkräften bewegt, zieht es uns mit Geschwindigkeiten von bis zehn Metern pro Sekunde dutzendweise in die Höhe. In wenigen Minuten überwinden wir viele hundert Meter Höhendifferenz, schweben über Tälern, vorbei an stählernem Stützwerk, um dann ¿ sanft abgebremst und ausgekuppelt ¿ den Sesseln oder Kabinen zu entsteigen.
Fernab aller schneeweißen Urlaubsvergnügen entstand nun am Neuenburger Seeufer anlässlich der Schweizer Expo.02 ¿ einer eidgenössischen Wirtschafts- und Kulturschau ¿ eine ganz besondere Art von Bergbahn. Um eine schnelle Verkehrsverbindung zwischen Ausstellungsplattform, Bahnhof und Universität zu schaffen, realisierte der schweizerische Bergbahn-Spezialist Garaventa eine unterirdische Standseilbahn mit Niveauausgleich. Die Strecke schlängelt sich über 358 Meter unter Grundwasserspiegel, Häusern und Straßen entlang. Zu überwinden sind gerade mal 46 Höhenmeter, die haben es allerdings in sich. Da nämlich der Tunnel aus Kostengrünen nur im Tagebau realisiert werden konnte, kam die seilbahntechnisch wünschenswerte gerade Streckenführung nicht in Frage. So geht es in leichten Kurven berg- und talwärts, was besondere Anforderungen an die Bodenkonstruktion der Stahlseil-Führung stellte.
Außerdem durfte die Neigung der Kabinen mit Rücksicht auf ältere und behinderte Passagiere nicht mehr als sechs Prozent betragen. Aus diesem Grund entschlossen sich die Ingenieure, die zwei entgegengesetzt laufenden Wagen (126 Plätze) in Züge von je vier Zellen aufzuteilen, die von einem gemeinsamen Chassis getragen werden. Da aber jede Zelle im Chassis schwenkbar gelagert ist, lässt sie sich mit einer Neigungssteuerung während der Fahrt in Horizontallage halten. Und das bei Steigungen von bis 35 Prozent!
Weitere Besonderheit: Der Antrieb für das Zugseil befindet sich in diesem Fall im Tal und nicht am Berg. Dabei handelt es sich um einen frequenz-gesteuerten Asynchronmotor mit einer Nennleistung von 800 Kilowatt, der über eine speicherprogrammierbare Steuerung geregelt wird. Die Fahrbefehle erfolgen automatisch nach einem Taktfahrplan alle drei, sechs oder zehn Minuten.
Der Hersteller dieser außergewöhnlichen Seilbahnlösung zählt zu den führenden Anbietern der Branche. Er installiert weltweit Gondelbahnen, Sessel- und Skilifte in allen Leistungsklassen und Größenordnungen. Ebenfalls im Programm sind Treppenlifte für den öffentlichen und privaten Bereich, die körperbehinderten Menschen das Treppensteigen ersparen.
Michael Stöcker
Links: http://www.garaventa.com








