Wirtschaft + Unternehmen
Erfolgsrezept Spezialisierung
Mit fast 150 Firmen geben die Schweizer Hersteller von Werkzeugmaschinen und Werkzeugen auf der diesjährigen EMO ein starkes Gesamtbild ab. Im Vergleich der Länder ist das die viertgrößte Beteiligung hinter Deutschland, Japan und Italien. Die Branche zeigt sich selbstbewusst ¿ und hat auch allen Grund dazu. Technologisch gehören die Schweizer zur internationalen Spitzengruppe, das vergangene Jahr war überaus erfolgreich und selbst für 2001 rechnen die Hersteller laut Branchenverband Swissmem noch mit bis zu drei Prozent Umsatzwachstum.
Daniel Röschli, Ressortleiter der Fachgruppe Werkzeugmaschinen im Verband hebt allerdings den Zeigefinger: ¿Wir sehen schon jetzt einen Rückgang beim Auftragseingang für das zweite und dritte Quartal. Das Wachstum dürfte daher leicht abflachen.¿ Vor allem zwei weltwirtschaftliche Faktoren treiben den Schweizer Maschinenbauern die Sorgenfalten auf die Stirn: ¿Mit Spannung beobachten wir die Entwicklung der US-Wirtschaft und deren Auswirkungen auf den südostasiatischen Raum. Kopfzerbrechen bereitet uns zudem die desolate Finanzsituation Japans¿, so Röschli. Die skeptischen Blicke über den Teich teilen die eidgenössischen Unternehmen ¿ die Exportquote der Branche liegt bei durchschnittlich 85 Prozent (!) ¿ freilich mit ihren europäischen Wettbewerbern.
Das wichtigste Exportziel der Schweizer liegt allerdings nicht in Übersee, sondern beginnt schon am Bodensee. ¿Deutschland ist größter Abnehmer überhaupt und daher unser Hauptpartner im Export. Und von hieraus erreichen uns eher positive Signale, so dass die Geschäfte weiter auf recht hohem Niveau laufen dürften¿, erläutert Röschli. Die Grundstimmung in der Branche bezeichnet der Verbandsmann als ,,sehr gut¿ und ¿optimistisch¿. Lediglich das Problem der Kapazitätsengpässe bereite den Unternehmen Schwierigkeiten. Doch das sind ja eher ¿schöne Sorgen¿.
Große Erwartungen verknüpfen die Schweizer Unternehmen mit der EMO. Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die Hersteller von Schleifmaschinen. Sie sind mit 28 Firmen die bei weitem größte Ausstellergruppe ¿ vor den Anbietern von Bearbeitungszentren (14), Bohrmaschinen (13) und Drehmaschinen (12). Traditionell darf man von den Schweizern interessante Lösungen vor allem im Bereich hochspezialisierter Systeme erwarten, die weitestgehend maßgeschneidert sind für besondere Kundenwünsche. Diese extreme Kundenorientierung zeichnet die eidgenössischen Hersteller aus ¿ und bildet fast so etwas wie das Überlebensprinzip der Branche. Erkennbar wird das immer in schlechten Zeiten: ¿In Hochkonjunkturphasen, in denen im großen Stil Maschinen abgesetzt werden, die auf Masse getrimmt sind, ist der schweizerische Anteil an der Gesamtmenge eher klein. Sinkt jedoch der weltweite Absatz an Werkzeugmaschinen, so behaupten sich die Schweizer Hersteller meist gegen den Trend überdurchschnittlich gut. Das rechnen wir der Tatsache zu, dass unsere hochspezialisierten und hochpräzisen Technologien eben immer ihre Käufer finden ¿ auch in konjunkturell schwachen Perioden¿, erklärt Daniel Röschli von Swissmem.
So gesehen können die Schweizer Hersteller eigentlich guten Gewissens in die Zukunft blicken und brauchen die nächste Konjunkturdelle nicht zu fürchten. Zumal auch sie sich längst nicht mehr damit zufrieden geben, ¿nur¿ Maschinen zu bauen und zu verkaufen. Zusätzliche Dienstleistungen sind gefragt. Und werden geboten: Updates von Steuerungssoftware via Internet (Teleservice), umfassende Tool-Care-Systeme oder auch die bessere ¿ und durch die bilateralen Verträge mit der EU nun erleichterte ¿ Kundenbetreuung durch firmeneigene Monteure. Einziger Wehrmutstropfen: ¿Leider sind die Kunden nicht immer bereit diese zusätzlichen Dienstleistungen auch zu honorieren¿, ergänzt Röschli.
Ein wichtiges Thema, dass (nicht nur) die Schweizer zunehmend beschäftigen wird, ist die Verbesserung der Werkzeuge. Auch davon wird auf der EMO die Rede sein. Denn vor allem hinsichtlich von Hartmetall-Bearbeitung und Leichtbau fällt der Qualität der Werkzeuge große Bedeutung zu. Das Thema Hochleistungsbearbeitung beschäftigt unsere Nachbarn ebenfalls in wachsendem Maße. Um hier zu schnellen Ergebnissen zu kommen, wäre es allerdings dringend nötig, dass die vorwiegend mittelständischen Schweizer WZM-Hersteller ihre typische Einzelkämpfer-Mentalität ablegen. Denn wirkliche Fortschritte sind in diesem Sektor nur durch die intensive Zusammenarbeit zwischen Anwender, Werkzeughersteller, Maschinenbauer und Werkstoff-Spezialist zu erzielen.
Daniel Röschli berichtet außerdem, dass sich Swissmem auch verstärkt dem Thema Informationstechnik rund um die Werkzeugmaschine widmen wird, da die Branche noch erhebliches Entwicklungspotential auf diesem Gebiet sieht. ¿Prognosen gehen davon aus, dass Informatik und Kommunikationstechnologie zukünftig bis zu 60 Prozent und mehr zur Wertschöpfung beitragen werden. Um möglichst rasch Ergebnisse vorlegen zu können, knüpfen wir Technologie-Netzwerke zwischen der Industrie und den Hochschulen. Dabei werden die kreativen Ideen aus den Hochschulen in Arbeitskreisen in marktfähige Produkten gegossen¿, so der Verbrauchsmann.
Was aus der Schweiz zu hören ist, klingt für deutsche Ohren recht vertraut. Warum sollte es auch anders ein? Die Werkzeugmaschinen-Industrie der Schweiz ist ¿ technologisch betrachtet ¿ ein Teil Europas und ebenso Export orientiert wie der deutsche Wettbewerb. Die Hersteller stehen daher durchaus vor vergleichbaren Problemen. Man darf also gespannt sein, wer seine Hausaufgaben besser bewältigt. Erste Noten dürfen wir dann nach der EMO vergeben.
Michael Stöcker







