Wirtschaft + Unternehmen

Eligo: Langzeitstudie zur Berufsmotivation von Absolventinnen und Absolventen in IT und Technik

Im Hinblick auf das Führungspotenzial junger IT-Fachleute, Ingenieure und Techniker kommt die Studie zu einem eindeutigen Ergebnis: Es gibt immer weniger Personen mit Potenzial für Führungsnachwuchs, der Anteil dieses Typs nahm von 2003/4 bis 2010 von 26% auf 18% ab. Die Abnahme war bei den Männern stärker (von 29% zu 20%, also von der Basis 2003/4 ausgehend in 2010 über 31% weniger), was in etwa dem durchschnittlichen Verlauf aller Absolventen entspricht. Wegen des niedrigen Ausgangswertes bei Frauen nehmen die Führungskräfte-Anteile dort zwar weniger ab, sind aber mit nur noch 12% in 2010 ebenfalls sehr niedrig. Dazu passt, dass ¿Macht" als Anreiz entsprechend dem allgemeinen Trend immer unwichtiger wurde, wobei die Werte bei Männern (von 57% auf 48%) nicht so niedrig ausfallen wie bei Frauen (von 47% auf 33%). Dagegen wird die Familie für Frauen immer wichtiger (von 52 % auf 64%) und liegt jetzt bei dieser Gruppe deutlich über dem Durchschnitt. Bei Männern nahm die Bedeutung der Familie etwas ab (von 58% auf 55%).
Die Messung der Leistungspotentiale führte zu folgenden Ergebnissen: Die Problemlösebereitschaft hat bei Männern stark nachgelassen (53% zu 45%), bei Frauen blieb sie mit 46% zu 45% nahezu konstant. Die freie Kreativität hat dagegen bei beiden Geschlechtern im gleichen Maß (um 13%) zugenommen. Die Leistungsmotivation (der Wunsch, Besonderes zu leisten, besser zu sein als andere) ist im Feld IT und Technik deutlich niedriger als im allgemeinen Durchschnitt und hat noch dazu bei Männern geringfügig (von 37% auf 35%) und bei Frauen deutlich abgenommen (von 41% auf 35%). Der Typ mit extrinsischer Motivation (Arbeitet, um etwas zu erreichen) ist in diesen Fachgebieten häufiger als im Durchschnitt anzutreffen (43% zu 38%), bei Männern ist sein Anteil mit 44% auffallend hoch.
Bei den persönlichen Eigenschaften hat die Zuverlässigkeit bei Männern deutlich abgenommen (von 44% auf 35%), bei Frauen nahm sie hingegen zu (von 41% auf 46%). Der Wert Kontaktfreude sank bei Männern von 44% auf 38%, bei Frauen blieb er in etwa konstant (von 44% auf 42%). Die Ausprägungen der Kontaktfreude sind damit deutlich niedriger als im Durchschnitt. Die Teamorientierung hat bei beiden Geschlechtern stark nachgelassen, wobei die Abnahme bei Männern trotz des höheren Ausgangswertes mit 61% zu 56% deutlich geringer ausfiel als bei Frauen (58% zu 46%). Das Streben nach sozialer Akzeptanz hat dagegen bei Frauen stark zugenommen (von 55% auf 62%), bei Männern blieb es konstant (von 44% auf 45%). Die Tendenz, Misserfolge zu vermeiden, hat allerdings stark zugenommen: bei Männern von 39% auf 48%, bei Frauen sogar von 56% auf 67%. Diese Werte deuten auf eine abnehmende Risiko-Bereitschaft hin.
Im Hinblick auf die allgemeine Belastbarkeit der Absolvent/-innen im Feld IT und Technik stellte die Studie fest, dass die im Vergleich zu anderen Absolventen eher hohe Gelassenheit bei beiden Geschlechtern deutlich abgenommen hat (Männer: von 64% auf 59%, Frauen: von 45% auf nur noch 39%). Die Stressresistenz hat ebenfalls stark abgenommen, bei Männern von 51% auf 43% und bei Frauen von 46% auf aktuell 33%. Damit liegt dieser Wert jetzt sehr deutlich unter dem Durchschnitt. lg

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