Wirtschaft + Unternehmen

Bloß ein Zaun?

Wer Maschinen baut, kümmert sich ebenfalls um die Sicherheitstechnik. Das verlangen die Kunden ¿ meistens. Wobei sich niemand mit hemdsärmeligen Schutzmaßnahmen nach dem Motto: ¿Einfacher Schutzzaun, Schutzschalter, Blinklicht, fertig¿ zufrieden gibt. Zu Recht, denn so etwas findet vor den Augen der Berufsgenossenschaften bestimmt keine Gnade. Im Gegensatz zu vorschriftsgemäßen Umhausungen, die darüber hinaus die Bedürfnisse der Maschinenbediener berücksichtigen. Solche Aufbauten behindern nicht den Arbeitsablauf, sie werden vielmehr ihrer Schutzfunktion wirklich gerecht.
Der Rahmen senkt sich kontinuierlich. Als wäre er beim Landeanflug, fährt er auf seinem Weg nach unten die Vakuumgreifer aus, die ¿ sobald sie sich den gestapelten Kunststoffplatten nähern ¿ mit ihrer Arbeit beginnen. An den Greifern ¿klebend¿ schwebt eine der Platten nach oben, um dann in der daneben wartenden Thermoformmaschine zu verschwinden. Wir stehen derweil vor dem Schutzzaun und beobachten das gleichmäßige Zusammenspiel der Maschinen.

¿Für diesen Aufbau sind Schutzgitter zwingend vorgeschrieben¿, erklärt Oliver Beiner, Mitarbeiter beim Kunststoffverarbeiter Agoform, Löhne. Und nicht nur die. Denn als eine Weile später ein Arbeiter eine der Türen des Schutzgitters öffnet, um für Nachschub zu sorgen, stehen die Maschinen still ¿ ganz sicher. Nur durch findige Tricks könnte man sie in dem Moment wieder zum Arbeiten bewegen, weil Schutzschalter und Maschinensteuerung einen Riegel vorschieben.

Maschine plus . . .
List und Tücke braucht man auch beim Spritzgießer Merschbrock Kunststoff Spritzguß in Verl, um im laufenden Betrieb in den von Schutzgittern abgeschirmten Raum zu gelangen. Zwar ist die Spritzgießmaschine selbst vom Hersteller Engel mit den notwendigen Schutzvorrichtungen versehen. Doch die alleine reichen nicht. ¿Wegen der fehlenden Raumhöhe müssen wir mit geöffneter Tür fahren¿, begründet der Inhaber des Betriebs die besondere Absicherung. ¿Andernfalls hätten wir nicht automatisieren können.¿

Die raumfüllende Maschine produziert Tag und Nacht Armlehnen für die Möbelindustrie. Nach jedem Schuß entnimmt eine aus Profilen aufgebaute roboterähnliche Vorrichtung die Spritzlinge aus der Form und legt sie auf den bereitgestellten Paletten ab. Alles innerhalb des Schutzzauns, dessen Türen mit Schaltern abgesichert sind. Hier wie in Löhne, lieferte das im nahegelegenen Enger ansässige Unternehmen Novotec zur Maschine passend die Schutzummantelungen. Es baute sie aus Aluminiumprofilen und Verbindungselementen des Hauses Schüco, in beiden Fällen kombiniert mit glanzverzinktem Wellengitter. Teils sind es Standardmodule, teils kundenspezifische Komponenten (beispielsweise die leuchtendgelben, undurchsichtigen Verkleidungselemente, die im Werk auf ihre Montage rund um eine Maschine warten), aus denen vorschriftsgerechte Schutzverkleidungen entstehen.

Keine Kompromisse
Gerade auf letzteres legt Geschäftsfüh- rer Peter Gärtner größten Wert. ¿Unsere Schutzverkleidungen entsprechen ganz genau den gültigen rechtlichen Bestimmungen. Das hat sich bewährt, denn keiner unserer Kunden mußte nachträglich aufrüsten.¿

In der Angebotsphase für komplexe Objekte ziehen er und sein Team deshalb auch Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft zu Rate. Da kann es schon mal vorkommen, daß ein Konzept seines Hauses für den zu bauenden Schutzzaun von dem des potentiellen Kunden abweicht. Doch nach unten ¿nachbessern¿ steht für Gärtner nicht zur Debatte. Dagegen setzt er auf Beratung. Häufig mit dem Erfolg, daß der Kunde seine Ansprüche an die Schutzverkleidung höher schraubt. Das ist gut so. Denn bei der Sicherheit sollte es keine Kompromisse, kein ¿mit etwas weniger geht es ebensogut¿ geben. Weil sich am Ende die bestmöglichen Schutzvorrichtungen auszahlen ¿ mit weniger Arbeitsunfällen.

Schutz statt Gefahr
Ohne Frage beeinflußt der Faktor Mensch das Aussehen einer sinnvoll konzipierten Schutzummantelung am meisten. Daß sie während des Maschinenbetriebs jedweden außen vor hält, ist nur eine ihrer sicherheitsrelevanten Funktionen. Darüber hinaus sollte sie dem Bediener das Leben (die Arbeit) nicht allzu schwer machen. Andernfalls erfüllt sie ihre Funktion eher schlecht als recht. Wie oft werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um lästige Sicherheitsfunktionen auszuschalten oder zu überlisten, damit die notwendige Arbeit an den Maschinen leichter von der Hand gehen kann?

Dadurch kehrt sich der Schutz in ein Gefährdungspotential, das Arbeitsunfällen Tür und Tor öffnet. Schneller als gedacht passiert Unvorhergesehenes. Und der Bediener, der nur rasch nach dem Rechten sehen, eine Schraube anziehen oder den Nachschub bereitstellen wollte, kommt (im günstigsten Fall) mit dem Schrecken davon.

Bedienerfreundlich, montagefreundlich sollten folglich alle Sicherheitsabsperrungen ausgeführt sein. Die Tür am rechten Fleck, die Absperrung da, wo es Sinn macht. Damit es im Bedarfsfall schnell geht mit dem Palettenwechsel oder der Wartung. Auch die Position der Sicherheitsschalter und anderer Anbauten kommt hierbei mit ins Spiel. Sie gilt es so anzubringen, daß sie möglichst nicht auffallen und vor allem nicht stören. Andernfalls lassen Verletzungen nicht lange auf sich warten. Diese Erfahrung jedenfalls machte der Maschinenbauer und -umhauser aus Enger.

. . . und wirklich modular
Erfahrungen, die aus dem tagtäglichen Umgang mit der Sicherheitsproblematik herrühren. Denn ähnlich wie der Wettbewerb baut Novotec hauptsächlich Maschinen. Und nahezu jede Maschine, die den Betrieb verläßt, ist mit einem Schutzzaun oder einer -umhausung ausgestattet. Die Höhe der Absperrung und deren Form, wo welche Türen hinkommen, ob mit Scharnier oder besser mit Schiene, ergibt sich aus dem Gesamtaufbau, den räumlichen Gegebenheiten vor Ort und der Bedienungsweise, die während des Produktionsbetriebs beziehungsweise in den Pausen notwendig ist. Solches Know-how fließt selbstverständlich ebenfalls in die Konzeption von Schutzeinhausungen ein, die ohne Maschine den Betrieb verlassen.

Die Auswahl der zusätzlichen Sicherheits-Komponenten wie Schutzschalter, Lichtschranke, Signalhorn oder Blinklicht überlassen die Westfalen ihren Kunden. Sie integrieren die entsprechenden Elemente in die Gesamtkonstruktion, so daß sie ihre Funktion optimal erfüllen. Nahezu keine Auswahl ist dagegen bei den Materialien für die Umhausung an sich möglich. Da setzen die Engeraner voll und ganz auf Aluminiumprofile und entsprechendes Zubehör vom großen Borgholzhausener Geschäftspartner.

Aus gutem Grund. ¿Unsere Schutzumhausungen lassen sich schnell an geänderte Gegebenheiten anpassen. Oftmals sogar vom Kunden selbst. Sie sind im wahr- sten Sinne des Wortes modular¿, führt Peter Gärtner aus. Schneidbrenner und Schweißgeräte, die bei Veränderungen von Umhausungen aus Stahl durchaus gebraucht werden, können in der Werkstatt stehen bleiben. Womit unter anderem die Brandschutzmaßnahmen an Ort und Stelle entschärft werden.

Das zahlt sich aus
Noch einen weiteren Vorteil bietet die materialmäßige ¿Einschränkung¿. Die Profile und Verbindungselemente liegen in Enger auf Lager. Das macht flexibel bei den Lieferterminen. ¿80 Meter Schutzverkleidung liefern wir innerhalb eines Tages. Und normalerweise fertigen wir selbst komplexe Umhausungen innerhalb von ein bis zwei Tagen.¿

Schnelligkeit und den Vorschriften entsprechende, bedienerfreundliche Konstruktionen der Umhausung haben ihren Preis. Der sich im Endeffekt aber rechnet. Denn längere Produktionsstopps wegen noch fehlender oder unzureichender Sicherheitseinrichtungen oder gar wegen durch Unfälle verursachter Arbeitsausfälle treiben die Kosten viel deutlicher in die Höhe.

Claudia Treffert / Juni 1998

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