Wirtschaft + Unternehmen
Blaue und weiße Daten
In vielen Fällen hat sich das Erfassen von Meßdaten mit Rechnern ungeordnet entwickelt. Als Ergebnis existieren dann zwar die Daten irgendwo, ein schneller und einfacher Überblick läßt sich aber auf diese Weise kaum gewinnen. Haben doch die einzelnen Gruppen weder mit gleichen Geräten, noch mit vergleichbaren Programmen gearbeitet. Das lag im wesentlichen daran, daß selbstverständlich jeder Mitarbeiter für seine Aufgaben auch seine eigenen Programme brauchte und ¿auf gar keinen Fall¿ mit Standardlösungen arbeiten konnte. Dabei haben Standardlösungen inzwischen einen Stand erreicht, der praktisch keine Wünsche offen läßt.
Betrachtet man die Entwicklung der Meßtechnik in der jüngeren Vergangenheit, so zeigen sich ganz deutlich zwei Tendenzen. Zum einen läuft ohne den Einsatz von Rechnern praktisch nichts mehr. Das mag man bedauern, geht doch gelegentlich einige Transparenz verloren. Aber die Vorteile überwiegen so sehr, daß die geringen Nachteile nicht ins Gewicht fallen. Und zum anderen liefern die meisten Sensoren standardisierte Ausgangssignale, die die Rechner ohne sonderliche Schwierigkeiten verarbeiten können.
Trend geht zum Standard
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Ausgangssignale analog oder digital anstehen. Im ersteren Falle bekommen die Rechner entsprechende Eingangsschaltungen, die die analogen Signale digital umsetzen. Und liegen sie bereits digital vor, bedarf es nur noch der geeigneten Schnittstelle. Die anschließenden Bearbeitungsprogramme können völlig unabhängig von der jeweiligen Meßgröße laufen, schließlich sieht man einer Zahl oder einem Strom nicht von vornherein an, welche physikalische Größe dahinter steht. Diese muß man natürlich zur Anzeige wieder hinzufügen (oder auch zum Überwachen von Grenzwerten).
Dabei gibt es über den Vergleich der physikalischen Größen hinaus eine weitere Variante. Sie übersetzt die eingegebenen Grenzen direkt in die intern genutzte Form und arbeitet damit dann rein formal weiter.
Im Grunde brauchen Sie sich als Anwender darum aber gar nicht zu kümmern. Wenn Sie ordentliche Programmsysteme ausgewählt haben, tun die das schon von ganz allein. Was uns fast zwangsläufig dazu führt, einiges zu den Programmsystemen aufzuschreiben. Ich will das an Hand des Programmsystems Diadem tun, dessen Anbieter Sie wie üblich am Schluß des Artikels finden. Der Anbieter nennt sein System PC-Werkstatt. Das weist zum einen auf den Einsatz von Personalcomputern hin, die ja sehr flexible Lösungen ermöglichen, und zum anderen auf die bereits in der Überschrift erwähnten ¿blauen¿ Daten, wie sie eben in der Werkstatt anfallen.
Daten aus der Praxis
In einer Werkstatt brauchen Sie normalerweise mindestens eine Werkbank und dazu dann Werkzeuge. Genauso stellt sich das Programmsystem dar. Da gibt es zunächst mal einen Rahmen, den Sie mit den jeweils erforderlichen Werkzeugen füllen. Wobei hier Werkzeug als Bezeichnung für einzelne Programme steht, die selbstständig arbeiten aber auch miteinander kommunizieren können. Und der Vorteil des ganzen Systems besteht darin, daß Sie nur die Programme anzuschaffen brauchen, die Sie benötigen. Dieses Vorgehen schränkt Sie aber in keiner Weise ein, denn bei Bedarf lassen sich jederzeit und problemlos weitere Einzelprogramme zufügen.
Ordnung durch Programme
Dabei bietet diese Werkstatt einen ganz wesentlichen Vorteil. Während auf der Werkbank nach einiger Arbeitszeit häufig ein malerisches Durcheinander der verschiedensten Werkzeuge herrscht, räumt die PC-Werkstatt alle nicht mehr gebrauchten Werkzeuge automatisch auch wieder weg. Auf Ihrer realen Werkbank müssen Sie das selbst tun, deshalb unterbleibt es meistens ¿ mit den beschriebenen Folgen. Sie behalten also stets die Übersicht und machen dadurch entschieden weniger Fehler.
Die Zahl der lieferbaren Werkzeuge und Geräte ist sehr groß. Und sie wächst ständig weiter. Zudem haben Sie die Möglichkeit, aus den vorhandenen Geräten heraus neue für Spezialaufgaben zu entwickeln. Ich kann natürlich unmöglich alle hier aufschreiben. Deshalb nur ein paar Übersichtsangaben. So finden Sie Geräte zum Erfassen von Meßwerten der unterschiedlichsten Größen. Sodann solche für das mathematische Bearbeiten dieser Größe und das gegenseitige Verknüpfen. Was Überwachungs- und Regelgeräte und solche für das Ausgeben von Meßwerten umfaßt. Wobei sich die Ausgabe sehr vielseitig darstellt, reicht sie doch von der Zahlentabelle bis zur mehrdimensionalen Grafik.
Nicht nur durch das leichtere Erfassen der Daten sondern auch durch vielfältige neue Forderungen hat sich der Datenstrom mit der Zeit ganz wesentlich vergrößert. Diese Daten bilden einen wertvollen Bestand für die weitere Arbeit im Unternehmen. Zum einen lassen sich aus ihnen eventuelle Produkthaftungen klären und zum anderen liefern sie die Grundlagen für die Weiterentwicklung der Produkte.
Alle haben Zugriff
Mindestens die Älteren unter Ihnen erinnern sich sicher an die Situation in der Entwicklung, in der sich irgend jemand wage daran erinnerte, daß ein vergleichbares Problem bereits früher zur Lösung anstand. Und dann ging das große Suchen los, was aber oft im Sande verlief. Deshalb läßt man heute die Daten in Datenbanken laufen, die sich aus vielen Quellen speisen und auf die auch viele Interessenten zugreifen können. Das Problem des Datenschutzes will ich hier nicht erörtern, damit müssen Sie sich unabhängig von den genutzten Systemen ohnehin auseinandersetzen. Die Notwendigkeit dazu sehen Sie spätestens dann ein, wenn ein Mitbewerber genau mit dem Produkt, auf das Sie Ihre ganze Hoffnung gesetzt haben, vor Ihnen auf den Markt kommt.
Womit wir bereits den Übergang von den blauen zu den weißen Daten gefunden hätten. Auf der Eingangsseite stehen eindeutig die im Betrieb erfaßten blauen Daten zum Speichern an. In der Datenbank selbst können dann auch die ¿weißen¿ Mitarbeiter zugreifen. Und natürlich lassen sich dort auch die gesuchten Daten leichter wiederfinden. Und nicht nur das. Es läßt sich auch ziemlich einfach feststellen, ob ein vergleichbares Problem bereits einmal untersucht worden ist. Diese Aufgaben führen fast zwangsläufig zum Vernetzen der einzelnen Rechner, denn selbst ein relativ kleiner Betrieb kommt kaum mit einem einzelnen Gerät aus.
Das Beispiel: Pumpenprüfstand
Auf der Basis der nun ganz grob skizzierten Möglichkeiten hat der Pumpenhersteller Allweiler AG in Radolfzell einen Pumpenprüfstand zum automatischen Erfassen der Kennwerte ausgebaut. Das Erfassen der Meßwerte erfolgt hier mit Hilfe einer PC-Einsteckkarte, die sowohl analoge als auch digitale Signale empfangen und ausgeben kann. Die gemessenen Werte erscheinen am Bildschirm und gehen gleichzeitig in den Speicher. Zum sicheren und schnellen Erfassen der Prüfaufgabe erscheint eine bildliche Darstellung des Prüflings auf dem Bildschirm.
Überschreitet das erforderliche Antriebsdrehmoment eine vorgegebene Grenze, schaltet das Gerät den Antrieb ab. Da der gesamte Prüfablauf automatisch erfolgt, entlastet er das Personal weitgehend von Routinearbeiten, die erfahrungsgemäß fehlerempfindlich sind.
Auch ein großer Autohersteller bedient sich eines solchen Systems. Im Endausbau sollen dort 500 PC im Motorenprüffeld vernetzt werden. Dabei spielt dann auch eine für die Autoindustrie geschaffene Schnittstelle eine Rolle, die das System akzeptiert.
Wenn Sie sich für eines der Programmpakete zur Meßwertverarbeitung interessieren, setzen Sie sich mit dem Anbieter in Verbindung. Er unterstützt Sie natürlich auch bei der Auswahl der erforderlichen Rechner und bei dem, was Sie sonst noch so brauchen.
Denn, bei aller Flexibilität, wenn Hard- und Software aufeinander abgestimmt sind, wiegen Sie auf der sicheren Seite. Außerdem haben Sie nur einen Ansprechpartner, wenn¿s irgendwo hakt.
Hermann Stange / Oktober 1997








