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Artikel und Hintergründe zum Thema

Antrieb für Abkantpressen

Kraft und Geschwindigkeit

Katja Ebenhoch, Leiterin des Geschäftsfelds Industrieller Maschinenbau, Hoerbiger
Elektrisch oder hydraulisch? Mit einem Mix aus beidem setzt Hoerbiger Automatisierungstechnik auf die Technologie-Entwicklung für das anspruchsvolle Marktsegment der Bearbeitungsmaschinen. Katja Ebenhoch, Leiterin des Geschäftsfelds Industrieller Maschinenbau, erklärt das neue System.

SCOPE: Frau Ebenhoch, die Hydraulik hat im Markt zunehmend Akzeptanzprobleme. Elektrische Antriebe sind im Kommen. Woran liegt das?

Ebenhoch: Die Hydraulik gilt als altbackene und schmutzige Technologie, die heutigen Marktanforderungen scheinbar nicht mehr gerecht wird. Es stimmt: Im Maschinenbau ist der Trend zur Elektrifizierung nicht zu leugnen. Die letzten Jahre sind geprägt von smarten elektrischen Antrieben mit hoher Präzision. Und vor allem: Es sind saubere Antriebe. Im Unternehmensbereich Automatisierungstechnik setzen wir auf das Beste aus zwei Welten. Das Kern-Know-how unserer Neuentwicklung ist die Hydraulik, die wir intelligent mit Elektrotechnik kombinieren.

SCOPE: Warum der Hype um Elektrotechnik?

Ebenhoch: Elektrotechnik ist sauberer und präziser als jede andere Technologie. Das ist für den Maschinenbau verlockend. Und was diesen Hype seit einigen Jahren mit anheizt, ist die Energieeffizienz. Wenn ein Elektromotor steht, verbraucht das System quasi keine Energie. Auch die hohe Genauigkeit und Regelbarkeit von elektrischen Systemen spielen eine Rolle. Aber: Elektrotechnik allein erfüllt noch keine Funktion. Ein Ansatz im Markt ist es daher, Elektrotechnik und Mechanik zu kombinieren. Es hat sich allerdings gezeigt, dass solche Kombinationen aufwändig und verschleißanfällig sind. Außerdem stoßen sie an Grenzen, wenn große Kräfte in Verbindung mit Geschwindigkeit gefragt sind. Sie sind für solche Anforderungen zu teuer und zu schwach.

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SCOPE: Zu teuer und zu schwach?

Ebenhoch: Bei bestimmten Antriebskonzepten interessiert sich der Kunde in erster Linie für eine Investition in die Funktion und damit letztlich für die Kraft. Im Markt für Abkantpressen, in dem sich Hoerbiger seit mehr als 35 Jahren bewegt, sehen wir die Limitierungen elektro-mechanischer Systeme. Sie sind zwischen 30 und 40 Tonnen Nennkraft noch teilweise gleichauf mit reinen Hydrauliklösungen - aber spätestens bei 50 Tonnen und mehr sind diese Systeme nicht mehr wirtschaftlich. Eine Abkantpresse ist eine Produktionsmaschine, deren Wirtschaftlichkeit anhand von Stückkosten bewertet wird. Im Unternehmensbereich Automatisierungstechnik sind wir davon überzeugt, dass wir den Weg zur nachhaltigen Produktivität gefunden haben: Elektro-hydraulischen Systemen gehört die Zukunft.

SCOPE: Also doch Hydraulik. Eingangs haben Sie noch vom schlechten Image der Technologie gesprochen. Wie geht das zusammen?

Ebenhoch: Ich verrate Ihnen etwas: Ich mag kein Öl. Aber mal ehrlich, wer mag denn schon Öl? Die Gefahr von Leckagen ist einer der wesentlichen Punkte, die zum schlechten Image der Hydraulik beigetragen haben. Das Risiko externer Leckagen können sie als Systemhersteller nur minimieren, wenn sie über fundiertes Hydraulik-Wissen verfügen - wie wir.

SCOPE: Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ebenhoch: Was sind die größten Gefahren für hydraulische Systeme? Schmutz! Aus diesem Grund werden unsere Steuerblöcke explosionsentgratet, alle verbauten Teile gewaschen und inklusive aller Verbindungen kompakt, geschlossen und prozesssicher an den Kunden übergeben. Der Imageschaden, den die Hydraulik erlitten hat, liegt nicht in der Technologie an sich begründet, sondern in unsachgemäßer Handhabung, geplatzten Schläuchen oder undichten Fittings.

SCOPE: Das klingt jetzt fast wie eine Ehrenrettung.

Ebenhoch: Es gibt keine vergleichbare Technologie, die sowohl Kraft als auch Energiespeicherung auf so kleinem Raum realisieren kann. Und dabei ist das Gesamtsystem so unglaublich kompakt, stark und durch Dauerschmierung von langer Lebensdauer. Intelligente elektro-hydraulische Systeme - davon bin ich überzeugt - werden die Lösungen der Zukunft sein.

SCOPE: Was verstehen Sie unter intelligenten elektro-hydraulischen Systemen?

Ebenhoch: Leckage ist in jeder Hydraulikanwendung das Schlimmste, was passieren kann. Aber was, wenn es keine Verrohrung und Verschlauchung gibt? Also keine potenziellen Leckagestellen? Was, wenn der Kunde lediglich ein geschlossenes kompaktes System an seiner Maschine befestigen müsste? Oder einfach formuliert: Acht Schrauben und ein paar Kabel - wie ein elektrischer Antrieb. Intelligente elektro-hydraulische Systeme funktionieren mit Öl, das der Kunde nicht sieht. Sie sind stark, schnell, umweltfreundlich, energieeffizient und wirtschaftlich. Ein solches System erfüllt genau die Kriterien, die Kunden von einer zukunftsweisenden Lösung erwarten: Es vereint ausschließlich die Vorteile der beiden Technologien und schaltet dabei die Nachteile aus. Natürlich müssen auch diese Antriebe schnell und hochgenau arbeiten. Und genau das haben wir mit dem e-Prax geschafft. Wir sind überzeugt, dass wir damit die Entwicklungen elektrischer Antriebe revolutionieren werden.

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