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Artikel und Hintergründe zum Thema

Jahresstart ohne Erholungssignal

Melanie Steinbeck,

Aluminiumindustrie 2026 weiter unter Druck

Die deutsche Aluminiumindustrie startet ohne erkennbares Erholungssignal in das Jahr 2026. Weder im Recycling noch im Halbzeugbereich zeigt sich im ersten Quartal eine nachhaltige Trendwende. Die Produktionsdaten liegen in zentralen Segmenten weiterhin unter dem Vorjahresniveau, besonders deutlich bei Remeltern und Herstellern von Strangpressprodukten.

Präsident von Aluminium Deutschland e. V., Rob van Gils © Aluminium Deutschland

Die Entwicklung reiht sich damit in eine Phase ein, in der die Branche bereits seit mehreren Jahren mit schwacher Nachfrage, hohen Standortkosten und angespannten Rohstoffmärkten ringt.

Der Präsident von Aluminium Deutschland e. V., Rob van Gils, beschreibt die Lage entsprechend deutlich: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Aluminiumindustrie weiterhin in einem schwierigen konjunkturellen und strukturellen Umfeld arbeitet. Einzelne positive Entwicklungen ändern nichts daran, dass zentrale Segmente unter Druck stehen. Ohne eine spürbare Verbesserung der Standortbedingungen wird sich die Situation nicht nachhaltig verbessern.“

Produktion ohne Aufwärtstendenz

Im ersten Quartal 2026 wurden in Deutschland 684.564 Tonnen Recyclingaluminium produziert. Das entspricht einem Rückgang von rund drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Herstellung von Aluminiumhalbzeug sank leicht um ein Prozent auf 568.688 Tonnen.

Eine konjunkturelle Erholung zum Jahresbeginn ist damit nicht erkennbar. Vielmehr setzt sich die zuletzt beobachtete Schwäche in den industriellen Kernsegmenten fort.

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Recycling: Uneinheitlich, aber insgesamt rückläufig

Im Recyclingbereich zeigt sich ein gespaltenes Bild – mit einem insgesamt negativen Trend. Während die sogenannten Refiner ihre Produktion leicht um zwei Prozent auf 128.639 Tonnen steigern konnten, ging die Produktion der Remelter um vier Prozent auf 555.925 Tonnen zurück. Sie bleiben damit der Haupttreiber der rückläufigen Gesamtentwicklung im Recyclingsegment.

Zusätzlich verschärft wird die Lage durch die Rohstoffseite. 85 Prozent der Unternehmen berichten von einer Verknappung von Aluminiumschrotten. Für die Branche, in der Schrotte eine zentrale Grundlage der Produktion darstellen, ist das ein strukturelles Problem.

Halbzeugbereich schwächelt weiter

Auch im Halbzeugbereich bleibt die Dynamik schwach. Die Produktion von Walzprodukten sank leicht um ein Prozent auf 452.894 Tonnen. Deutlich stärker fällt der Rückgang bei Strangpressprodukten aus, die um vier Prozent auf 115.794 Tonnen nachgaben.

Betroffen sind hier insbesondere Abnehmerbranchen wie Bau- und Automobilindustrie, deren Nachfrage seit längerem unter Druck steht.

Stimmung bleibt verhalten

Die Produktionsdaten werden durch aktuelle Umfragen der Branche gestützt. 66 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Auftragslage als schlecht oder sehr schlecht, 71 Prozent berichten von niedriger Kapazitätsauslastung. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten 57 Prozent keine Verbesserung.

Hinzu kommt eine grundsätzliche Standortdebatte: 76 Prozent der Unternehmen halten es für eher nicht oder nicht möglich, Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen und gleichzeitig industrielle Produktion in Deutschland zu sichern. Damit verengt sich die Diskussion zunehmend von konjunkturellen Fragen hin zu strukturellen Zukunftsrisiken.

Anpassungen in den Unternehmen

Die anhaltende Belastung führt in vielen Betrieben zu Gegenmaßnahmen: Kostensenkungen, Kapazitätsanpassungen und Standortentscheidungen. Dazu zählen auch Stellenabbau, Produktionsverlagerungen und Schließungen von Kapazitäten im Inland.

Besonders der Personalabbau wird dabei als häufigste Maßnahme genannt. Branchenvertreter warnen vor dauerhaften Verschiebungen industrieller Wertschöpfung ins Ausland, sollten Produktionsstandorte aufgegeben werden.

Forderung nach besseren Rahmenbedingungen

Vor diesem Hintergrund fordert die Branche verlässliche und wettbewerbsfähige Standortbedingungen. Aluminium Deutschland e. V. verweist insbesondere auf Energiepreise, Bürokratie, Rohstoffverfügbarkeit und Planungssicherheit.

Aluminium Deutschland e. V. Hauptgeschäftsführerin Angelika El-Noshokaty © Aluminium Deutschland

Auch die Hauptgeschäftsführerin des Verbands, Angelika El-Noshokaty, formuliert die Lage grundsätzlich: „Die Lage der Aluminiumindustrie zeigt, dass es nicht um eine kurzfristige Schwäche einzelner Segmente geht, sondern um die industrielle Substanz des Standorts Deutschland. Hohe Kosten, schwache Nachfrage, knappe Rohstoffe und wachsende Regulierung belasten die Unternehmen gleichzeitig. Damit Produktion und Beschäftigung in Deutschland gehalten werden können, braucht die Branche verlässliche, wettbewerbsfähige und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen.“

Die Branche sieht sich damit nicht nur in einer konjunkturellen Schwächephase, sondern zunehmend in einer strukturellen Belastungssituation, die über das Jahr 2026 hinausreicht.

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