Industriegründungen legen um 125 Prozent zu

Melanie Steinbeck,

Startup-Neugründungen steigen deutlich

Das deutsche Startup-Ökosystem ist mit hoher Dynamik in das Jahr 2026 gestartet. Zwischen Januar und Juni wurden bundesweit 3.053 Startups neu gegründet. Das sind 52 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025 – und bereits nach sechs Monaten mehr Neugründungen als im gesamten Jahr 2024. Das geht aus der aktuellen Ausgabe der Report-Reihe „Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland“ hervor, die der Startup-Verband gemeinsam mit startupdetector seit 2022 halbjährlich veröffentlicht.

© Nuthawut/stock.adobe.com

„Über 3.000 neue Startups in sechs Monaten. So viel Gründungsdynamik gab es in Deutschland noch nie“, sagt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands. „KI senkt die Hürden fürs Gründen deutlich und immer mehr Menschen nutzen diese Chance. Damit aus dem Gründungsboom auch ein Wachstumsboom wird, muss die Politik jetzt beim Thema Kapital liefern – sonst entstehen die Ideen hier und die Champions woanders.“

Juni 2026 gründungsstärkster Monat seit Beginn der Erhebung im Jahr 2019

Der Aufwärtstrend, der sich bereits Mitte 2025 abgezeichnet hatte, setzt sich fort. Mit mehr als 600 Neugründungen war der Juni 2026 der gründungsstärkste Monat seit Beginn der Erhebung im Jahr 2019. Die aktuelle Gründungsaktivität liegt damit rund doppelt so hoch wie im langjährigen Mittel. Als Ursachen nennen die Autoren des Reports neben den Möglichkeiten durch Künstliche Intelligenz auch die gesamtwirtschaftliche Lage und den angespannten Arbeitsmarkt. Für viele Talente werde die Gründung eines eigenen Unternehmens zur Alternative, während etablierte Unternehmen bei Neueinstellungen deutlich zurückhaltender geworden seien.

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Wachstum in allen Bundesländern

„Der Gründungsboom ist längst kein Phänomen einzelner Hotspots mehr“, sagt Dr. Felix Engelmann, Co-Founder von startupdetector. „Wir sehen die größten Zuwächse gerade dort, wo Startups auf starke Industrie und exzellente Hochschulen treffen – von Hamburg über Hessen bis Baden-Württemberg.“

Die Zahl der Neugründungen stieg im ersten Halbjahr in allen 16 Bundesländern. Die größten absoluten Zuwächse verzeichneten Bayern mit 626 Neugründungen (plus 48 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025), Nordrhein-Westfalen mit 539 (plus 45 Prozent) und Baden-Württemberg mit 377 (plus 55 Prozent).

Den stärksten relativen Anstieg meldet Hamburg. Dort nahm die Zahl der Neugründungen um 83 Prozent auf 212 Startups zu. Erstmals seit mehreren Jahren wurden damit in absoluten Zahlen mehr Startups in Hamburg als in München gegründet. Berlin bleibt mit 429 Neugründungen die gründungsstärkste Stadt Deutschlands, legte mit einem Plus von 21 Prozent jedoch deutlich langsamer zu als der Bundesdurchschnitt.

Bezogen auf die Einwohnerzahl liegen München (Platz 1), Berlin (Platz 2) und Hamburg (Platz 6) weiterhin vorn. Zu den gründungsstärksten Städten zählen außerdem Düsseldorf (Platz 2, gemeinsam mit Berlin), Frankfurt am Main (Platz 5), Köln (Platz 9) sowie die Hochschulstandorte Aachen (Platz 4), Potsdam (Platz 7) und Heidelberg (Platz 10).

KI bleibt wichtigster Treiber

Künstliche Intelligenz prägt die Entwicklung maßgeblich. 1.038 der neu gegründeten Startups weisen einen klaren KI-Bezug auf. Damit setzt mehr als jedes dritte neue Startup auf Künstliche Intelligenz. Das ist mehr als im gesamten Jahr 2025.

Der Software-Sektor bleibt mit 844 Neugründungen die stärkste Branche. Gleichzeitig verzeichnen auch andere Bereiche eine hohe Gründungsaktivität. Dazu gehören die Medizin mit 274 sowie der Lebensmittel-Sektor mit 181 Neugründungen. Laut Report spielen KI-Anwendungen und die damit verbundenen Technologiesprünge auch dort eine wichtige Rolle.

Industriegründungen nehmen deutlich zu

Für die Industrie fällt die Entwicklung ebenfalls deutlich aus. Insgesamt 128 Startup-Neugründungen lassen sich dem Industriesektor zuordnen. Das entspricht einer Steigerung um 125 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025. Vor dem Hintergrund der Transformation hin zur Klimaneutralität und der Frage nach der künftigen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie bezeichnet der Report diese Entwicklung als bemerkenswert.

Mehr Unicorns, aber Kapital bleibt Herausforderung

Seit Anfang 2026 sind sechs neue Unicorns hinzugekommen. Deutschland zählt damit insgesamt 36 Startup-Unternehmen mit einer Milliardenbewertung. Im internationalen Vergleich bleibt der Abstand zu den USA jedoch groß. Dort gibt es laut Report rund 900 Unicorn-Startups. Mit Tubulis und Contentful wurden zudem zuletzt zwei deutsche Unicorns von US-Konzernen übernommen.

Verena Pausder fordert deshalb bessere Bedingungen für Wachstumsfinanzierungen: „Für globale Champions Made in Europe brauchen wir einen starken europäischen Kapitalmarkt. Hier muss die WIN-Initiative im Regierungshandeln Priorität bekommen und bestehende steuerliche wie regulatorische Hindernisse für Venture Capital müssen durch Anreize ersetzt werden. Die Bundesregierung geht bei der Rentenreform in die richtige Richtung: Jetzt muss sichergestellt werden, dass Venture Capital in allen drei Säulen der Altersvorsorge fest verankert wird.“

Grundlage des Reports „Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland“ sind die von startupdetector erfassten Handelsregisterdaten zu Startup-Neugründungen in Deutschland, die seit 2019 systematisch ausgewertet werden.

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