Wirtschaft + Unternehmen

(Fast) alles und Hochdeutsch

Wir können alles außer Hochdeutsch ¿ eine Kampagne, die einschlug und zeigte, dass man in Baden-Württemberg durchaus über Humor und Selbstkritik verfügt. Bekannt sind die Schwaben und Badener aber vor allem als Tüftler und Techniker. Dass Dialekt-Frotzeleien nicht immer den Tatsachen entsprechen, stellt sich bei BCT in Willstätt bei Kehl schnell heraus: von Hochdeutsch über Sächsisch bis zum unvermeidlichen Badensisch sind viele Dialekte vertreten.
Eingerahmt zwischen Schwarzwald und Vogesen, den Rhein vor der Haustür und von der Sonne verwöhnt tüfteln in Willstätt Ingenieure und Informatiker an CAD- und PDM-Lösungen für den Maschinenbau. Alle Applikationen sind auf das 3D CAD-System Unigraphics von EDS ausgerichtet. Die Spezialisierung auf den Maschinenbau macht Sinn, denn gerade in dieser Branche sind Entwickler und Konstrukteure auf spezielle Werkzeuge für ihre Arbeit angewiesen. Das BCT-Dienstleistungsspektrum reicht dabei von Beratung und Prozessanalysen vor und während der Projektphase über projektspezifische Trainings und Standardschulungen bis zu Dienstleistungen bei Integration und Support. Das Software-Portfolio umfasst branchenspezifische Bibliotheken für geometrische Form-Features, Norm- und Werksnormteile so- wieKatalogteile, Variantenbauteile und -baugruppen. Der Konstrukteur erhält damit die Möglichkeit, Varianten wirtschaftlich wirksam zu reduzieren.
Einige Beispiele aus dem BCT-Portfolio, die das Konstruieren wesentlich erleichtern finden Sie nachfolgend.

Werkzeugkiste für Maschinenbauer
Kein neues Thema und doch zu wenig beachtet: das Variantenmanagement und die Standardisierung im Maschinenbau. Ex VW-Chef Piëch machte dieses Thema mit seiner Plattformstrategie populär.
Beim Variantenmanagement gilt es vor allem die interne Vielfalt zu bewältigen. Für die Konstruktion bedeutet dies, die Anzahl der Teile, Komponenten und Varianten zu reduzieren. Aus Willstätt kommt dafür die Standardisierungslösung IECS (Engineering Component Solution), zu der beispielsweise die CAD-Bibliothek 3D-Pool gehört. Diese ermöglicht Verwaltung, Handhabung und Integration einzelner Bauteile und kleiner Baugruppen, basierend auf Industriestandards und auch Werksnormen. Die Einbindung eigener Teile und Baugruppen in die bestehenden Bibliotheken ist ebenfalls möglich. Einen riesigen Vorrat an weiteren Teilen findet der Anwender im Internet-Portal von BCT.
Ein weiteres Module ist der PE-Designer, der den Konstrukteur bei der Generierung, Änderung und Verwaltung von immer wieder verwendbaren Konstruktionselementen unterstützten soll. Zeitsparende Neukonstruktionen auf Basis vorhandener Teile sollen durch seine Hilfe entfallen und die Zusammenfassung mehrerer, meist komplexer Konstruktionsschritte möglich sein.

PDM ¿ Herrscher über Daten
Verbindendes Glied der IECS-Module ist ein PDM-System (Product Data Management), das sich speziell für CAD-Anwender von Unigraphics und Cocreate (ME 10) eignet. Im Gegensatz zu anderen Lösungen ist dieses Midrangesystem vorkonfiguriert und dadurch auch von mittelständischen Unternehmen schnell einsetzbar.
Zu den weiteren interessanten Eigenentwicklungen der Badener zählen der ¿Inspector¿ und ¿3D-Raster¿. Der Inspector ermöglicht die automatisierte Erfassung und Handhabung von Zeichnungsmerkmalen (Bemaßungen, Toleranzen, Oberflächensymbole) aus Unigraphics. Die ermittelten Werte sind direkt mit den 3D-Geometrieobjekten verknüpft und können in verschiedenen Formaten im Rahmen einer geschlossenen Prozesskette exportiert werden. BCT betont, dass derzeit ¿kein vergleichbares Produkt für Unigraphics am Markt verfügbar sei¿ und auch Wettbewerber Catia bislang in dieser Hinsicht nichts Vergleichbares liefern kann.

Brücke zwischen Alt- und Neu
Fast alle Unternehmen, die heute in 3D Konstruieren haben ¿ein Vorleben¿, das aus Zeichnungen und 2D-Daten besteht und in dieser Form nicht im 3D-System verwertbar ist. Unigraphics-Anwender, die dieses ¿Schicksal¿ teilen, können mit 3D-Raster auf ein wertvolles Werkzeug zugreifen. Denn das Programm ermöglicht das Erfassen und Konvertieren von Fremddaten wie Zeichnungen oder Mikrofiche in die 2D- und 3D-Formate von Unigraphics. Ebenfalls möglich ist das Darstellen per Viewer und Plotten von Rasterdaten. Einzige Einschränkung: Die erfassten Daten sind nicht nativ, verfügen also nicht über alle Informationen einer ¿original UG-Datei¿. Wichtig ist aber, dass die Maße stimmen und etwa ein altes Teil für einen Zusammenbau nicht neu konstruiert werden muss.
Bereits dieser kleine Einblick in die BCT-Palette zeigt, dass sich die badener Konstruktionsprofis viel Gedanken über Ingenieursaufgaben im Maschinenbau gemacht haben. Da gerade Vielfalt und Flexibilität vom europäischen Maschinenbau gefordert ist, sollten Sie mit den Willstädtern Kontakt aufnehmen. Wie geschrieben, sind nicht nur deren Informationen wertvoll, sondern auch ein Besuch des Firmensitz in reizvoller badischer Umgebung zu empfehlen.
Stefan Graf


Neustart nach Terror
Mit Erscheinen dieser SCOPE-Ausgabe jährt sich das Terroristen-Attentat vom 11. September. Die 1991 gegründete BCT Technology AG verbindet mit dem Anschlag sehr persönliche Ereignisse: In einem der entführten Flugzeuge verunglückte das komplette Führungsteam des Unternehmens. Neben Trauer und Schmerz belasteten danach zunächst massive Management-Probleme die Firma.
In dieser Situation bewährten sich die flachen BCT-Hierarchiestrukturen und die geringe Personalfluktuation der Vergangenheit. Denn nur dadurch war es möglich, dass engagierte und qualifizierte Mitarbeiter als neue Führungskräfte zur Verfügung standen. Innerhalb eines Jahres nach der Katastrophe gelang BCT mit einer neuen Strategie ein erfolgreicher Neustart.

Links: http://www.bct-technology.com, http://www.plm-solutions.de

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