Inline-Qualitätssicherung von 3D-Druckbauteilen
Neue Möglichkeiten in der Qualitätskontrolle
Das Kunststoff-Zentrum – SKZ stellt sich als Messtechnikintegrator für die Bauteilprüfung und Prozessüberwachung den Herausforderungen innerhalb der Kunststoffindustrie. Dazu zählt auch die Qualitätssicherung für den 3D-Druck. Gemeinsam mit Optris wurde diese durch Einsatz von Wärmebildkameras optimiert.
Die Thermografie stellt für die Qualitätssicherung in der additiven Fertigung eine vielversprechende Methode dar, da sie berührungslos und flächig eingesetzt werden kann. Dabei kann die Überprüfung entweder inline während des Druckprozesses oder im Nachgang am hergestellten Bauteil erfolgen. Hierfür wurden in einem abgeschlossenen Forschungsprojekt (Fördernummer: IGF 21677 N), gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, kompakte Infrarotkameras der Firma Optris eingesetzt. Optris ist ein Berliner Technologie-Unternehmen, spezialisiert auf innovative Infrarot-Messgeräte zur berührungslosen Temperaturmessung.
Der 3D-Druck – allgemeiner die additive Fertigung – kann als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden. Dabei sind die Einsatzmöglichkeiten additiv gefertigter Bauteile vielfältig: Sie reichen von der Medizintechnik über den Automotive-Bereich bis hin zur Luft- und Raumfahrtbranche. Mittlerweile werden neben Kleinserien durch zeitweise Lieferengpässe auch verstärkt Ersatzteile und Individualbauteile durch 3D-Druckverfahren hergestellt.
Ein im Bereich der Kunststoffverarbeitung überwiegend eingesetztes Verfahren ist die Fused Filament Fabrication (FFF), zugehörig zur Kategorie der Strangablegeverfahren. Bei dieser Methode wird ein 3D-Modell des Druckobjekts zunächst mittels einer Slicer-Software in einen schichtweisen Aufbau zerlegt und die Bahnpfade für den Druck bestimmt. Definiert anhand dieser Bahnen, legt der Drucker daraufhin das in der Düse aufgeschmolzene Filament ab.
Je nach verwendetem Material und Struktur des Druckobjekts müssen verschiedene Parameter angepasst werden. Da die Anzahl dieser Parameter hoch ist, können Fehler im Druckbild nicht immer vermieden werden. Vor allem bei schnell benötigten Ersatzteilen müssen diese jedoch direkt bei der Herstellung erkannt werden. Eine Qualitätssicherung während des Druckprozesses und am fertigen Bauteil in der industriellen Umsetzung sind deshalb unerlässlich. Die Wärmebildkamera PI 640i von Optris kommt hier optimal zum Einsatz.
Passive Thermografie: Prozessüberwachung mittels Wärmebild
Im Bereich der additiven Fertigung werden bis jetzt hauptsächlich optische Überwachungsverfahren angewendet. Deshalb hat das SKZ eine neue und bildgebende Möglichkeit zur Inline-Qualitätssicherung des 3D-Drucks mittels Thermografie entwickelt. Die Wärmebildkameras von Optris sind dafür hervorragend geeignet. Dabei erwies sich unter anderem die passive Thermografie, die die prozessbedingte Erwärmung des Materials ausnutzt, als zielführend. Mit den Optris-Infrarotkameras kann die Filamentablage live dargestellt werden – gleichzeitig können Prozessparameter wie die Düsentemperatur und Druckbetttemperatur überwacht werden. Durch Überwachung der Temperaturverteilung lassen sich darüber hinaus typische Fehler wie Risse, Ablösungen oder Hohlräume identifizieren.
Die Infrarotkamera PI 640i von Optris habe sich aufgrund ihrer hohen Auflösung bei besonders kompakter Bauweise zum Einsatz in der Inline-Prüfung als geeignet erwiesen, so das Unternehmen. Die von ihr erzeugten thermografischen Daten können bereits während der Aufnahme bildweise ausgewertet werden und sollen schließlich durch Einsatz eines künstlichen neuronalen Netzes die Klassifizierung des Druckobjektes ermöglichen, sodass Veränderungen im 3D-Druckprozess frühzeitig festgestellt werden können.
Aktive Thermografie: Nach dem Druck ist vor der Prüfung
Vor allem bei sicherheitsrelevanten Bauteilen ist neben der Inline-Prüfung auch eine Qualitätskontrolle nach dem Druck empfehlenswert. Da häufig Einzelstücke gefertigt werden, kommt dafür nur eine zerstörungsfreie Prüfung zum Beispiel durch aktive Thermografie in Frage. Komplexe Bauteile können hierbei mit Hilfe von Optris-Infrarotkameras in kurzer Zeit großflächig untersucht werden. Dabei können sowohl oberflächennahe Fehlstellen als auch Fehler im Inneren des Bauteils – bei geeigneter Auswertetechnik – sichtbar gemacht werden.
Mit aktiver Thermografie können beispielsweise der Verlauf der inneren Stützstruktur, der Infill des Objekts oder die Lage von Hohlräumen überprüft werden. Auch beim praktischen Einsatz der Druckobjekte eignen sich die Optris-Infrarotkameras, um Bauteile auf ihre Funktionalität oder Schäden zu prüfen. Alterungsbedingt können sich mit der Zeit Risse oder unerwünschte Lücken bilden. Auch andere Schäden – wie Delaminationen – lassen sich mit Hilfe der Optris-Infrarotkameras noch vor einem Versagen der Bauteile erkennen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Infrarotkameras für die Qualitätssicherung während der Fertigung, im direkten Nachgang und beim Einsatz des Produkts vielseitige Möglichkeiten bieten, die potenziell auftretenden Fehlstellen zu detektieren. Gerade beim Einsatz am beziehungsweise im Drucker eignen sich die kostengünstigen, kompakten und hochauflösenden Wärmebildkameras.










