Produktionslogistik

Johann Soder, SEW-Eurodrive/ dsc,

Gestelltransport im Baukasten

Der Hersteller SEW-Eurodrive hat sein Maxolution-System ausgebaut.

Die Gestelltransporter lassen sich mit dem Maxolution-System individuell zusammenstellen © SEW-Eurodrive

Flexibilität, Wandlungsfähigkeit, Vernetzung und autarke Module sind die Schlagworte für die Gestaltung von Fabriken. Unternehmen stehen ständig vor der Herausforderung, Produktionslinien stückzahl- oder portfoliobedingt zu erweitern und umzubauen. Durch das Auflösen traditioneller Fertigungslinien in einzelne Produktionsmodule entstehen Einheiten, die bei Bedarfsänderungen flexibel erweitert oder anders angeordnet werden können. Die räumliche Entkopplung der Logistik sowie die Vernetzung der Produktionseinrichtungen mittels mobiler Assistenzsysteme erhöhen die Flexibilität um 25 Prozent.

Aus dem umfangreichen Baukasten des Geschäftsfelds Maxolution System Solutions von SEW-Eurodrive lassen sich, abgestimmt auf die Applikation, kundenindividuelle mobile Systeme konfigurieren. Die Einsatzgebiete mobiler Systeme als Transportfahrzeuge, Logistik-, Montage-, oder Handlingassistenten sind vielfältig, beispielsweise für den Transport von Paletten, Boxen, Kisten in der Produktions- und Distributionslogistik. Oder als Routenzugfahrzeuge für den innerbetrieblichen Warenverkehr – als Alternative zum Stapler – sowie zur Verknüpfung und Erweiterung von Förderanlagen. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Bereitstellung von Bauteilen an Montagelinien oder als fahrende, ergonomische Werkbank im Montageprozess. Systemlösungen von SEW-Eurodrive werden auch als mobile Cobots für Pick-and-Place-Tätigkeiten, im Kommissionierungsumfeld oder mit kooperativen Fähigkeiten für Montage- und Fügevorgänge verwendet. Und schließlich sind sie zum Einsatz in der Produktions- und Distributionslogistik für den Transport verschiedenster Regale und Gestelle optimiert.

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Produktvielfalt und E-Commerce als Treiber der Logistik

Die Logistikbranche ist in Deutschland – nach der Automobilindustrie und dem Handel – der größte Wirtschaftsbereich, noch vor der Elektronikbranche und dem Maschinenbau. Die Rahmenbedingungen und Perspektiven für die Logistikbranche bleiben trotz oder auch wegen der COVID-19-Pandemie günstig. Zu den primären Treibern zählen vor allem das stetige Wachstum im E-Commerce und der Lebensmittelhandel. Auch in produzierenden Unternehmen müssen immer mehr logistische Prozesse bewältigt werden, insbesondere durch eine steigende Produktdiversifikation. Statistiken zufolge werden rund ein Drittel der Herstellkosten durch logistische Aufwände verursacht. Die Optimierung der Logistikabläufe durch den Einsatz fahrerloser Transportfahrzeuge und intelligenter, autonomer Logistikassistenten bieten ein dementsprechend großes Potenzial.

Intelligente Konzepte erhöhen die Sicherheit

Die mobilen Assistenten ersetzen an vielen Stellen starre Fördereinheiten oder die konventionellen, bemannten Stapler und vereinfachen so den innerbetrieblichen Materialfluss und verschiedenste Abläufe in der Produktions-, Lager- und Distributionslogistik. Mithilfe des Fahrzeugs werden Prozessmodule autonom und kooperativ verkettet. Durch innovative Navigationsverfahren und Energieinfrastruktur-Konzepte bewegen sich die mobilen Systeme zweidimensional frei im Raum und bieten so maximale Gestaltungsfreiheit und Flexibilität in der Fabrik. Intelligente Konzepte erhöhen die Prozess-, Anlagen- und Personensicherheit und sorgen für störungsfreie Produktionsprozesse. Über definierte Softwareschnittstellen zu Regalbediengeräten, Hebern und Shuttles können die Logistikassistenten und Transportfahrzeuge in Lagervorzonen oder Kommissionierbereichen eingesetzt werden.

Kundenindividuelle Aufbauten sind möglich

Für den Transport verschiedener Ladungsträger wie Paletten, Gestelle oder kundenindividuelle Aufbauten wurde das mobile System MAXO-MS-RA006 wurde speziell für diesen Anwendungsfall entwickelt. Auf diese Weise kann Material auf den Gestellen zentral am Lager bestückt und anschließend befüllt zur Verbrauchsstation transportiert werden. Dort kann das Regal an fixen Stationen abgestellt oder ein flexibel mit Rollen ausgestattetes Regal an Übergabestationen abgegeben werden. In diesem Zuge erfolgt auch der Rücktransport leerer Regale und Gestelle. Mit Hilfe seiner exakten Positionierfähigkeiten unterfährt das Fahrzeug Ladungsböcke, Gestelle und Regale und ist in der Lage, diese über das eingebaute Hubmodul anzuheben. Seine stabile Konstruktion erlaubt es, während der Fahrt den beladenen Hub ein- und auszufahren. Dadurch lässt sich die Prozesszeit des Transports verbessern.

Durch die sichere Ladungsträgeridentifikation können verschiedene Gestellgrößen und Gestellarten sicher identifiziert werden. Dank dieser Funktion ist es möglich, mit einem Fahrzeug verschiedene Gestelle zu transportieren. Über die Feinpositionierung können schief stehende Gestelle dennoch perfekt aufgenommen werden, auch ohne zusätzliche Zentriervorrichtungen am Boden. Durch die verbauten Antirutschmatten wird sichergestellt, dass die Last auf dem Hubmodul eine optimale Haftung erfährt. Zusätzlich sorgen federgelagerte Anschläge für eine sichere Fixierung von Euro-Gitterboxen. Dank der Federlagerung der Anschläge lassen sich diese einfahren, sodass auch andere Ladungsträger, beispielsweise Paletten, problemlos transportiert werden können. Die im Hubmodul verbaute Sensorik ermöglicht es mit Hilfe von Ultraschallsensoren zu identifizieren, ob ein Lastübergabeplatz belegt ist oder nicht. Diese Funktion stellt sicher, dass die Nutzung eines Lastübergabeplatzes zu keiner Kollision führt.

Hohe Manövrierfähigkeit in der Fabrik

Von Vorteil ist auch die flächenbewegliche Fahrweise des MAXO-MS-RA006, die die Nutzung des Fahrzeugs auch bei komplexen und kompakten Fabriklayouts ermöglicht. Mithilfe dieser Fahrweise – der Möglichkeit, das Fahrzeug jederzeit in jegliche Richtung zu bewegen – ist es möglich, dass sich der mobile Logistikassistent in sehr engen Umgebungsbedingungen sicher durch verschiedene Regale manövriert. Dies ermöglicht es, u. a. Flächenpuffer mit Regalen zu realisieren und eine Sortierung der Regale auf engstem Raum umzusetzen.

Innovative Kommunikationslösung

Als besonderes Merkmal kann das Fahrzeug neben der SEW-Flottensteuerung auch über die FTS-Kommunikationsschnittstelle VDA 5050 mit Fremdsteuerungen kommunizieren. Das ermöglicht die volle Integration der Fahrzeuge und LOG-Controller – ohne zwischengeschaltete Steuerungsebene. Die Schnittstelle wurde in Kooperation zwischen dem VDA – Verband der Automobilindustrie und VDMA-Fachverband Fördertechnik und Intralogistik entwickelt.

Durch den verwendeten, offenen Standard VDA 5050 sind die Schnittstellenbeschreibungen und Systeme nicht Hersteller- oder Kommunikationsprotokoll-spezifisch. Die LOG-Steuerungen sammeln die lokalen E/As ein, interpretieren und verknüpfen die Signale und stellen sie der Leitrechner-Ebene zur Verfügung. Gleichzeitig dienen die LOG-Steuerungen als Visualisierungs- und Diagnoseeinheiten. Dies ermöglicht, dass Fahrzeuge auch mit anderen fahrerlosen Transportsystemen interagieren, über externe Flottenmanager oder den SEW-Flottenmanager. Zudem ermöglicht das intelligente Energiekonzept mit der kontaktlosen Energieübertragung Movitrans und Energiespeichermodulen eine maximale Flexibilität.

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